Bayern reagiert

Corona-Impfungen: Biontech rar, Astrazeneca im Überfluss – Bundesland gibt alle Impfstoffe frei

Von Astrazeneca ist zu viel, von Biontech zu wenig da. Bremst das die Corona-Impfkampagne in Deutschland aus? Ein Bundesland will gegensteuern und hebt die Priorisierung auf.

Hamm – Die Corona-Massenimpfung in Deutschland ist im vollen Gange. Trotzdem hält die Debatte um Engpässe beim Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer sowie um das Vertrauensproblem bei Astrazeneca an. Das ist problematisch. Schließlich geht es darum, dass die Impfkampagne weiter in schnellem Tempo voranschreitet. Deshalb hat die bayrische Landesregierung nun reagiert. Sie will ab kommendem Montag die Priorisierung für alle Corona-Impfstoffe bei Hausärzten aufheben. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83,02 Millionen (2019)

Corona-Impfungen und Priorisierung: Bayern gibt jetzt alle Impfstoffe frei

Mit der Idee, dass nun Pragmatismus die Corona-Impfkampagne voranbrächte, plant das flächenmäßig größte Bundesland um Ministerpräsident Markus Söder (CDU) diesen Schritt. Während in den Hausarztpraxen alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe ohne Priorisierung freigegeben werden, soll es in den bayrischen Impfzentren nach wie vor beim bisherigen Verfahren mit Priorisierung bleiben.

Die Debatte ist kontrovers. Es gibt viele Experten, die eine verfrühte Aufhebung der Impfpriorisierung kritisieren. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch solche, denen das geplante Ende der strikten Impfreihenfolge im Juni zu spät kommt. Ob sich andere Bundesländer dem bayrischen Weg anschließen werden, ist noch offen.

Corona-Impfstoffe: Beschleunigt Aufhebung der Priorisierung die Astrazeneca-Impfungen?

Die Aufhebung der Impfpriorisierung in den Arztpraxen hat einen konkreten Grund, der mit Blick auf die verschiedenen Impfstoffe deutlich wird. Wie spiegel.de berichtet, bekommen die Arztpraxen deutlich weniger Biontech als die Impfzentren. Genau umgekehrt läuft es mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Binnen zwei Wochen sollen die Impfzentren deutschlandweit 173.000 Astrazeneca-Impfdosen verimpfen, die Arztpraxen hingegen sollen Impfwilligen in der gleichen Zeit 2,7 Millionen Dosen des Impfstoffs verabreichen.

Allerdings lehnen viele Menschen den Impfstoff von Astrazeneca ab. Das zeigen auch konkrete Beispiele aus Nordrhein-Westfalen, wobei in Bönen (Kreis Unna) etwa genug Astrazeneca zur Verfügung steht, doch die Menschen den Impfstoff zum Teil nicht verabreicht haben wollen. Dass die Arztpraxen dies ausbaden müssten, macht laut spiegel.de viele Ärzte wütend. Die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen kritisiert zum Beispiel die deutsche Impf-Politik, „bei der das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und vor allem gewisse, an ihren Impfzentren klebende Landesregierungen die Regelversorgung quasi zum Resteverwerter gemacht haben.“

In Bayern wären die Hausärzte dann ab Montag zumindest weniger mit ablehnenden Haltungen konfrontiert, wenn jeder der möchte, sich auch mit Astrazeneca impfen lassen kann - unabhängig von einer Priorisierung seitens der Ärzte.

Engpässe bei Biontech/Pfizer – Kinder-Impfungen trotz Impfstoffmangel?

Zugleich verspricht sich die bayrische Landesregierung von der Maßnahme, dass grundsätzlich mehr Menschen mit Astrazeneca geimpft werden und somit Biontech/Pfizer auch für andere verfügbar bleibt. Denn das ist zweite Problem: Experten warnen vor zunehmenden Biontech-Engpässen. Wie der NDR berichtet, herrscht in Niedersachsen aktuell teilweise ein Mangel des Corona-Impfstoffs, weil Biontech mit den vereinbarten Liefermengen nicht hinterherkommt.

Mit anderen Worten ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer im Verhältnis zu Astrazeneca eher ein rares Gut. Umso überraschender ist es, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Aussicht stellt, bis zum Ende der Sommerferien alle Kinder ab zwölf Jahren mit einer Impfung versorgt zu haben. Denn bei dieser Impfung handelt es sich um den Impfstoff von Biontech, der zunächst überhaupt erst für Kinder zugelassen werden muss. Experten kritisieren deshalb die überambitionierten Planspiele von Jens Spahn im Zuge der Corona-Impfungen mit Biontech bei Kindern.

Neben die genannten Hürden reihen sich andere Aspekte ein, die dazu führen könnten, dass die Impfkampagne in Deutschland nicht ihr volles Potenzial ausschöpft. Demnach gibt es in Nordrhein-Westfalen regelmäßig Menschen, die ihren Corona-Impftermin einfach nicht wahrnehmen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat einen eindringlichen Appell.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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