Studie

Corona-Lockdown: Fast jedes dritte Kind seit Beginn der Pandemie psychisch auffällig

Die Corona-Pandemie macht müde. Besonders trifft es Kinder und Jugendliche. Fast jedes dritte Kind leidet derzeit unter psychischen Auffälligkeiten, sagt eine Studie.

Hamm - Geschlossene Schulen und Kitas, Ausgangssperren, wenig Kontakt zu Freunden: In der Corona-Krise leiden vor allem Kinder und Jugendliche stark unter den Einschränkungen im alltäglichen Leben. Laut einer Studie zeigt fast jedes dritte Kind in Deutschland ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie psychischen Auffälligkeiten. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)
PräsidentFrank-Walter Steinmeier

Corona-Lockdown: Kinder und Jugendliche leiden laut Studie besonders stark

Es gibt keinen Menschen, der nicht direkt oder indirekt von dem Coronavirus betroffen ist. Die Auswirkungen der Pandemie sind enorm - gesellschaftlich und wirtschaftlich. Der Lockdown im Winter, der von Bund und Ländern jetzt noch einmal verlängert worden ist, schlaucht die Gesellschaft.

Wen es aber vor allem trifft, sind Kinder und Jugendliche - immer noch. Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hatten für ihre sogenannte Copsy-Studie (Corona und Psyche) bereits im Mai und Juni 2020 über 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1500 Eltern zur psychischen Gesundheit von Kindern in der Corona-Pandemie befragt. Jetzt folgte eine zweite Fragerunde - mit demselben Ergebnis: Kinder und Jugendliche leiden vermehrt unter psychischen Belastungen.

Corona-Lockdown: Fast jedes dritte Kind seit Beginn der Pandemie psychisch auffällig

Die Forscher befragten laut der Studie von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 erneut mehr als 1000 Kinder und Jugendliche und mehr als 1600 Eltern mittels Online-Fragebogen. Mehr als 80 Prozent der befragten Kinder und Eltern hatten bereits an der ersten Befragung im Juni 2020 teilgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums.

„Die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich in Deutschland im Verlauf der Corona-Pandemie weiter verschlechtert“, schreiben die Forscher. Laut den neusten Ergebnissen der Copsy-Studie leidet fast jedes dritte Kind ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. „Sorgen und Ängste haben noch einmal zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind verstärkt zu beobachten.“

Kinder leiden unter der Corona-Pandemie: Ängste, Sorgen, ungesunde Ernährung

Im Vergleich zur ersten Befragung sind die Zahlen gestiegen: 85 Prozent der befragten Kinder fühlen sich laut Untersuchung in der Corona-Krise belastet. Im Juni spürten lediglich 71 Prozent seelische Belastungen. Sieben von zehn Kindern empfinden ihre Lebensqualität als gemindert, bei der ersten Befragung war es noch sechs von zehn Kindern - und vor der Pandemie drei von zehn. Ängste und Sorgen haben laut Studie noch einmal deutlich zugenommen.

Auch das Gesundheitsverhalten der Kinder und Jugendlichen habe sich durch die Corona-Pandemie verschlechtert, teilen die Forscher mit. Sie würden sich weiterhin ungesund mit vielen Süßigkeiten ernähren, und zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie und doppelt so viele wie bei der ersten Befragung würden überhaupt keinen Sport mehr machen. „Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden“, sagt Prof. Dr. Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie.

Psychische Belastungen bei Kindern in der Pandemie: Ergebnisse nicht „überdramatisieren“

Bei der Vorstellung der Studienergebnisse betonte die Wissenschaftlerin, sie wolle die Ergebnisse der zweiten Befragung nicht „überdramatisieren“. Denn: „Nicht jede psychische Auffälligkeit wird zur psychischen Störung. Aber wir müssen sie sehr ernst nehmen“, so die Wissenschaftlerin.

Parallel zum Gemüts- und Gesundheitszustand habe sich der Medienkonsum im Vergleich zum Frühsommer erhöht. Klar: Der zweite Lockdown dauert bislang zusammen mit dem „Lockdown light“ den ganzen Winter an. In der kalten Jahreszeit gibt es für Kinder und Jugendliche wenig bis gar keine Anreize, das Haus zu verlassen.

Psychische Probleme bei Kindern in der Corona-Pandemie - Schulen ein wichtiger Aspekt

Laut den Forschern sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen. „Unsere Ergebnisse zeigen erneut: Wer vor der Pandemie gut dastand, Strukturen erlernt hat und sich in seiner Familie wohl und gut aufgehoben fühlt, wird auch gut durch die Pandemie kommen“, sagt Ravens-Sieberer.

Es brauche aber „verlässlichere Konzepte, um insbesondere Kinder aus Risikofamilien zu unterstützen und ihre seelische Gesundheit zu stärken.“ An der Stelle seien die Schulen gefragt. Konkret meint Ravens-Sieberer in dem Zusammenhang, dass die Schulen regelmäßig Kontakt zu den Schülern halten müssen und ihnen dadurch Wertschätzung und Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Freuen dürfte es Kinder und Jugendliche, dass die Länder in den nächsten Wochen die Schulen allmählich öffnen möchten. Nordrhein-Westfalen hat bereits ein Konzept vorgestellt: Schulen in NRW kehren zurück aus dem Distanzunterricht - zumindest teilweise. Für Grundschüler und Abschlussklassen gibt es ein Wechselmodell.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare