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Corona-Impfung für Kleinkinder: Biontech und Pfizer wollen Zulassung

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Können bald Kleinkinder ab sechs Monaten gegen das Coronavirus geimpft werden? Die Unternehmen Biontech und Pfizer wollen eine Notfallzulassung haben.

Hamm - Die Omikron-Variante des Coronavirus rollt durch Deutschland. Auch immer mehr Schulen und Kindergärten sind vom Virus betroffen. Seit dem 26. November 2021 können sich Kinder zwischen fünf und elf Jahren impfen lassen - vor allem Kindern mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf wird die Impfung empfohlen. Für jüngere Kinder gibt es den Impfschutz noch nicht. Das könnte sich aber schon bald ändern.

Biontechbörsennotiertes deutsches Biotechnologieunternehmen
SitzMainz (Deutschland)
Gründung2008

Corona-Impfung für Kleinkinder ab sechs Monaten: Biontech und Pfizer wollen Zulassung

In einer Pressemitteilung haben die Unternehmen Biontech und Pfizer jetzt bekannt gegeben, dass sie die ersten Daten für eine Notfallzulassung ihres Kinderimpfstoffs für Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren eingereicht haben. Und zwar auf Antrag der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde „Food and Drug Administration“, kurz FDA.

„Nachdem die Covid-19-bedingten Krankenhausaufenthalte von Kindern unter fünf Jahren stark angestiegen sind, ist es unser gemeinsames Ziel mit der FDA, uns auf Anstiege zukünftiger Varianten vorzubereiten und Eltern eine Möglichkeit zu geben, ihre Kinder vor dem Virus zu schützen“, wird Albert Bourla, Chairman und CEO von Pfizer, in der gemeinsamen Pressemitteilung zitiert.

Der Antrag von Biontech/Pfizer umfasst zunächst die Ausweitung der Notfallzulassung für jüngere Kinder für die ersten beiden Impfdosen. Die Dosierung der Impfungen liegt bei drei Mikrogramm - rund einem Zehntel der Erwachsenendosis. Aber auch bei Kleinkindern soll die Impfserie drei Dosen umfassen. Daten zu einer dritten Impfdosis, die mindestens acht Wochen nach der zweiten Dosis verabreicht werden soll, werden in den kommenden Monaten erwartet, teilen die Unternehmen mit.

Corona-Impfung für Kinder ab sechs Monaten: Erste Studien zeigen zu niedrigeren Antikörperspiegel

In einer ersten Studie hatte Biontech vor einigen Wochen herausgefunden, dass die gemessenen Antikörperspiegel der unter Zwei- bis Fünfjährigen nach zwei Impfungen zu gering waren. Eine neue Studie untersucht derzeit die Wirkung der Dreifachimpfung.

„Letztendlich gehen wir davon aus, dass drei Dosen des Impfstoffs notwendig sein werden, um bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren einen hohen Schutz gegen aktuelle und mögliche zukünftige Varianten zu erreichen. Sollte eine zweifache Immunisierung genehmigt werden, haben Eltern die Möglichkeit, die Impfserie mit dem Covid-19-Impfstoff für ihre Kinder zu beginnen, während sie auf die mögliche Zulassung der dritten Impfdosis warten”, sagt Albert Bourla.

Corona-Impfung für Kinder ab sechs Monaten: Kritik aus Philadelphia

Mediziner und Impfstoffentwickler Paul Offit vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia kritisiert dieses Vorgehen: „Es ergibt keinen Sinn, eine Zweifachimpfung zuzulassen in der Erwartung, dass eine dritte Spritze die Mängel ausgleichen der zwei Dosen ausgleichen könnte“, sagte er der New York Times.

Werden schon bald Kleinkinder ab sechs Monaten gegen das Coronavirus geimpft? Die Unternehmen Biontech und Pfizer wollen eine Notfallzulassung bekommen.
Werden schon bald Kleinkinder ab sechs Monaten gegen das Coronavirus geimpft? Die Unternehmen Biontech und Pfizer wollen eine Notfallzulassung bekommen. (Symbolbild) © dpa/Matthias Bein

Nach eigenen Angaben wollen die Unternehmen die gesammelten Daten auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und anderen Zulassungsbehörden auf der gesamten Welt einreichen. Wann der Impfstoff in Deutschland zugelassen werden könnte, ist unklar.

Corona-Impfung für Kinder ab sechs Monaten: Off-Label-Impfung in Deutschland

Kleinkinder können in Deutschland derzeit nur geimpft werden, wenn ein Arzt die Zustimmung erteilt - im sogenannten off-Label-Verfahren. Das bedeutet: Es gibt keine Zulassung. Experten raten davon allerdings ab, zunächst sollte das Zulassungsverfahren abgewartet werden.

In Nordrhein-Westfalen werden trotz Rekord-Fallzahlen - der Inzidenz-Wert ist so hoch wie nie - Rufe nach Lockerungen laut. Kurz vor der Landtagswahl in NRW hat Familienminister Joachim Stamp (FDP) bei WDR2 gesagt: „Jetzt sehen wir, dass sich die Entwicklung in den verschiedenen europäischen Ländern dreht und die Zahlen zurückgehen. Das wird hier wahrscheinlich auch hier bald so sein, vielleicht schon in einer Woche. Vielleicht dauert es noch zwei oder drei Wochen.“ Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bremst hingegen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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