1. wa.de
  2. Leben
  3. Gesundheit

Heilfasten zu Hause - Experte gibt Tipps für den Verzicht

Erstellt:

Kommentare

Heilfasten: Körper, Geist und Seele reinigen – das klingt erstrebenswert und herausfordernd zugleich. Doch geht der Verzicht auch zu Hause, ohne Kuraufenthalt?

Fulda - Einen Frühjahrsputz für den Körper machen, also zelleigenen Schrott beseitigen, gesünder leben und nebenbei ein paar Kilos verlieren. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Genau das soll aber beim Heilfasten geschehen. Der Effekt heißt in der Fachsprache Autophagie.

Heilfasten zu Hause - Experte gibt Tipps zum Verzicht

„Wie die heutige Grundlagenforschung belegt, werden dadurch die Selbstreinigungskräfte des Körpers nachhaltig angeregt. Dadurch werden nachweislich anti-entzündliche, stoffwechselverbessernde und psychovegetativ-stabilisierende Effekte ausgelöst“, erklärt Dr. Rainer Matejka im Gespräch mit der Fuldaer Zeitung. Er ist Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Malteser-Klinik Dr. von Weckbecker in Bad Brückenau in Unterfranken.

Einige Tage auf feste Nahrung zu verzichten, ist natürlich kein Spaziergang. Fastende brauchen einen starken Willen, Durchhaltevermögen sowie Zeit zum Entschleunigen. So mancher mag sich die Frage stellen, ob all das auch neben Job und Familie möglich ist. Anders gefragt: Ist für Heilfasten unbedingt ein Fastenexperte oder gar eine ärztlich begleitete Kurmaßnahme in einer Heilfastenklinik nötig?

„In einer Heilfastenklinik werden neben der ärztlichen Betreuung intensive Begleitverfahren eingesetzt, vor allem Kneippverfahren, verschiedene Formen der Physiotherapie, aber auch Entspannungsmethoden beziehungsweise psychotherapeutische Gespräche“, so Experte Matejka. Heilfasten bedeutet somit nicht einfach nur, auf Nahrung zu verzichten. „Fasten sollte auch Zeiträume des In-sich-gehens und In-sich-kehrens beinhalten“, so der Ärztliche Leiter. Ähnlich sieht es übrigens auch Fuldas Bischof Michael Gerber: Fasten sei die Chance zum Wachstum in eine „innere Freiheit“.

In Kombination und unter Aufsicht von Ärzten und Therapeuten, die für die Fastentherapie zertifiziert sind, kann sich der Gesundheitszustand eines Fastenden bessern, heißt es auf der Homepage der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das gelte sowohl präventiv bei Gesunden, als auch nachweislich bei bestimmten chronischen und akuten Krankheiten wie rheumatoider Arthritis oder dem Metabolischem Syndrom.

Zwei Tassen Oolong Tee
Auf feste Nahrung zu verzichten erfordert einen starken Willen. © Teeverband.de/dpa-tmn

„Wer ambulant fasten möchte, sollte keine schwerwiegende Erkrankung haben“, so Dr. Matejka. Es ist laut dem Experten eher als vorbeugende Maßnahme für den noch leidlich Gesunden geeignet. Ist das der Fall, sollte man laut dem Chefarzt als Unerfahrener nicht ohne Anleitung Heilfasten. „Sinnvoller ist es dagegen, sich einer Fastengruppe, etwa bei einer Volkshochschule, anzuschließen.“ Die Herausforderung: Beim Fasten von zu Hause aus übermannt uns der Alltag nur all zu oft. Sei es ein ständig aufblinkendes Handy, tobende Kinder oder aber eine Geburtstagsfeier mit leckerem Essen, das man ausschlagen muss.

Ist diese Art zu fasten für einen zielführend? Diese Frage muss man sich letztlich selbst beantworten. Matejka findet: „Der versierte Fastende kann diese etwas ungünstige Konstellation womöglich bewältigen.“ Doch eins ist klar: „Ambulant beziehungsweise von zu Hause fasten, ist natürlich ein erheblicher Kompromiss.“ Der Chefarzt rät daher eher zu einer in den letzten Jahren ins Gespräch gekommenen Variante: dem Intervallfasten.

Heilfasten: Während des Verzichts kann es zu Nebenwirkungen kommen

Abgesehen von der Machbarkeit kann es während des Verzichts zu Nebenwirkungen kommen. Auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist etwa die Rede von Kreislaufbeschwerden, Elektrolytstörungen, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfen. Im Zweifel können aber auch ernstere Risiken entstehen – zum Beispiel eine Herzrhythmusstörung oder ein Kreislaufkollaps, steht es bei DGE geschrieben. Individuelle Probleme wie medikamentöse Anpassungen müssen daher unbedingt berücksichtigt werden. (von Nadine Ladewig)

Auch interessant

Kommentare