Molnupiravir

Corona-Medikament: Wunder-Pille gegen Covid-19? Experten hoffnungsvoll

Es gibt ein neues Medikament gegen Corona. Es soll das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Covid-19-Erkrankung drastisch reduzieren. Was die Pille kann.

Hamm - Noch immer sterben Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion. Laut dem Bundesgesundheitsministerium müssen etwa zehn Prozent aller Infizierten ins Krankenhaus. Rund 14 Prozent von ihnen landen auf der Intensivstation. Die Corona-Impfung reduziert dieses Risiko - mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland sind aber noch nicht geimpft. Die Gefahr, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist für diese Gruppe besonders groß. Ein Corona-Medikament, das dieses Risiko eindämmen soll, kommt aus den USA. (News zum Coronavirus)

UnternehmenMerck & Co.
CEORobert M. Davis (1. Juli 2021–)
Umsatz47,99 Milliarden USD (2020)
HauptsitztKenilworth, New Jersey, Vereinigte Staaten

Corona-Medikament: Was kann die Pille gegen Covid-19? Experten überzeugt

Das Arzneimittel heißt Molnupiravir. Es handelt sich dabei um eine Pille des US-Pharmakonzerns Merck. Laut Spiegel ist es ursprünglich als Grippemedikament entwickelt worden. Einer klinischen Studie zufolge soll das Medikament das Risiko sehr schwerer Covid-19-Verläufe deutlich reduzieren. Das teilte der Konzern am 1. Oktober zusammen mit seinem Partner Ridgeback Biotherapeutics in einer Pressemitteilung mit. Dabei wurden erste Zwischenergebnisse der Studie vorgestellt.

In der Studie hätten Corona-Patienten mit milden bis moderaten Symptomen, die mit einem Placebo behandelt wurden, in 14,1 Prozent der Fälle innerhalb von 29 Tagen ins Krankenhaus gemusst oder seien gestorben, erläuterte Merck. In der Patienten-Gruppe, die mit dem Medikament Molnupiravir behandelt wurde, seien es mit 7,3 Prozent nur etwa halb so viele gewesen.

Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der Daten von 775 Corona-Patienten. Alle Probanden wiesen mindestens einen Risikofaktor auf, der einen schweren Verlauf wahrscheinlich macht, zum Beispiel ein hohes Alter (Ü60), Diabetes oder deutliches Übergewicht. In der Testgruppe, die das Merck-Medikament erhielt, habe es im Studienzeitraum keine Todesfälle gegeben. Unterdessen seien acht Menschen gestorben, die das Placebo erhielten.

Molnupiravir: Erste Studienergebnisse überzeugen, aber „kein Ersatz für Impfungen“

Ist das der Durchbruch? Eine Wunder-Pille gegen Corona? Experten reagierten zunächst sehr positiv auf die Studienergebnisse zu Molnupiravir. „Ein sicheres, erschwingliches und wirksames orales antivirales Medikament wäre ein riesiger Fortschritt im Kampf gegen Covid“, schrieb der Infektiologe Peter Horby von der Universität Oxford auf Twitter. 

Er warnte aber auch: Es müsse darauf geachtet werden, dass das Coronavirus keine Resistenz gegen das Medikament entwickle. Der US-Medizinprofessor Peter Hotez mahnte, ein solches Medikament sei „kein Ersatz für Impfungen“. „Es ist kein Wundermittel, aber ein Begleitwerkzeug.“ Auch er warnte vor möglichen Resistenzen.

Corona-Medikament Molnupiravir: Laut Klinikdirektor kein „Gamechanger“

Kein Wundermittel, das sagt auch Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Reaktion auf die Studienergebnisse zu Molnupiravir. „Von einem ‚Gamechanger‘ würde ich nicht sprechen, und der Wirkstoff wird die Impfungen selbstverständlich auch nicht überflüssig machen.“

Es handle sich momentan nur um eine Zwischenauswertung der Studie. „Die Ergebnisse liegen auch noch nicht als Publikation vor, insofern muss man die endgültigen Ergebnisse abwarten“, so Kluge. „Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, wäre das aber eine sehr vielversprechende Therapieoption.“

Das Medikament käme laut dem Klinikdirektor für Patienten mit Risikofaktoren im ambulanten Bereich in der Frühphase der Erkrankung infrage. Die orale Verabreichung als Pille sei ein großer Vorteil. Andere Medikamente, die aktuell gegen Corona eingesetzt werden, müssen intravenös verabreicht werden.

Noch keine Daten zu Nebenwirkungen von Molnupiravir - EMA will Wirkstoff prüfen

Aber wird es so einfach sein? Ein paar Pillen - und dann sinkt das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs - so ganz ohne Nebenwirkungen? Darüber ist bislang tatsächlich wenig bekannt. Genauere Angaben zu möglichen Nebenwirkungen fehlen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA könnte schon bald mit der Prüfung des Corona-Medikaments. EMA-Experten erwägen, „in den nächsten Tagen eine fortlaufende Prüfung für diesen Wirkstoff einzuleiten“, sagte Marco Cavaleri, Leiter der Impfstoffstrategie bei der EMA, am Dienstag (5. Oktober). (mit dpa/afp)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Merck & Co./AP | Uncredited

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