Impfquote zu niedrig

Virologe Drosten sieht große Corona-Welle kommen - klare Worte zur Impfquote

Obwohl die Corona-Zahlen in Deutschland sinken, sieht Virologe Christian Drosten eine große Welle im Herbst und Winter kommen. Er findet klare Worte zur Impfung.

Hamm - Die Corona-Lage in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland hat sich in den vergangenen Wochen wieder entspannt. Der Inzidenz-Wert sinkt langsam aber stetig - und auch die Zahl der Infizierten geht in den meisten Städten und Kreisen zurück. War das schon die befürchtete vierte Corona-Welle? Nein, wenn es nach dem Virologen Christian Drosten geht. Der prognostiziert nämlich deutlich höhere Zahlen im Herbst und Winter. (News zum Coronavirus)

NameChristian Drosten
Geboren12. Juni 1972, Lingen (Ems)
BerufVirologe

Corona in Deutschland: Christian Drosten sieht große Welle - „Zahlen sehen übel aus“

Dass die Corona-Zahlen fast überall in Deutschland sinken, führen viele auf das Ende der Ferien- und Urlaubszeit zurück - eine Erklärung, die Christian Drosten nicht uneingeschränkt stehen lässt. Gerade in ostdeutschen Bundesländern nehme der Inzidenz-Wert aktuell „offenbar unabhängig vom Ferien-Ende“ wieder Fahrt auf. „Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden“, sagte der Virologe im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“.

Anhand der Entwicklung der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr rechnet Drosten damit, dass ab der zweiten Oktober-Hälfte mit einem „exponentiellen Anstieg“ zu rechnen sein könnte. „Da ist natürlich der Temperatureffekt mit dabei. Und bei der Impfquote, die wir haben, bei knapp 64 Prozent vollständigen Impfungen, gehe ich davon aus, dass wir zu dieser Zeit auch in die Winterwelle reingehen werden“, erklärte der Chef-Virologe der Berliner Charité.

Für den Fortschritt der Corona-Impfkampagne in Deutschland findet Christian Drosten klare Worte: „Die Zahlen sehen übel aus.“ Der sehnsüchtige Blick vieler Bundesbürger nach Dänemark, wo vor wenigen Wochen alle Corona-Regeln aufgehoben wurden, kommt demnach noch zu früh. „An diesem Punkt sind wir in Deutschland natürlich überhaupt nicht“, meinte Drosten.

Drosten: Steigerung der Impfquote ist „rein politisches Problem“

In dem skandinavischen Land ist die Impfquote deutlich höher als in Deutschland. Sie liegt in Dänemark aktuell (Stand 28. September) bei 75,1 Prozent. Der Virologe rechnet „ganz stumpf, mit allen Unschärfen“ vor, dass es hierzulande bei der aktuellen Geschwindigkeit von etwa 200.000 Impfungen pro Tag noch 90 Tage - also bis zum Ende des Jahres - dauern würde, um auf eine ähnliche Quote zu kommen. Angesichts der hochansteckenden Delta-Variante benötige es laut Drosten sogar eine Impfquote von mehr als 85 Prozent innerhalb der gesamten Bevölkerung, um eine gewisse Sicherheit zu haben. Das geht wohl nur mit Impfungen von Kindern, bei denen ein Hersteller jetzt einen Erfolg erzielt hat.

Dass die „Impflücken“ in Deutschland geschlossen werden, also dass die jetzt noch Ungeimpften sich impfen lassen, sieht Christian Drosten als „rein politisches Problem“. Die Wissenschaft habe „geliefert, die Impfung ist da, die großen Linien verschieben sich nicht mehr“. Jetzt sei es an der Politik und „vielleicht einigen anderen Akteuren in der Gesellschaft“, die Corona-Pandemie in die „endemische Phase“ zu bringen, sodass das Virus nicht mehr weltweit, sondern nur noch regional begrenzt auftritt.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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