Fett weg mit OP - Grenzen der Liposuktion

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Eine Liposuktion sei keine Alternative zur Gewichtsreduktion.

Bauch, Beine und Po - für diese Problemzonen gibt es spezielle Kurse in jedem Fitnessclub. Doch es gibt auch andere Methoden überflüssigen Speck los zuwerden: Fettabsaugen oder Liposuktion.   

Nach Zahlen der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland wurde auf Deutschlands OP-Tischen 2009 rund 19 000 Mal überflüssiges Fett abgesaugt. Die sogenannte Liposuktion gehört damit zu den häufigsten ästhetischen Eingriffen.

Doch eine Liposuktion sei keine Alternative zur Gewichtsreduktion, sagt Joachim Graf von Finckenstein von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie.

“Wer glaubt, nach einer Operation zig Kilo weniger auf der Waage zu haben, irrt.“ Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) über 25 sollten zunächst mit Sport und einer Ernährungsumstellung an den überflüssigen Pfunden arbeiten. “Diät und Bewegung formen den ganzen Körper, eine Fettabsaugung wirkt nur auf bestimmte Problemzonen.“

Der Verschönerung sind klare Grenzen gesetzt: “Es darf nicht zu viel Fett entfernt werden, weil sonst die Haut faltig oder schlaff wird und eine Straffung benötigt“, erklärt Prof. Dennis von Heimburg, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Frankfurt. In kleineren, ambulanten Eingriffen wird maximal ein Volumen von zwei Litern abgesaugt. “Bei größeren Eingriffen können es auch etwas mehr sein“, fügt von Finckenstein hinzu.

Wichtig ist eine gleichmäßige und schonende Entfernung, um Dellen, Beulen oder Erschlaffungen vorzubeugen, die als unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können. Eine kleine Fettschicht zwischen Haut und Muskel muss bestehen bleiben: “Sonst drohen Verwachsungen“, warnt von Heimburg.

Auch wenn die abgesaugten Fettzellen an dieser Stelle nicht wieder nachwachsen, zunehmen können Patienten auch dort wieder. “Die übrig gebliebene Fettschicht kann sich wieder etwas ausdehnen.“ Dies sei aber in der Regel nicht bedrohlich. “Wichtig ist immer, dass die Liposuktion in Harmonie zur Körperlinie stattfinden“, ergänzt von Finckenstein. “Sonst sieht das Ergebnis nicht gut aus.“

Medizin Tourismus - Lockangebote aus dem Ausland

Wer dem störenden Fett zu Leibe rücken will, muss sich zunächst einen Arzt suchen. Doch gerade auf dem Markt der Schönheitsoperateure wimmelt es von schwarzen Schafen - und mieser Qualität. Lockangebote aus dem Ausland würden zwar immer den besten Preis, aber nicht die beste Qualität offerieren, warnt Johannes Bruck, Vizepräsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen: “Auf den Patienten können schnell unkalkulierbare Kosten zukommen. Und im schlimmsten Fall kommt es zu Komplikationen, die dann in Deutschland korrigiert werden müssen.“

Fakt ist: Eine Fettabsaugung braucht Beobachtung und Nachsorge. Das lasse sich im einwöchigen Auslandsurlaub nicht umsetzen, betont von Heimburg. Seien es Blutergüsse, Schwellungen, starke Schmerzen: “Patienten müssen zu dem behandelnden Arzt gehen können, damit dieser die Wundheilung beurteilen kann.“ Oft genug werde die Fettabsaugung als harmlose, kosmetische Blitz-Korrektur betrachtet - eine gefährliche Unterschätzung. “Jedes Jahr sterben Menschen an den Risiken und Nebenwirkungen solcher Eingriffe“, sagt der Chirurg.

Hintergrund seien zum einen unterschätzte oder unberücksichtigte Risikofaktoren bei den Patienten, wie Herzschwäche, Allergien oder Wundheilungsstörungen. Aber auch Hygienefehler oder mangelnde Thromboseprophylaxe seitens des behandelnden Arztes können verheerende Folgen haben. “Patienten sollten sich deshalb genau über die Ausbildung des Arztes informieren“, rät von Heimburg. Und nicht beim erstbesten Angebot zugreifen.

dpa

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