Impfen, Sommer, Regeln

Corona-Zahlen in Deutschland und NRW: Warum sinken sie aktuell so schnell?

Die Corona-Zahlen sinken rasant, nach einem sehr langen Lockdown. Doch wie ist die plötzliche positive Entwicklung in Deutschland und NRW zu erklären?

Hamm - Monatelanger Lockdown im Winter und trotzdem stiegen die Corona-Zahlen auf ein hohes Niveau. In mehreren stundenlangen Corona-Gipfeln saßen die Länderchefs und Kanzlerin Angela Merkel zusammen, verhandelten über die nächsten Verschärfungen der Regeln und weitere Maßnahmen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch erst seit ein paar Wochen sinkt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland und auch in NRW, die Inzidenz ist plötzlich niedriger als im Oktober 2020. Warum? (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
Einwohner83.190.556 (30. September 2020)
RegierungschefinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Warum sinken die Corona-Zahlen in Deutschland und NRW so schnell?

Eigentlich ist es einfach: Weniger Menschen in Deutschland sind infiziert, demnach können sich auch weniger Menschen anstecken.

Im November 2020 veröffentlichte Spiegel zwei Prognosen des Forschungsteams um Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus waren noch nicht zugelassen, der Lockdown begann.

Priesemanns Forschungsteam ging davon aus, dass nicht nur ein exponentielles Wachstum, sondern auch ein exponentieller Rückgang der Corona-Zahlen möglich sei. Entweder durch harte Maßnahmen, die Zahl der Neuansteckungen so sehr zu drücken, dass die Gesundheitsämter die Kontakte relativ problemlos nachverfolgen können. Oder: Die Infektionszahlen müssten unter dem der Belastungsgrenze der Intensivstationen und Krankenhäuser bleiben.

Auf Twitter rechnete die Wissenschaftlerin Viola Priesemann vor, dass ein Faktor 2 je Woche möglich sei. Die Inzidenz kann also in der ersten Woche 200, dann in der nächsten 100, dann 50, dann 25 erreichen.

Corona-Zahlen in Deutschland sinken schnell - R-Wert unter 1

So ähnlich sieht es gerade in Deutschland aus. Schaut man auf die aktuellen Corona-Zahlen bundesweit, fallen sie rasant:

Dienstag, 1. Juni35,2
Dienstag, 25. Mai58,4
Dienstag, 18. Mai79
Dienstag, 11. Mai115,4

Laut Schätzungen des Robert-Koch-Insituts liegt der R-Wert bei 0,76. Priesemanns Forschungsteam nannte den Wert von 0,7 bei Spiegel als Ziel.

Ob die Corona-Zahlen sich jedoch weiterhin so positiv entwickeln, hängt davon ab, dass die grundlegenden Regeln weiterhin eingehalten werden, so erklärt es Wissenschaftsjournalistin Ruth Schulz gegenüber dem WDR. Dazu zählen Abstand halten, Hygiene und die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. Sonst droht sich der Trend der sinkenden Zahlen im schlimmsten Fall umzukehren.

Auch die Bundesnotbremse spielt eine wichtige Rolle. Laut Statistikerin Katharina Schüler, die mit Focus Online sprach, waren es dabei nicht unbedingt die bestimmten Maßnahmen, die den Effekt direkt verstärkten, sondern die Konsequenz.

Corona-Zahlen sinken: Immer mehr Deutsche sind geimpft

Zentral ist vor allem der Impffortschritt: 43,3 Prozent der Deutschen waren am 31. Mai bereits einmal geimpft, 18 Prozent der Gesamtbevölkerung sind vollständig geimpft. Die Impfung schützt vor einer Infektion. Ab dem 7. Juni soll zudem die Impfpriorisierung enden und auch Betriebsärzte können gegen Corona impfen. Damit könnte das Impftempo noch weiter an Fahrt aufnehmen.

Hinzu kommen die steigenden Temperaturen. Aerosol-Forscher wiesen nach, dass sich Corona im Freien nicht so leicht verbreitet wie in geschlossenen Räumen - in denen immer noch Maskenpflicht herrscht. Im Mai und Juni gibt es zudem viele Feiertage, an denen die Kontakte - etwa auf der Arbeit - weiter reduziert werden. Und das Wetter wird endlich besser.

Sinkende Corona-Zahlen und Sommer: Christian Drosten gegen zu schnelle Entwarnung

Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass sich durch den „Sommereffekt“ etwa 20 Prozent des Rückgangs der Corona-Zahlen erklären lassen. Sicherheit bringt er also nicht, aber eine gewisse Erleichterung.

Insgesamt spielen die Maßnahmen also Hand in Hand und funktionieren im Team. Ob sie längerfristig halten, wird sich zeigen - aktuell sieht es aus, als würde der Trend der sinkenden Corona-Zahlen bleiben.

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

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