Studie über gefühlte Lebenszeit

Warum die Zeit schneller vergeht, wenn wir alt werden – und wie die innere Uhr wieder langsamer tickt

Keller ausmisten große Wanduhr
+
Die Zeit rennt? Warum viele Erwachsene dieses Gefühl haben und was dahinter steckt – diese Fragestellung treibt Forscher weltweit um.

Die letzten Jahrzehnte sind nur so vorbeigerast – im Gegensatz zu den Kindheitstagen? Warum das so ist und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

  • Das Erwachsenwerden bringt zwar mehr Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit mit sich – allerdings auch mehr (unliebsame) Verpflichtungen.
  • Ist die immer länger werdende ToDo-Liste der Grund dafür, dass die Zeit schneller vergeht? Oder steckt etwas anderes dahinter?
  • Eine US-amerikanische Studie will das Geheimnis* der „rasenden Zeit" gelüftet haben.

Bis zum 18. Lebensjahr scheint die Zeit nicht zu vergehen, die Jahre ziehen sich wie Kaugummi, bis sie endlich da ist: die Volljährigkeit. Doch was dann passiert, wollen die meisten von uns verhindern: Die Zeit rast und plötzlich ist die 50 oder die 60 erreicht. Woran liegt es, dass die Stunden und Tage im Erwachsenenalter schneller zu vergehen scheinen als in jungen Jahren? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur unsereins, sondern auch Wissenschaftler weltweit.

Eine Studie zum Thema will nun herausgefunden haben, dass die Zeit im Alter schneller zu vergehen scheint, weil unser Gehirn Bilder anders verarbeitet – nämlich langsamer.

Weniger Erlebnisse füllen das Gehirn – die gefühlte Zeit vergeht schneller

So schlussfolgert Studienautor Adrian Bejan von der der Duke University in Durham (USA) aus seiner Studie: Je älter wir werden, desto langsamer werden die Bilder vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet. Ursache dafür sieht er in dem Fakt, dass die menschlichen Neuronen- und Nervennetze im Gehirn mit dem Jahren reifer und komplexer werden und in der Tatsache, dass die Nervenbahnen altern und elektrische Signale nicht mehr so schnell weiterleiten können wie in der Jugend. Infolge werden weniger Sinneseindrücke wie Bildfolgen verarbeitet. Weniger Erlebnisse füllen das Gehirn – was die gefühlte Zeit schneller vergehen lässt.

Lesen Sie auch: Wer lange leben will, sollte diese eine Sache tun - sie hat nichts mit Sport und Ernährung zu tun.

„Wer langsam geht, kommt weit“ ...

... ein Sprichwort, das im ersten Moment widersprüchlich klingt. Ein Buchklassiker zum Zeitmanagement trägt einen ähnlichen Titel: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam: Wenn du es noch eiliger hast, mache einen Umweg" von Lothar Seiwert (werblicher Link) handelt von ganzheitlichem Selbstmanagement, mit dessen Hilfe man ein gutes Leben ganz ohne Kampf erreichen soll.

„Je älter wir werden, desto weniger signifikante Erfahrungen werden gemacht und im Gedächtnis gespeichert“

„Die Tage schienen in der Jugend deshalb länger zu dauern, weil das Gehirn mehr Bilder pro Tag verarbeitete“, zitiert ze.tt Professor Adrian Bejan: „Es ist nicht so, dass die Erfahrungen mehr Bedeutung hatten oder tiefer gingen, sie wurden einfach im Schnellfeuer verarbeitet.“ Neben Bejans gibt es allerdings noch andere Forschungsarbeiten zum inneren Zeitempfinden. So schlussfolgern Marc Wittmann und Sandra Lehnhoff in einer Studie: Je mehr wir erleben und uns daran erinnern können, desto länger kommt uns die Zeitspanne vor. So würde sich auch die Sache mit dem gefühlten langen oder kurzen Wochenende erklären: Wer nur herumliegt und nichts erlebt, der empfindet das Wochenende in der Regel kürzer als jemand, der eine neue Stadt erkundet. Doch auch die Gewöhnung spielt Dr. Wittmann zufolge eine wesentliche Rolle: „Je älter wir werden, desto weniger signifikante Erfahrungen werden gemacht und im Gedächtnis gespeichert“, so Wittmann: „Infolgedessen beschleunigt sich die gefühlte Zeit, zumindest in der Theorie".

Was also tun, um die Lebenszeit zumindest gefühlt in die Länge zu ziehen? Mögliche Ansätze: Entstressen und den Moment wieder mehr wahrnehmen, anstatt von Termin zu Termin zu hetzen. Und angelehnt an Wittmanns These: Brechen Sie öfter aus der täglichen Routine aus und erleben Sie etwas Neues, indem Sie etwa auf Reisen gehen oder ein neues Hobby beginnen. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Umfrage zum Thema

Weiterlesen: Diese Art von Film soll am besten Stress abbauen - und sogar lebensverlängernd wirken.

Warum uns die Natur so gut tut

Annette Bernjus leitet Achtsamkeitsübungen an, wenn sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse so wie hier im Wald unterwegs ist. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 22. August 2018: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Foto: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin
Wer im Wald "badet", soll nicht nur die Geräusche des Waldes bewusst aufnehmen, sondern die Umgebung auch mit den anderen Sinnen erleben. Foto:Manfred Bernjus/embe-Foto
Achtsamkeitsübung im Wald. Annette Bernjus rät, dort ganz bewusst zu pausieren. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Warum uns die Natur so gut tut

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare