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Novavax und Coronavac: Sind die Totimpfstoffe gegen Omikron wirkungslos?

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Von: Erik Hlacer

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Wirken Totimpfstoffe auch gegen die Corona-Variante Omikron? Es gibt Erkenntnisse zu Novavax und Coronavac. Infos zu Zulassung und Wirkung.

Hamm - Mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung wurde noch nicht gegen das Coronavirus geimpft. Während manche sich generell gegen einen Piks sträuben, wollen andere Ungeimpfte lieber auf einen „Totimpfstoff“ warten. Mit Coronavac und Novavax sind bereits bekannte Vertreter auf dem Markt - wobei Novavax streng genommen eigentlich gar kein Totimpfstoff ist. Das hatte Karl Lauterbach im Dezember klargestellt und das Vakzin als rekombinanten Proteinimpstoff bezeichnet. Trotzdem fragen sich viele, wann die Impfstoffe endlich verimpft werden? Und helfen die Vakzine auch gegen die Omikron-Variante?

LandDeutschland
Fläche357.386 km²
Einwohner83.129.285 (30. Juni 2021)
HauptstadtBerlin

Coronavac: Totimpfstoff mit erschreckender Wirkungslosigkeit bei Omikron

Nicht nur weil zahlreiche Ungeimpfte bei Totimpstoffen ein größeres Vertrauen verspüren, können diese in der Corona-Pandemie noch eine entscheidende Rolle spielen. Denn die proteinbasierten Impfstoffe sind bei Kühlschranktemperaturen lagerbar und dadurch leichter zu transportieren als beispielsweise die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech. Coronavac etwa ist ein klassischer Totimpfstoff und muss im Abstand von zwei bis vier Wochen in zwei Dosen verabreicht werden.

Coronavac weist zwar einen hohen Schutz vor einer Ansteckung mit dem ursprünglichen Coronavirus auf, allerdings macht die Ausbreitung der Corona-Variante Omikron der guten Bilanz des chinesischen Impfstoffes zu schaffen. In einer Studie der Universität Hongkong zeigte sich, dass keiner der mit Coronavac geimpften Studienteilnehmer Antikörper gegen Omikron entwickelt hatte. Nicht einmal eine Booster-Impfung konnte den Schutz erhöhen. Diese Bilanz wirft kein gutes Licht auf Totimpfstoffe, zumal der Antikörperspiegel zum Schutz vor Omikron laut Experten besonders hoch sein müsse.

Novavax: Wirkung und Schutz bei Omikron noch unklar - Ermunternde Erkenntnisse bei Booster-Impfungen

Und wie verhält es sich mit Novavax? Bestehenden Erkenntnissen zufolge liegt dessen Schutzwirkung bei rund 90 Prozent, allerdings gegen die Alpha-Variante. Da sich die Zulassung von Novavax aufgrund von zusätzlichen Qualitätsauflagen zuletzt deutlich verzögert hatte, gibt es noch keine aussagekräftigen Daten über die Wirksamkeit gegen die Corona-Variante Omikron.

Corona-Impfstoff von Novavax
Coronavac und Novavax: Sind die Totimpfstoffe gegen Omikron wirkungslos? © Alastair Grant/dpa

Wenngleich sie nur bedingt aussagekräftig sind, gibt es inzwischen aber immerhin schon erste Erkenntnisse. Eine Studie, die im Journal The Lancet veröffentlicht wurde, verdeutlicht, dass der Novavax-Impfstoff sich insbesondere als Booster, also als Auffrischungsimpfung gut eignet. Die Wirkung sei nur unmaßgeblich schwächer als bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna. Deshalb könnte das Novavax-Vakzin insbesondere eine Option für geimpfte Menschen sein, die bei einer mRNA-Impfung starke Nebenwirkungen hatten.

Auch das Unternehmen Novavax selbst hat mitgeteilt, dass eine Impfung dabei hilft, eine Immunreaktion hervorrufen, die wiederum vor einer Infektion mit der Corona-Variante Omikron schützt. Doch auch diese Studienergebnisse beziehen sich vor allem auf Booster-Impfungen sowie Verimpfungen an Kinder. Wie sich der „Totimpfstoff“ für Ungeimpfte eignet - also für diejenigen, die zum Teil ja ganz bewusst darauf warten - ist dagegen noch Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Novavax: Zulassung bereits erfolgt - Impfstart in Deutschland noch nicht in Sicht

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist jedenfalls optimistisch, was die Verwendung von Novavax betrifft. „In einer Zeit, in der sich die Omikron-Variante rasch ausbreitet und Impfungen und Auffrischungen beschleunigt werden müssen, freue ich mich ganz besonders über die Zulassung des Impfstoffs Novavax“, sagte die CDU-Politikerin Ende Dezember, als der US-amerikanische Impfstoff in der Europäischen Union (bedingt) zugelassen wurde.

Die Zulassung von Novavax beruht auf einer wissenschaftlichen Empfehlung, die sich auf eine Bewertung der Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stützt. Sie wurde inzwischen von allen Mitgliedstaaten gebilligt. Bis der „Totimpfstoff“ dann aber tatsächlich verimpft werden kann, dürften noch ein paar Wochen ins Land ziehen. Aktuell warten die Behörden in Deutschland noch auf die Bekanntgabe der konkreten Liefertermine. Für das Jahr 2022 ist der Impfstoff jedoch schon fest eingeplant.

Coronavac: Noch keine Zulassung in der EU und Deutschland für Corona-Impfstoff aus China

Anders als bei Novavax ist Coronavac in der EU noch nicht zugelassen. In der Türkei, Chile, Brasilien oder Indonesien wird bereits mit Coronavac geimpft, in China gibt es eine eingeschränkte Zulassung. In der EU läuft seit Mai 2021 ein Zulassungsverfahren für den chinesischen Impfstoff. Erst nach der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) könnte auch in Deutschland eine Zulassung von Coronavac erfolgen.

Während mit Coronavac 2022 ein weiterer Totimpfstoff zur Bekämpfung des Coronavirus zugelassen werden könnte, ändern sich im gleichen Jahr die Regularien, wenn es darum geht, Corona-Impfungen nachzuweisen. Zum Beispiel gibt es wichtige Veränderungen beim digitalen Impfzertifikat, außerdem steht der gelbe Impfpass vor dem Aus. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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