Influenza-Welle im Herbst und Winter

Schutz vor Corona? Warum Ärzte jetzt zur Grippe-Impfung raten

Schützt die Grippe-Impfung auch vor Corona? Forscher haben etwas zu der Frage herausgefunden. Ärzte raten, sich gegen Influenza und Covid-19 impfen zu lassen.

Hamm - Die kalte Jahreszeit ist Erkältungs- und Grippezeit. Im Herbst und Winter machen auch in Nordrhein-Westfalen Erkältungs- und Influenzaviren die Runde und sorgen dafür, dass sich jede Saison viele Menschen anstecken. Daher bieten die Hausärzte ihren Patienten jedes Jahr im Herbst eine Grippe-Impfung an, die vor einer Ansteckung oder zumindest schweren Krankheitsverläufen schützt. Hat die Impfung gegen Influenza auch positive Effekte auf den Kampf gegen die Corona-Pandemie? Damit haben sich Forscher jetzt befasst.

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19\tBezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/Corona\tBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme.

Schützt Grippe-Impfung vor Corona? Das sagen Ärzte und Forscher

Eine so kleine Grippe-Welle wie im Herbst und Winter 2020/21 hat es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wohl noch nie gegeben: Nach den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es in der vergangenen Saison nur knapp 600 Infektionen mit dem Influenza-Virus und weniger als 20 Tote im Zusammenhang damit. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor wurden noch fast 190.000 Infektionen und fast 1000 Tote verzeichnet. Ein Grund dafür: Durch die Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsregeln oder Kontaktbeschränkungen hatte das Grippe-Virus kaum Möglichkeiten, sich auszubreiten.

Die Situation wird in der bevorstehenden Grippe-Saison 2021/22 aber wohl ganz anders aussehen: In diesem Herbst und Winter wird es angesichts der fortgeschrittenen Impfkampagne gegen das Coronavirus wahrscheinlich nicht derart strenge Regeln wie im vergangenen Jahr geben. Entsprechend dürfte die Zahl der Infektionen mit der Influenza wieder deutlich steigen - und die Menschen entwickeln ähnliche Symptome wie bei einer Ansteckung mit Corona. Weil die Immunität der Bevölkerung gegen den Erreger aber wegen der quasi nicht vorhanden gewesenen Grippe-Welle 2020/21 geringer ausfällt als üblich, könnte es gerade bei Risikogruppen zu mehr schweren und tödlichen Verläufen kommen.

Daher rufen die Hausärzte vor der Erkältungs-Saison 2021/22 dazu auf, sich gegen das Influenza-Virus impfen zu lassen. „Das Wichtigste für den zweiten Corona-Herbst wird sein, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, und das nicht nur gegen das Coronavirus, sondern auch gegen die Grippe“, sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes der Rheinischen Post. Die Grippe-Impfung trage nämlich entscheidend zum Schutz der Bevölkerung und zur Entlastung des Gesundheitssystems bei.

Grippe- und Corona-Impfung 2021 zeitgleich möglich - „kein großes Problem“

Organisatorisch könnte es Arztpraxen und Patienten helfen, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) sich dafür ausspricht, Grippe- und Corona-Impfung - auch eine mögliche Auffrischung - an einem Termin vorzunehmen. „Das, was man bisher weiß, ist, dass es kein großes Problem zu sein scheint“, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens dem MDR. Es gebe weder bei der gleichzeitigen Verabreichung an zwei unterschiedlichen Körperstellen Probleme, noch sei die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe eingeschränkt. Das besagt auch eine Studie des Impfstoff-Herstellers Novavax, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet.

Und die „Doppel-Impfung“ gegen Grippe und Corona könnte einen positiven Nebeneffekt haben: Wie Forscher aus den USA herausgefunden haben, kann die Influenza-Impfung auch vor schweren Auswirkungen von Covid-19 schützen. Das berichtet die Pharmazeutische Zeitung und beruft sich auf eine Studie, die im Fachjournal PLoS One veröffentlicht wurde. Demnach sei das Risiko, wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, bei Probanden, die nicht gegen die Grippe geimpft waren, bis zu 20 Prozent höher gewesen als bei denen, die den Influenza-Impfstoff erhalten hatten. Das Risiko für eine Behandlung auf der Intensivstation sei sogar bis zu 58 Prozent größer gewesen. Lediglich die Sterblichkeit habe sich nicht unterschieden.

Kommt bald die Impfung gegen Grippe und Corona? Moderna forscht

Daher sehen die Forscher der Universtität Miami die Grippe-Impfung als „realisierbare Option“, um die Folgen der Corona-Pandemie weltweit abzumildern - zumal große Teile der Weltbevölkerung noch gar nicht die Möglichkeit hatten, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

In Zukunft könnte die Diskussion um eine „Doppel-Impfung“ gegen Grippe und Corona aber hinfällig sein: Der US-Pharmakonzern Moderna entwickelt nämlich einen mRNA-Impfstoff, der kombiniert gegen Covid-19 und Influenza schützen soll. Das kündigte Moderna-Chef Stéphane Bancel kürzlich an: „Wir glauben, dass dies erst der Anfang eines neuen Zeitalters der informationsbasierten Medizin ist“, zitiert das Portal Pharma+Food den Franzosen. Biontech/Pfizer arbeitet unterdessen weiter an der Corona-Impfung für Kinder unter zwölf Jahren. Der Hersteller wartet nun auf die Zulassung und Impfempfehlung.

Rubriklistenbild: © Franziska Gabbert

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