Grauer und Grüner Star: Wenn das Auge trüb wird

Grauer Star oder Katarakt bezeichnet eine Trübung der Augenlinse. Im fortgeschrittenen Stadium kann man die graue Färbung hinter der Pupille erkennen, woher sich die Bezeichnung Grauer Star ableitet.

Hauptsymptom ist ein langsamer und schmerzloser Sehverlust. Er ist gekennzeichnet durch Verschwommensehen. Außerdem kommt es zu einer zunehmenden Blendempfindlichkeit.

Die getrübte Linse kann operativ durch ein künstliches Linsenimplantat ersetzt werden. Allein im Klinikum Kassel werden pro Jahr 2000 Staroperationen durchgeführt.

Der Grüne Star, auch Glaukom genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs. Der Name kommt daher, weil das betroffene Auge grünlich schimmert. Neben einer medikamentösen Behandlung, die oftmals ausreicht, ist auch hier eine Operation zur Verringerung des Augeninnendrucks möglich.

In unserer Telefonsprechstunde beantworteten der Chefarzt der Augenklinik im Klinikum Kassel, Prof. Rolf Effert, und der leitende Oberarzt Dr. Jens Oliver Rudolph, zahlreiche Fragen.

Fragen und Antworten

Meine Mutter ist 92 Jahre alt und sieht zunehmend schlechter. Sie kann die Farben nicht mehr gut voneinander unterscheiden und sieht alles verschwommen. Anscheinend hat sie einen Grauen Star. Da Sie aber auch herzkrank ist, habe ich Angst, falls sie operiert werden sollte. Ist sie dafür nicht schon zu alt?

Effert: Nein, der älteste Patient, den ich am Katarakt operiert habe, war 106 Jahre alt. Die Operation ist nur ein kleiner Eingriff, der häufig sogar ambulant durchgeführt wird. Bei Ihrer Mutter sollte aber zunächst einmal untersucht werden, ob es sich wirklich um einen Grauen Star handelt. Es kann auch sein, dass sie eine Makula Degeneration oder auch beides gleichzeitig hat. Wenn der Graue Star maßgeblich an dem veränderten Sehen beteiligt ist, sollte sich Ihre Mutter zur Operation entschließen, denn danach ist das Scharf- und Farbsehen wieder wesentlich verbessert.

Ich habe einen Grauen Star. Mein Augenarzt hat mir die Operation empfohlen. Was kommt da auf mich zu?

Effert: Bei der Operation wird ein kleiner Schnitt in die Linsenhülle gemacht. Durch den entfernt man die alte Linse und setzt eine Faltlinse ein, die sich im Inneren der Hülle entfaltet. Eine Naht ist nicht notwendig. Der Schnitt verschließt sich von selbst. Nach der Operation muss das Auge für einige Tage verbunden bleiben. Wenn Sie kurzsichtig sind, dann kann man die künstliche Linse so einstellen, dass Sie zukünftig für das Sehen in die Ferne keine Brille mehr benötigen. Nur für das Nahsehen wäre dann eine Brille nötig.

Bei einer Routineuntersuchung hat mein Augenarzt festgestellt, dass ich einen Grauen Star habe. Er hat gesagt, dass ich das sofort operieren lassen soll und mir auch schon einen Termin gegeben. Ich habe aber gar keine Probleme auf dem Auge und sehe prima. Kann da irgendetwas passieren, wenn ich es operieren lasse?

Effert: Operieren sollte man einen Katarakt nur, wenn er Sie wirklich stört und in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Wenn Sie gar keine Beeinträchtigung haben, würde ich das Auge auch nicht operieren lassen. Es ist überhaupt kein Problem, so lange zu warten, bis eine Behinderung da ist, da dadurch nichts Weiteres in dem Auge verschlechtert wird. Sie sollten allerdings auch nicht zu lange warten, bis sie gar nichts mehr erkennen können!

Muss man bei einer Katarakt-Operation eine Vollnarkose bekommen?

Effert: Nein, in der Regel nicht. Normalerweise bekommt man eine Spritze oder Tropfen ins Auge, die den betreffenden Bereich betäuben.

Ich bin vor einem Vierteljahr am Grauen Star operiert worden und habe seitdem Beschwerden. Ich habe das Gefühl, als hätte ich ständig einen Fremdkörper im Auge. Das Auge selber ist auch noch ganz rot. Hätte sich das nicht schon längst geben müssen?

Effert: Bei manchen Menschen braucht das Auge etwas länger, um sich an die Kunstlinse zu gewöhnen und zu heilen. Sie sollten noch mehrmals täglich Augentropfen nehmen. Das Fremdkörpergefühl kommt vermutlich daher, dass Sie ein zu trockenes Auge haben. Besorgen Sie sich in der Apotheke künstliche Tränenflüssigkeit und geben Sie die ins Auge. Gegen die Rötung können Sie sich von Ihrem Augenarzt cortisonhaltige Tropfen verschreiben lassen.

Ich habe vor einem Jahr eine neue Linse bekommen. Erst konnte ich prima sehen, jetzt wird aber alles nach und nach wieder verschleiert. Woran liegt das?

Effert: Vermutlich hat sich bei Ihnen ein Nachstar gebildet. Die Kunstlinse wird ja in die Hülle der alten Linse gelegt. Manchmal trübt auch diese Hülle nach, so dass man wieder wie durch einen Nebel schaut. Das zu beheben ist aber kein Problem. Das lässt sich durch einen Lasereingriff ambulant ohne Tropfen machen.

Ich sollte am Grauen Star operiert werden, habe aber jetzt ein Ödem in der Netzhaut nach einer Thrombose bekommen. Kann ich trotzdem operiert werden?

Effert: Nein. Zunächst muss das Ödem behandelt werden - das dauert etwa ein bis zwei Jahre. Bei einem Ödem verursacht durch Diabetes kann es ebenfalls einige Zeit (mehrere Monate) dauern. Wenn man in dieser Zeit den Grauen Star operieren würde, könnte das die Chancen auf eine Sanierung negativ beeinflussen. Möglicherweise wird man Ihnen mehrfach Cortison ins Auge spritzen oder eine Laserkoagulation der Netzhaut durchführen, um die Heilung zu beschleunigen. Allerdings wird das Sehvermögen nicht mehr so wie vor der Thrombose im Auge sein.

Ich soll demnächst am Grauen Star operiert werden. Ich bin von Natur aus kurzsichtig, bin aber jetzt auch altersweitsichtig und habe eine Gleitsichtbrille, die mich sehr stört. Werde ich die Brille nach der Operation noch brauchen?

Dr. Rudolph: Man kann Linsen in verschiedenen Stärken einsetzen, um eine Fehlsichtigkeit auszugleichen. Wir fragen unsere Patienten, ob sie nach der Operation lieber ohne Brille in die Ferne oder in der Nähe besser sehen wollen. Beides gleichzeitig geht leider nicht. Sie werden danach immer noch eine Brille benötigen, die Sie aber nur in bestimmten Situationen aufsetzen müssen.

Mir steht die Staroperation bevor. Vor der Operation selber habe ich gar keine Angst, wohl aber vor der örtlichen Betäubung. Kann ich auch in Vollnarkose operiert werden?

Dr. Rudolph: In Ausnahmefällen kann die Operation auch in Vollnarkose erfolgen. Das ist aber nicht nötig, da Sie von der örtlichen Betäubung, die in der Tat etwas unangenehm ist, gar nichts mitbekommen. Bevor die Betäubungsspritze gesetzt wird, bekommen Sie ein Mittel in die Armvene injiziert, das Sie rund fünf Minuten schlafen lässt. Während dieser Zeit erfolgt die örtliche Betäubung. Bei der Operation selber sind Sie wach.

Ich habe einen Grünen Star, den ich mit Augentropfen gut im Griff habe. Neuerdings sehe ich mal Alles verschwommen, mal Alles klar. Kann es sein, dass ich jetzt noch einen Grauen Star bekomme?

Dr. Rudolph: Möglich ist das. Da der Grüne Star aber eine Erkrankung des Sehnervs ist und im fortgeschrittenen Stadium zu Gesichtsfeldausfällen führen kann, sollten Sie unbedingt mal eine Gesichtsfeldmessung bei Ihrem Augenarzt durchführen lassen, um die Ursache definitiv abzuklären.

Ich bin 64 Jahre alt. Bei einer routinemäßig Untersuchung teilte mir mein Augenarzt mit, dass ich eine leichte Linsentrübung habe und irgendwann operiert werden müsse. Wie lang kann man mit der Staroperation warten?

Dr. Rudolph: Wenn die Trübung nicht massiv fortgeschritten und der Augeninnendruck in Ordnung ist, kann man damit ruhig noch warten. Schwierig wird es erst, wenn die Linsentrübung schon sehr weit ist, da die Linse dann sehr hart wird und bei der Operation in diesem Fall Komplikationen auftreten können.

Mein Mann hat einen leichten Grünen Star. Er hat jetzt schon die vierte Sorte Augentropfen verschrieben bekommen, aber keine haben bislang eine Senkung des Augeninnendrucks erreicht. Er hat natürlich große Angst, dass er blind wird. Was kann man noch tun, um den Augeninnendruck zu senken?

Dr. Rudolph: Es gibt die Möglichkeit durch operative Maßnahmen den Augeninnendruck dauerhaft zu senken. In leichten Fällen, wie bei Ihrem Mann, wird mit einem Laser die Stelle im Auge, wo das Augenwasser produziert wird, ein wenig verödet, so dass es weniger Augenwasser und somit einen geringeren Druck gibt. In schwereren Fällen schafft man einen künstlichen Abfluss für das Augenwasser. Diese Operation ist aber umfangreicher als die Laserbehandlung.

Ich habe seit sieben Jahren auf beiden Augen Kunstlinsen und war bislang sehr zufrieden. Seit ein paar Wochen sehe ich aber plötzlich wie durch einen Schleier. Kann ich wieder einen Grauen Star haben?

Dr. Rudolph: Die Symptome, die Sie schildern, sprechen für das Auftreten eines Nachstars. Dabei trübt sich die Linsenhülle, in die die Kunstlinse eingesetzt wurde, ein. Die dadurch auftretenden Probleme können in der Regel durch eine ambulante schmerzfreie Laserbehandlung behoben werden.

Mein Augenarzt hat mir ein Luteinpräparat verkauft, das ich drei Monate vor und drei Monate nach der Staroperation nehmen soll. Das Präparat ist sehr teuer und wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Was halten Sie davon?

Dr. Rudolph: Der Wirkstoff wird normalerweise nur bei Vorhandensein einer trockenen Makula Degeneration eingesetzt. Vor oder nach einer Staroperation ist mir kein zusätzlicher Nutzen durch die Luteineinnahme bekannt.

Von Susanne Seidenfaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare