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„Flurona“: Wie gefährlich ist eine Doppelinfektion mit Corona und Grippe?

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Von: Daniel Schinzig

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Neben Corona darf auch die Grippe nicht vergessen werden. Aber was ist, wenn man sich mit beiden Viren gleichzeitig infiziert? Wie schlimm ist „Flurona“?

Hamm - Die ganze Welt ist im Corona-Modus: Seit rund zwei Jahren beschäftigt die Menschen kaum ein Thema mehr als die Pandemie. Doch nur, weil der Blick auf dieses Virus gerichtet ist, heißt das nicht, dass andere einfach so verschwunden sind. Im Gegenteil: Auch die Influenza ist nach wie vor Thema und insbesondere Risikogruppen wird geraten, sich trotz ausbleibender Grippewelle im Winter 2020/2021 auch gegen Grippe impfen zu lassen. In Israel ist es Anfang 2022 nun zu einem Fall gekommen, den wohl die wenigsten auf dem Schirm hatten: Eine Frau hat sich mit Corona und Influenza gleichzeitig infiziert. Ist „Flurona“ eine seltene Ausnahme? Oder geht da eine größere Gefahr von aus?

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83 Millionen

„Flurona“: Wie gefährlich ist es, wenn Corona auf die Grippe trifft?

Die 31-jährige Frau, die im Januar 2022 mit „Flurona“ ins Krankenhaus kam, war weder gegen Corona noch gegen Grippe geimpft. Sie hatte recht milde Symptome und konnte das Krankenhaus wenige Tage später wieder verlassen. Schnell wurde über diesen Fall von „Flurona“ - eine Wortschöpfung aus dem englischen Wort für die Grippe und eben Corona - berichtet. Es war allerdings nur der erste in Israel erfasste Fall. Nicht der erste Fall einer Doppelinfektion generell.

Wie unter anderem der Spiegel berichtet, wurde schon im Februar 2020 ein Mann in New York positiv auf Grippe und Corona getestet. Im Verlauf der Pandemie wurden „Flurona“-Fälle aus Spanien und Brasilien gemeldet. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, ist allerdings nicht überrascht, dass es gelegentlich dazu kommt.

Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur sagte er: „Solche Fälle müssen irgendwann mal auftreten“. Der Experte nimmt an, dass eine gleichzeitige Infektion mit Grippe- und Influenzaviren vermutlich etwas schlimmer sei als die Infektion mit nur einem Erreger.

„Flurona“: Wie wahrscheinlich ist die Doppelinfektion?

Dass es aber überhaupt zu einer Doppelinfektion kommt, sieht Bernd Salzberger als etwas an, das nicht häufig auftreten wird. Beide Viren seien nur selten gleichzeitig vorhanden. Er fügt hinzu: „Durch das Maskentragen sind zwei Winter fast ohne Influenza abgelaufen“. Das sorgte dafür, dass es ohnehin nicht wahrscheinlich war, sich mt Influenza, geschweige denn mit beiden Erregern zu infizieren.

Coronavirus - Late-Night-Impfen mit Musik im Capitol
Kampf gegen „Flurona“: Impfen hilft auch gegen eine Doppelinfektion mit Corona und Grippe. © Michael Matthey

Auf der Website des angesehenen populärwissenschaftlichen Magazins Scientific American meldet sich Raghu Adiga, Chefarzt im Liberty Hospital in Kansas City, zu Wort. Er warnt davor, alleine schon mit der Wortschöpfung „Flurona“, der Doppelinfektion mit Corona- und Influenzaviren mehr Bedeutung zu geben, als es nötig ist. Die wenigen Studien, die es bisher gäbe, würden zeigen, dass eine Doppelinfektion durchaus möglich ist, aber bei weit unter einem Prozent der Untersuchten aufgetreten wäre. Und wichtiger: In keinem der Fälle wurde von einem schwereren Krankheitsverlauf berichtet, wie er nicht auch bei einer alleinigen Covid- oder Grippe-Erkrankung auftreten könne.

Aber - und das ist Chefarzt Raghu Adiga ein wichtiges Anliegen: Beide Erkrankungen können auch für sich stehend schwer verlaufen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Daher plädiert er wie nahezu alle anderen Experten dafür, sich im Idealfall gegen Corona und Influenza impfen zu lassen und weiterhin auf die Hygieneregeln zu achten. Zumal es wahrscheinlich ist, dass folgende Grippewellen wieder stärker ausfallen werden - und es dann natürlich rein statistisch auch zu mehr Doppelinfektionen kommen kann.

Das Einhalten der Hygieneregeln hilft übrigens auch wunderbar bei der besonders ansteckenden Omikron-Variante des Corona-Virus. Daher gilt in NRW mittlerweile in vielen Bereichen 2G-plus. Ein Sonderfall bei den Impfungen sind noch Kinder und Jugendliche. Vor allem bei der Boosterimpfung stellt sich vielen Eltern die Frage: Darf mein Kind schon die Auffrischung bekommen? *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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