Booster-Immunisierung

Erst Impfung, dann Corona-Infektion? Lauterbach widerspricht Vorstoß von Drosten

Wie wird man am besten immun gegen Corona? Virologe Christian Drosten bringt eine Infektion nach der vollständigen Impfung ins Spiel - und erhält Widerspruch.

Hamm - Bei der Bekämpfung des Coronavirus hat die Diskussion um eine Auffrischungsimpfung Fahrt aufgenommen. Die sogenannte „Booster-Impfung“ soll vor allem Risikogruppen besser vor der mittlerweile vorherrschenden und hochansteckenden Delta-Variante schützen. Für Menschen, die nicht besonders von einem schweren Covid-19-Verlauf gefährdet sind, hat Virologe Christian Drosten einen anderen Vorschlag, wie sie besser immun werden - und stößt damit nicht nur auf Zustimmung.

NameChristian Drosten
BerufVirologe
Geboren12. Juni 1972, Lingen (Ems)

Immun gegen Corona: Christian Drosten bringt Infektion nach Impfung ins Spiel

Erst zweimal impfen lassen und sich dann mit Corona infizieren? Für Drosten offenbar ein probates Mittel, um die Immunität gegen Covid-19 zu verstärken: „Mein Ziel – sagen wir mal: als Virologe Drosten –, wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impfimmunität haben, und darauf aufsattelnd will ich dann aber durchaus meine erste Allgemeininfektion und die zweite und auch die dritte haben“, sagte der Chef der Virologie an der Berliner Charité jetzt in seinem NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Statt einer „Booster-Impfung“ durch eine dritte Dosis spricht Drosten hier von einer „Booster-Immunisierung“.

Der Virologe begründete seine Ansicht folgendermaßen: „Da kriege ich dann Schleimhautimmunität, die ortsständig ist.“ Nach einer Impfung lasse diese schneller nach als nach einer Corona-Infektion. Genau deshalb sei es trotz Impfung weiter möglich, sich mit dem Virus anzustecken - auch wenn die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufes dabei deutlich geringer ist. Als verhältnismäßig gesunder Erwachsener könne er eine Infektion für sich verantworten, sagte Christian Drosten in dem Podcast. Es gebe andere Bevölkerungsgruppen, „die können das natürlich nicht“, führte der Berliner Virologe weiter aus - und spielte damit beispielsweise auf alte Menschen in Pflegeheimen an, die aktuell zum Teil bereits eine dritte Impfung bekommen - nicht ohne Komplikationen.

Immun gegen Corona: Infektion nach Impfung? Karl Lauterbach widerspricht

Ein anderer Gesundheitsexperte kann dem Vorschlag des Berliner Virologen wenig abgewinnen: „Ich würde niemandem empfehlen, sich freiwillig zu infizieren oder eine Ansteckung auch nur zu riskieren“, sagte der SPD-Politiker Karl Lauterbach der Funke Mediengruppe. Zwar sei es richtig, dass eine Corona-Infektion nach einer vollständigen Impfung die Immunität abrunde, aber auch „vollständig Geimpfte können mit schweren Verläufen ins Krankenhaus kommen“. Darüber hinaus bestehe auch bei Geimpften das Risiko von Long Covid, also Langzeitfolgen einer Erkrankung. Zudem warnt Lauterbach: „Drittens vergrößert eine solche Praxis die Gefahr für alle Ungeimpften auf eine riskante Art und Weise.

Der Gesundheitsexperte der SPD gilt als der große Mahner in der Corona-Pandemie. Zuletzt hatte Karl Lauterbach die lasche Strategie in Nordrhein-Westfalen kritisiert und zur Einführung der 2G-Regel mit Freiheiten nur für Geimpfte und Genesene geraten.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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