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Immun gegen Corona-Infektion: Ist das möglich? Das sagt ein Experte zum Phänomen

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Von: Martina Lippl

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Warum infizieren sich manche Menschen mit dem Coronavirus - andere aber nicht? Die Antwort darauf ist komplex, wie Immunologe Carsten Watzl erklärt.

Hamm – Der eine hat es, der andere hat es trotz engem Kontakt nicht. Einige Menschen scheinen sich Corona tatsächlich zu widersetzen. Es ist ein Phänomen, das Experten verblüfft. Forscher weltweit suchen nach einer Antwort auf diese Frage.

Immun gegen eine Corona-Infektion: Gibt es das? Experte spricht über Phänomen

„Es gibt bislang eigentlich nur Hypothesen zu dieser Fragestellung“, sagt Carsten Watzl, Professor für Immunologie und Leiter des Forschungsbereichs Immunologie im Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) in einem Gespräch mit der Welt. Es müsse auch klar unterschieden werden zwischen anstecken oder nicht anstecken, und erkranken oder nicht erkranken.

Eine britische Studie am Imperial College in London lieferte einige Erkenntnisse. Forscher infizierten gesunde Freiwillige mit Corona. Die sogenannte Human Challenge Study sorgte für Aufsehen, war aus ethischen Gründen im Vorfeld umstritten. Doch die Wissenschaftler konnten erstmals Menschen während eines gesamten Infektionsverlaufs – Inkubationszeit und Symptome – beobachten. Ein erstaunliches Ergebnis: Von den 36 Studienteilnehmern infizierten sich nur 18. Dabei wurden den Probanden aktiv Viruströpfchen über die Nase verabreicht.

Antikörper und T-Zellen - bestehende Immunität gegen das Coronavirus

Studienautor Christopher Chiu erklärte dazu im britischen The Guardian: „Die Virusmengen stiegen nicht hoch genug an, um nachweisbare Mengen an Antikörpern, T-Zellen oder Entzündungsfaktoren im Blut auszulösen.“ Genetische Faktoren oder eine bereits bestehende Immunität gegen ähnliche Erreger führte Chiu als Grund für eine erfolgreiche Abwehr an, berichtet Merkur.de.

Corona: Drei Faktoren können einen Einfluss auf eine Ansteckung haben

Corona-Infektion: Abwehrsystem der T-Zellen - einige reagieren schneller

Das Immunsystem ist komplex. Bei einer Infektion versucht das Immunsystem Antikörper gegen das Virus zu bilden, um die Erreger zu neutralisieren. Dringt das Virus in die menschliche Zelle ein, werden T-Zellen aktiviert. So gibt es T-Zellen, die Körperzellen, die von einem Virus infiziert wurden, erkennen und abtöten können. Sie sind Teil des sogenannten erworbenen Immunsystems.  Andere Zellen aktivieren sogenannte B-Zellen, Abwehrstoffe, die Antikörper, bilden. 

Coronavirus Sars-CoV-2 unter einem Mikroskope.
Coronavirus Sars-CoV-2 unter einem Mikroskope. © imago

Diese T-Zellen können Krankheitserreger wiedererkennen und diese bekämpfen. Sars-CoV-2 gehört zu Familie der Coronaviren, die als herkömmliche Erkältungsviren, schon seit den 1960er Jahren bekannt sind. Auch das Immunsystem könnte sich also an einen Kontakt mit dem ähnlichen Virus erinnern. In diesem Fall sprechen Mediziner von kreuzaktiven T-Zellen.

Corona: Botenstoffe namens Interferone eine Rolle bei der Immunabwehr

„Es gibt T-Zellen, die wahrscheinlich Relikte früherer Infektionen mit Coronaviren sind. Sie sind imstande, ein Sars-CoV-2 oder Bruchstücke davon zu sehen“, so der Immunologe Watzl. Der Prozentsatz der Menschen, die solche kreuzreaktiven T-Zellen haben, variiere von Studie zu Studie zwischen 30 und 40 Prozent. Frühere Infektionen mit den Corona-Erkältungsviren bieten, laut Watzl, eigentlich keinen Schutz vor einer Sars-CoV-2.

Zusätzlich spielen auch Botenstoffe namens Interferone eine Rolle bei der Immunabwehr. „Wenn Zellen erkennen, dass das Virus in sie hineingelangt ist, produzieren sie Interferon“, erklärt der Immunologe. Durch die Botenstoffe würden die Nachbarzellen alarmiert und würden aufhören Proteine herzustellen.

Auch die Blutgruppe 0 scheint sich seltener mit Corona zu infizieren. Eine Studie der französischen Universität Nantes legt nahe, dass auch für die Corona-Übertragung ein Zusammenhang mit der Blutgruppe der Beteiligten besteht. (ml)

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