Daten des RKI

Immer mehr Impfdurchbrüche nach Corona-Impfung - das hat mehrere Gründe

Trotz vollständiger Impfung infizieren sich immer mehr Menschen in Deutschland mit Corona. Doch woher kommt die gestiegene Anzahl der Impfdurchbrüche?

Hamm - Mit der Zulassung der ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus im Winter 2020/21 hofften viele auf ein schnelles Ende der Pandemie. Schließlich gingen sie davon aus, dass Menschen nach der Impfung nicht mehr an Covid-19 erkranken können. Doch Experten wiesen früh darauf hin, dass kein Impfstoff einen 100-prozentigen Schutz gegen Corona bietet. Das beweist auch die Zahl der Impfdurchbrüche, die in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist. Doch woran liegt das? (News zum Coronavirus)

ImpfungGegen das Coronavirus
Verabreichte Dosen107 Millionen
Vollständig geimpft53,2 Millionen (64,1 Prozent)

Impfdurchbrüche nach Corona-Impfung werden häufiger - woran liegt das?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert Impfdurchbrüche als Corona-Infektionen mit Symptomen, die bei vollständig geimpften Personen - also je nach Impfstoff zwei Wochen nach der ersten oder zweiten Dosis - nachgewiesen werden. Im wöchentlichen Covid-19-Lagebericht veröffentlicht das RKI immer Zahlen dazu. Der aktuelle Stand: Bei 47.753 Geimpften in Deutschland wurden bislang Impfdurchbrüche festgestellt (Stand: 22. September).

Setzt man diese Zahl in Relation zu den Menschen mit vollständigem Impfschutz (gut 53 Millionen am 27. September), sieht man, dass der Anteil der Impfdurchbrüche in Deutschland mit 0,09 Prozent verschwindend gering ist. Die Impfung schützt ihre Empfänger also sehr gut vor einer Infektion und - vor allem vor schweren Krankheitsverläufen.

Auffällig ist aber, dass fast 60 Prozent davon (27.488) zwischen Mitte August und Mitte September festgestellt wurden. Zuletzt gab es beispielsweise einen Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim im Sauerland: 14 Bewohner infizierten sich trotz vollständiger Impfung, zwei kamen sogar ums Leben. In Münster steckten sich 83 Gäste auf einer Party in einem Club mit Corona an - obwohl die 2G-Regel galt.

Mehrere Gründe für gestiegene Zahl von Impfdurchbrüchen nach Corona-Impfung

Die Gründe für die gestiegene Zahl von Impfdurchbrüchen sind vielfältig: Das RKI weist in diesem Zusammenhang grundsätzlich darauf hin, dass die Corona-Impfstoffe zwar allesamt eine „gute Wirksamkeit“ hätten, aber keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion böten. Dass es in den vergangenen Wochen in Deutschland deutlich mehr Infektionen trotz vollständiger Impfung gab, führt das Institut vor allem auf zwei Aspekte zurück: Zum einen steige mit wachsender Impfquote auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter den Infizierten Geimpfte sind. „Vereinfacht gesagt: wenn alle Personen einer Population geimpft sind (Impfquote 100 Prozent), beträgt der Anteil der Impfdurchbrüche an den Erkrankten 100 Prozent (wenn ein Impfstoff nicht zu 100 Prozent wirksam ist)“, heißt es auf der RKI-Homepage.

Zum anderen sei die Anzahl der Impfdurchbrüche auch von den allgemeinen Infektionszahlen abhängig: „Je mehr aktive Fälle es gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, sich als Geimpfter zu infizieren“, erklärt das Robert-Koch-Institut. Ergänzend dazu führte Katherine O‘Brien, Immunologin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), im Gespräch mit tagesschau.de an, dass sich aktuell viele Menschen nicht mehr so streng an die Corona-Regeln halten würden, was ebenfalls die Wahrscheinlichkeit von Impfdurchbrüchen erhöhe.

Immer mehr Impfdurchbrüche nach Corona-Impfung: Delta-Variante spielt große Rolle

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei diesem Thema ist die Delta-Variante des Coronavirus. Die erstmals in Indien aufgetauchte Mutation, die deutlich ansteckender als alle vorherigen Varianten ist, macht nach Angaben des RKI in Deutschland mittlerweile mehr als 99 Prozent der Infektionen aus. Die Impfstoffe von Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson wurden aber gegen die Ursprungsform von Sars-CoV-2 entwickelt, sodass es hier zu einer reduzierten Wirksamkeit kommen kann. Alle Hersteller betonen aber, dass ihre Vakzine auch gegen die Virus-Mutanten gut wirken.

Das unterstreicht auch das Robert-Koch-Institut: Die gestiegene Zahl von Impfdurchbrüchen sei „kein Hinweis darauf, dass die Impfstoffe nicht wirksam sind“. Das belegen auch die Zahlen aus dem aktuellen Lagebericht: Von den rund 110.000 Personen, die seit Februar wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt wurden, waren nur 2,2 Prozent vollständig geimpft. Bei den knapp 23.000 Covid-19-Toten seit Februar lag der Anteil der Impfdurchbrüche bei 2,5 Prozent.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt

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