Kaum Grippe-Fälle

Gesund dank Corona-Lockdown: RKI-Chef Wieler nennt krasse Zahlen

Der Lockdown senkt die Zahl der Corona-Fälle - und nicht nur die. RKI-Chef Lothar Wieler legt eine erstaunliche Grippe-Statistik vor.

Berlin - Der Corona-Lockdown nervt und frustriert. Homeoffice und Homeschooling machen mürbe, es fehlt die Abwechslung im Distanz-Alltag, und die Haare waren auch schon mal schöner. Seit Mitte Dezember gelten scharfe Regeln in Deutschland - mit Erfolg. Die Infektionszahlen sinken, nicht nur die beim Coronavirus. RKI-Chef Lothar Wieler nennt erstaunliche Zahlen zur Grippe. (News zum Coronavirus)

GrippeInfektionskrankheit
VirusInfluenza A und B
Häufigste Symptomehohes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, trockener Husten

Wegen Corona-Lockdown: Laut RKI-Chef Wieler kaum Grippe-Erkrankungen

Im Dezember 2020 sah es schlimm aus: Weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen in die Höhe schoss, schränkten Bund und Länder wie NRW das öffentliche Leben mit strengen Regeln ein. Der Lockdown, der seither auch aus Angst vor der Verbreitung aggressiver Mutationen aus Südafrika und Großbritannien mehrfach verschärft wurde, wirkt. Die Corona-Zahlen sinken seit Mitte Januar, die Inzidenzwerte sind so niedrig wie seit Monaten nicht mehr.

Die Kontakteinschränkungen wegen der Corona-Pandemie wirken sich allerdings nicht nur auf das Coronavirus aus. Sie verhindern die Verbreitung anderer Krankheiten. Das sagt Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI): „Die Corona-Maßnahmen wirken, nicht nur gegen Covid-19.“

Die Corona-Einschränkungen haben dazu geführt, dass die jährliche Grippewelle bislang ausgeblieben ist. Anstelle von sonst Tausenden oder sogar Zehntausenden Grippefällen pro Woche würden aktuell nur 20 bis 30 Fälle gemeldet, sagte Wieler. Erst 150 schwere Grippefälle mussten nach seinen Worten in diesem Winter im Krankenhaus behandelt werden.

Grippe und Atemwegserkrankungen rückläufig: Corona-Maßnahmen wirken auch hier

Noch erstaunlicher sind diese Zahlen: Im Februar 2020, bevor die Coronavirus-Pandemie in Europa voll ausbrach, wurden laut Wieler etwas über 5 Millionen Atemwegerkrankungen pro Woche in Deutschland registriert. In diesem Jahr seien es nur 900.000 pro Woche - als nicht einmal ein Fünftel des Werts von vor 12 Monaten.

Die wenigen Grippefälle würden vor dem Hintergrund der Corona-Infektionen auch helfen, Praxen und Krankenhäuser zu entlasten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Sein Institut registriert nach seinen Angaben derzeit auch deutlich weniger Masern- und Durchfallerkrankungen als in früheren Jahren. In Hamm (NRW) führte der Lockdown zu einer Halbierung der Norovirus-Infektionszahlen.

Grippe durch Corona-Lockdown eingedämmt: Weniger Krankschreibungen

Bereits im Herbst 2020 fiel dieser Effekt auf. Laut einer Datenanalyse der AOK Nordost wurde die Ausbreitung der Grippe durch die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene-Maßnahmen beachten, Alltagsmaske tragen) eingedämmt. Gleiches sei auch bei Magen-Darm-Infektionen, Lungenentzündungen und Bronchitis zu beobachten. Hier habe die Zahl der Krankschreibungen um mehr als ein Drittel niedriger gelegen als im Vorjahr.

Grippe-Erreger: So sieht das Influenza-Virus unter dem Elektronenmikroskop aus.

Die positiven Nebeneffekte der Kontaktbeschränkungen führen zu Überlegungen, die in unseren Breitengraden bislang „normalen“ Infektionskrankheiten wie eben Grippe (Influenza) und Erkältungen durch eine dauerhafte Maskenpflicht auszubremsen. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, sieht eine Maskenpflicht auch nach Corona zumindest an einem Ort als Option.

Grippe auf dem Rückmarsch, aber: Krankenkasse empfiehlt Schutzimpfung

Auch wenn das Influenza-Virus derzeit keine große Rolle spielt: Die Barmer-Krankenkasse unterstreicht in einer Mitteilung, wie wichtig die Schutzimpfung gegen Grippe sei. Da sich die Influenza-Saison bis in den April oder Mai ziehen könne, sei eine Immunisierung auch jetzt noch sinnvoll. Nach der Impfung dauere es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Schutz vollständig im Körper aufgebaut ist.

Ein Termin für eine Grippeimpfung ist im Übrigen derzeit wohl deutlich schneller zu bekommen als den für eine Corona-Impfung.

Rubriklistenbild: © Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Control and Prevention/dpa

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