Neue Erkenntnisse

Unfruchtbarkeit wegen Corona-Impfung? Blick auf Spike-Protein gibt Aufschluss

Viele Menschen befürchten, dass eine Corona-Impfung die Chancen einer Unfruchtbarkeit erhöht. Was an den Spekulationen dran ist, zeigt ein Blick auf das Spike-Protein.

Hamm – Seit Anbeginn der Corona-Krise ist die Pandemie Nährboden für Mutmaßungen, welche Nebenwurkungen die Krankheit mit sich bringen könnte. Inzwischen ist die Impfkampagne fortgeschritten, doch einige sind besorgt wegen potenzieller Langzeitfolgen einer Corona-Impfung mit den herkömmlichen Vakzinen von Biontech, Moderna, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson. In den sozialen Medien kursiert etwa die Behauptung, dass die bei einer Impfung entstandenen Antikörper zur Unfruchtbarkeit führen könnten. Doch stimmt das wirklich? (News zum Coronavirus)

LandDeutschlnd
KanzlerinAngela Merkel
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)

Corona-Impfung: Unfruchtbarkeit und Probleme bei Schwangerschaften als Folge?

Die Sorgen beziehen sich auf sogenannte mRNA-Impfstoffe, also etwa jene von Biontech und Moderna. Diese bewirken, dass die geimpfte Person als Reaktion auf das entstandene Spike-Protein Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt. Unbelegten Theorien zufolge könnten sich jene Antikörper auch gegen Bestandteile der Plazenta richten, Schwangerschaften gefährden und somit zu Unfruchtbarkeit führen.

Und tatsächlich: Das Spike-Protein, das vom Immunsystem des menschlichen Körpers auf der Corona-Oberfläche erkannt und zum Zwecke einer Immunreaktion ausgebildet wird, ähnelt einem Protein in der Plazenta. Die Befürchtung lautete also, dass sich Antikörper gegen Corona sowohl bei einer Krankheit als auch bei einer Impfung gegen das Protein in der Plazenta richten könnten. Doch wie das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks mit Berufung auf Daten der Uniklinik Jena, des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Ständigen Impfkommission (Stiko) bekanntgab, handelt es sich dabei um einen Trugschluss.

Corona-Impfung vor der Schwangerschaft empfehlenswert

Demnach zeige sich bei genauerem Hinschauen, dass die Antikörper gegen Corona gar nicht einwandfrei auf die Plazenta-Proteine passen, weshalb diese sich im Zuge einer Impfung auch nicht gegen die Plazenta richten. „Würde die Impfung unfruchtbar machen, hätte es auch schon früher Anzeichen an anderer Stelle geben müssen“, heißt es von Quarks.

Mit „früher“ ist die Zeit vor dem Start der Massenimpfung gemeint. Bereits zu dem Zeitpunkt hätte man erkennen müssen, dass sich die Antikörper nach einer überstandenen Corona-Erkrankung auch gegen die Plazenta richten. Dies sei jedoch nicht der Fall. Unfruchtbarkeit sei also keine Konsequenz einer Corona-Infektion und demzufolge auch keine Folge einer Impfung.

Stattdessen sei es sogar ratsam, sich impfen zu lassen, wenn der Wunsch existiert, ein Kind zu zeugen. Denn das Risiko, wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation zu landen, sei bei schwangeren Frauen größer als bei nicht schwangeren Frauen. Die Stiko hält sich mit Empfehlungen für bereits Schwangere, sich impfen zu lassen, zurück. Besser sei es, bereits vor der Schwangerschaft den vollen Impfschutz zu haben.

Allerdings sind viele jüngere Menschen noch gar nicht an der Reihe, sofern sie sich nicht durch die Berufsgruppe oder chronische Krankheiten für einen Vorzug gemäß der aktuellen Corona-Impfreihenfolge „qualifizieren“. Am 7. Juni soll die Impfpriorisierung dann aufgehoben werden, wobei in NRW noch keine freien Termine verfügbar sind.

Rubriklistenbild: © Cecilia Fabiano/dpa

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