„... zu spät behandelt“

Mehr Herzinfarkt-Tote während des ersten Corona-Lockdowns – Arzt mit eindringlichem Appell

Während der Coronavirus-Pandemie beobachteten Ärzte eine beunruhigende Zunahme an Herzinfarkten.
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Während der Coronavirus-Pandemie beobachteten Ärzte eine beunruhigende Zunahme an Herzinfarkten.

Ärzte in Hessen haben Todesfälle während des ersten Lockdowns von März bis April 2020 analysiert – und kommen zu einer beunruhigenden Erkenntnis.

Mediziner warnen bereits seit längerem, Früherkennungsuntersuchungen nicht aufgrund der Coronavirus-Pandemie abzusagen. Viele Menschen entscheiden sich aktuell dafür, Arztbesuche so gut es geht zu vermeiden – aus Angst vor einer Infektion mit Coronaviren. Doch dies kann fatale Folgen haben, etwa in Hinblick auf Krebserkrankungen. Hier gilt: Je früher Krebs diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wird die Krebsfrüherkennungsuntersuchung hinausgezögert, kann das entsprechend sogar lebensgefährlich sein. Nicht wenige Ärzte befürchten, dass die Coronavirus-Pandemie zu spät einsetzende Behandlungen zur Folge* haben wird: „Wir werden am Ende wahrscheinlich mehr Tote haben, weil Menschen ihre Therapien verzögert haben“, warnt Prof. Volker Ragosch vom Asklepios-Klinikum Hamburg-Altona.

Und auch in Hinblick auf Herzprobleme hat die Covid-19-Pandemie negativen Einfluss. Deutsche Forscher kamen in einer Auswertung zu dem Ergebnis, dass es während des Lockdowns im Frühjahr 2020 zu zwölf Prozent mehr Sterbefällen durch Herzinfarkt kam. Die Mediziner haben eine einfache Erklärung.

1.977 Menschen verstarben an Herzinfarkt, 320 an Covid-19

Die hessischen Ärzte hatten einem Bild-Bericht zufolge die Leichenschau-Scheine aus 26 Kliniken, die zwischen dem 23. März und dem 26. April 2020 ausgestellt wurden, mit den Todesfällen im Vorjahres-Zeitraum verglichen. 1.977 Tode von insgesamt fast 6.000 Todesfällen entfielen auf Herzinfarkte – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, als 208 Menschen weniger an Herzinfarkt verstarben. 320 Menschen waren der Studie zufolge während des ersten Lockdowns im Frühjahr an Corona verstorben.

Professor Holger Nef, stellvertretender Direktor am Universitätsklinikum Gießen und Erstautor der Studie, sagte im Bild-Interview: „Die Patienten sind während der ersten Lockdown-Phase dem Rat gefolgt, zu Hause zu bleiben. Dadurch wurden allerdings Herzbeschwerden verschleppt und, wenn überhaupt, zu spät behandelt.“ Nef appelliert: „Wir haben eine Zunahme von Todesfällen durch Herzerkrankungen in der ersten Lockdown-Phase festgestellt. Deshalb: Nehmen Sie Beschwerden ernst und gehen Sie zum Arzt oder in die Notaufnahme.“ (jg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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