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Booster-Impfung: Spahn mit Auto-Vergleich - „Biontech Mercedes, Moderna ist...“

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Moderna statt Biontech für Booster-Impfungen gegen Corona: Jens Spahn bekommt Kritik für seine Maßnahme. Der Gesundheitsminister zieht einen Auto-Vergleich.

Hamm - Weil die vom Bundesgesundheitsministerium eingelagerten Moderna-Dosen gegen das Coronavirus* im ersten Quartal 2022 verfallen, sollen sie jetzt vermehrt geimpft werden. Das Ministerium von Jens Spahn (CDU) will die Lieferung von Biontech an Ärzte begrenzen. Patientenschützer und Ärzte äußern scharfe Kritik. Doch ist der Moderna-Impfstoff wirklich schlechter? Studien belegen etwas anderes. Auf der Bundespressekonferenz am Montag (22. November) verteidigt Spahn das Vorgehen seines Ministeriums.

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
Einwohner83,24 Millionen (2020)

Booster-Impfung mit Moderna: Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Kritik an Jens Spahn

„Während die amtierende Bundeskanzlerin, die Regierungschefs der Länder und der Bundestag die große Boosteroffensive ausrufen, torpediert Jens Spahn das Vorhaben“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. „Denn offensichtlich gibt es nicht genügend frei wählbare Vakzine für die impfwilligen Menschen. Praktisch wird das Angebot ausgebremst.“

„Höchstbestellmengen“ beim Biontech-Impfstoff, die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums hat Ärzte und Patienten gleichermaßen überrascht. Mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland haben sich sowohl bei ihrer Erstimpfung und Zweitimpfung für den mRNA-Biontech-Impfstoff entschieden - nur rund 5 Millionen Menschen wurden mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna geimpft. Das geht aus Zahlen vom Robert-Koch-Institut (RKI) hervor (Stand: 10. November 2021). Für Biontech dürften sich die Menschen in Deutschland vor allem entscheiden, weil der Impfstoff, der hier entwickelt worden ist, einen besonders guten Ruf genießt. Die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin wurden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dafür gar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auf der Pressekonferenz betonte Jens Spahn immer wieder, dass Moderna ein ebenso guter Impfstoff sei wie Biontech. „Manche Ärzte sagen, Biontech ist der Mercedes unter den Impfstoffen, Moderna der Rolls-Royce.“ Leider sei der Eindruck entstanden, es solle ausschließlich mit Moderna geimpft werden, weil der Impfstoff verfalle. Das sei zwar ein wichtiger Aspekt, aber nicht entscheidend. Vielmehr leere sich das Biontech-Lager rasant. „Alles, was wir haben, wird ausgeliefert. Wir halten nichts zurück“, sagte Jens Spahn. Derzeit gehe man von 25 bis 30 Millionen Auffrischungsimpfungen bis Jahresende aus. 24 Millionen Impfdosen von Biontech und 26 Millionen Dosen mit Moderna stehen bis dahin zur Verfügung, erklärte der Minister.

Booster-Impfung mit Moderna: 30 Biontech-Dosen pro niedergelassenem Arzt

Unterstützung bekam Spahn auf der Pressekonferenz von Professor Klaus Cichutek, Biochemiker am Paul-Ehrlich-Institut, und Professor Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Charité Berlin. „Die Impfstoffe sind äquivalent“, erklärte Cichutek und beide seien für Booster-Impfungen sehr geeignet.

Die Höchstbestellmenge an Biontech-Impfungen soll auf 30 Dosen pro niedergelassenem Arzt beschränkt werden, hatte es in dem Schreiben des Ministeriums geheißen.  Impfzentren und mobile Impfteams können demnach pro Woche 1020 Dosen bestellen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte nach der Ankündigung erklärt, dass es aufgrund der Begrenzung in den Praxen zu einem erhöhten Beratungsbedarf zu rechnen ist. Zwar seien beide Impfstoffe nach vorliegenden Studiendaten und laut Ständiger Impfkommission (Stiko) gleichwertig - „trotzdem wird es hohen Erklärungsbedarf geben, der wertvolle Zeit bindet, die für das Impfen dann fehlt“, sagte KBV-Vize Stephan Hofmeister. Er sei sich bewusst, dass die Umstellung Mehrarbeit und Stress bedeute, sagte Spahn. Die einzige Nachricht, die wichtig sei, sei aber: „Wir haben genug guten Impfstoff für alle Impfungen.“

Jens Spahn äußert sich in der Bundespressekonferenz in Berlin zu Corona-Impfstoffen
Jens Spahn hat sich zum Vorrat an Corona-Impfstoffen geäußert. © Michael Kappeler/dpa

Booster-Impfung mit Moderna: Studien belegen Wirksamkeit

Laut einer US-Studie, die die Wirksamkeit der Impfstoffe von Moderna und Biontech vor der Delta-Variante vergleicht, schützt Modernas Spikevax zu rund 76 Prozent vor einer Infektion. Comirnaty von Biontech kam auf 42 Prozent. Die Studien-Autoren wiesen allerdings darauf hin, dass die Unterschiede noch bestätigt werden müssten. Aus Katar kommt eine Studie, die genau das tut: Der Schutz vor Infektion wie Hospitalisierung ist bei der Delta-Variante bei Spikevax höher als bei Comirnaty, so ihr Ergebnis.

Als Booster-Impfung sei Moderna mindestens genauso gut geeignet wie Biontech. Das erklärten auch Klaus Cichutek und Leif-Erik Sander. Hauptsache mRNA-Impfstoff, so die Experten am Montag. Auch die Stiko empfiehlt generell einen mRNA-Impfstoff als Booster. Wenn möglich soll das laut Stiko der Impfstoff sein, der zur Grundimmunisierung eingesetzt worden ist. Das sei aber nicht entscheidend, erklärte Professor Sander. Er würde auch eine 3er-Mischung empfehlen, so der Internist und Lungenarzt. Die Impfstoffe seien frei kombinierbar, wenn es sich beim Booster-Impfstoff um einen mRNA-Impfstoff handele.

Beide mRNA-Impfstoffe haben bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung für den Einsatz als Booster-Impfstoff. Bei Moderna wird die halbe Dosis der Grundimmunisierung gespritzt, bei Biontech eine ganze Dosis.

Beim Brechen der vierten Corona-Welle setzt das Spahn-Ministerium auf Homeoffice-Pflicht und 3G am Arbeitsplatz. Das müssen Beschäftigte zu Rechten, Pflichten und Ausnahmen wissen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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