PIMS-Patienten

Kinder erkranken immer häufiger an Corona - mit teils schweren Symptomen

Bei Kindern nimmt die Zahl der Corona-Erkrankungen immer weiter zu. Es kann auch zu heftigen Symptomen kommen. Für schnelle Impfungen machen Experten wenig Hoffnung.

Hamm - In den ersten Monaten nach Ausbruch der Pandemie hieß es immer: Das größte Risiko besteht bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Bei Kindern hingegen sei es deutlich geringer. Doch über ein Jahr nach den ersten Corona-Fällen in Deutschland hat sich die Lage dahingehend drastisch geändert. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Staats- und Regierungsformparlamentarische Republik (Bundesrepublik)
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)

Corona bei Kindern: Immer mehr Ansteckungen bei unterschiedlichen Symptomen

Nun ist klar: Kinder können sich durchaus mit Covid-19 anstecken. Immer mehr Experten fürchten eine Zunahme der Corona-Erkrankungen bei Kindern. Der Verlauf ist dabei sehr unterschiedlich.

Viele Kinder würden nach Angeben von Ärzten und Eltern gar keine Symptome zeigen. Doch dies sollte kein Anlass dazu sein, die Corona-Erkrankung des eigenen Nachwuchses zu unterschätzen. Der Biochemiker und Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth erklärt in einem Beitrag des Deutschlandfunks, dass eines von 1000 Kindern „vier bis sechs Wochen nach der Infektion plötzlich wieder krank, sehr krank“ werde.

Die Symptome können dabei variieren: Die Palette besteht aus hohem Fieber, Schwäche, Probleme am Herzen sowie im Darm, rote Haut, Lunge und Blutgerinnung. Dieses Krankheitsbild nennen Ärzte Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome, kurz PIMS. Dabei handelt es sich um eine Entzündungserkrankung in verschiedenen Organen bei Kindern. „Also ein dramatischer Verlauf, der plötzlich eintritt, sich meist aber auch innerhalb von einer Woche, zehn Tagen wieder beruhigt“, heißt es beim Deutschlandfunk.

Corona-Erkrankung: 245 Kinder mit PIMS registriert

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hätten sich bis zum 21. März 245 Kinder mit PIMS registriert - sieben davon mit Folgeschäden, vor allem am Herzen. Die PIMS-Patienten seien meist um die zehn Jahre alt. „In der ersten Welle gab es kaum Fälle, vielleicht war da die Diagnose noch nicht so bekannt“, so Volkart Wildermuthber. „Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass damals ja die Schulen schnell geschlossen wurden und sich gar nicht so viele Kinder überhaupt mit SARS-CoV-2 angesteckt haben.“

Das hat sich geändert. In der dritten Corona-Welle ist bei wachsenden Corona-Zahlen der Anteil der infizierten Kinder deutlich höher als bei der ersten und der zweiten Welle, warnte bereits Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Inzidenzen bei Kindern steigt derzeit schneller als in anderen Altersgruppen. Mit den steigenden Zahlen nimmt auch die Schwere der Verläufe bei Kindern zu.

Immer mehr Corona-Erkrankungen bei Kindern - mit dem Impfungen könnte es aber noch dauern

Daher fordern immer mehr Fachleute auch schnelle Corona-Impfungen für Kinder. Sie wären auf jeden Fall ein Ausweg, meint Volkart Wildermuth. Doch bis dahin könnte es noch eine Weile dauern. „Ich bin mir nicht sicher, ob das dieses Jahr noch etwas wird. Vielleicht können wir Ende des Jahres mit der Impfung der Kinder beginnen“, sagte Thomas Mertens, Chef der Ständige Impfkommission (Stiko), jüngst der Rheinischen Post. „Der Biontech-Impfstoff ist ja bereits für 16-Jährige zugelassen.“

Aktuell würden die Hersteller noch in Studien untersuchen, wie ihr Corona-Impfstoff bei Kindern wirken würde. „Diese Studien sind sehr wichtig, schließlich geht es um die Impfung gesunder Kinder, wovon die allermeisten auch ohne Impfung keine Symptome oder keinen schweren Verlauf haben würden“, erklärte Thomas Mertens. Schließlich seien die Nebenwirkungen umso stärker, je jünger die Menschen sind. „Andererseits“, ergänzte der Stiko-Chef, „haben Kinder weniger immunologische Vorerfahrung mit Schnupfenviren, das kann die Wirksamkeit beeinflussen. Jüngst hat erst Astrazeneca die Wirksamkeit für seinen Impfstoff korrigiert - und zwar nach unten.

 

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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