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„Impfung“ gegen Herzinfarkt? Neuartiges Medikament senkt Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent

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Von: Juliane Gutmann

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Die mRNA-Technologie kommt nicht nur bei Corona-Impfstoffen zum Einsatz. Auch der Arzneistoff Inclisiran gegen hohes Cholesterin wirkt nach dem Prinzip.

Zweimal jährlich eine Spritze mit dem Wirkstoff Inclisiran soll Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent senken, informiert das Ärzteblatt. Ein Durchbruch ist dieses Studienergebnis vor allem deshalb, weil zu hohe Cholesterinwerte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Die häufigste Todesursache in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weshalb hier der Bedarf an Therapien besonders groß ist.

Ein relativ neuer Therapie-Ansatz ist die Behandlung mit dem Cholesterin-Senker Inclisiran. Der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) zufolge wurde Inclisiran am 1. Februar 2021 in Deutschland auf den Markt gebracht und ist die erste und einzige auf small interfering RNA (Ribonukleinsäure) basierende Therapie für Patienten mit Hypercholesterinämie (Fettstoffwechselstörung, die erhöhte Cholesterinwerte im Blut zur Folge hat und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern kann) oder gemischter Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung, bei der die Zusammensetzung der Blutfette verschoben ist).

Geringelte Pommes im Backofen
Zu viel gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren, zu wenig mehrfach ungesättigte Fettsäuren und zu wenig Ballaststoffe: Falsche und zu fettreiche Ernährung ist ein Hauptrisikofaktor für erhöhte Cholesterinwerte. © Michael Bihlmayer/Imago

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Inclisiran senkt LDL-Cholesterin – langfristig

Nur zweimal jährlich muss Inclisiran intravenös mittels einer Spritze verabreicht werden, um die Cholesterinwerte und damit auch das Herzinfarktrisiko zu senken. Im Rahmen groß angelegter Studien hatte sich dem Ärzteblatt zufolge gezeigt, dass Inclisiran das schädliche LDL-Cholesterin im Körper über sechs Monate lang niedrig halten kann. LDL ist die Abkürzung für „low density lipoprotein“, das das von der Leber produzierte Cholesterin zu den Körperzellen transportiert. Zu hohe LDL-Cholesterinwerte können auf ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko, Gallenstau oder eine Harnvergiftung hindeuten, wie die Internisten im Netz informieren. Auch eine Therapie mit Steroidhormonen oder Gelbkörperhormonen kann den LDL-Wert erhöhen, heißt es weiter.

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Durch Inclisiran sei eine langfristige Senkung des LDL-Spiegels um 50 bis 55 Prozent möglich, zitiert das Ärzteblatt Professor Wolfgang Koenig, Oberarzt am Deutschen Herzzentrum München, der die Studienlage zu Inclisiran näher analysiert hat. Die Bild bezeichnet den Wirkstoff sogar als „Penicillin des 21. Jahrhunderts“.

Doch dieses hat seinen Preis: Knapp 3.000 Euro kostet eine Dosis Inclisiran, wie der Kardiologe Professor Oliver Weingärtner im Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk erklärt. Und noch einen Haken gibt es: Bislang ist das Präparat nur für Härtefälle zugelassen. So informiert etwa die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, dass der Lipidsenker Inclisiran nur in Ausnahmefällen verordnungsfähig ist. Das Reservemedikament sei bis auf wenige Ausnahmen nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Mediziner dürften Inclisiran nicht verordnen, wenn dadurch Mehrkosten im Vergleich zur Therapie mit anderen Lipidsenkern wie Statinen entstehen, heißt es weiter. Ausnahmen gibt es aber: für Patienten mit Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie.  

Spritze gegen Herzinfarkt: mRNA-Therapie gegen zu hohe Cholesterinwerte

Die Therapie mit Inclisiran wirkt über die sogenannte RNA-Interferenz. Wie Kardiologie.org als gemeinsames Angebot der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK), dem Bundesverband niedergelassener Kardiologen (BNK) e.V. und der Springer Medizin Verlag GmbH informiert, handelt es sich bei Inclisiran um ein chemisch verändertes Ribonukleinsäure (RNA)-Molekül. Die Substanz hat lipidsenkende Wirkung, weil sie als sogenannte small interfering RNA (siRNA) intrazellulär die Synthese von PCSK9 unterbindet, heißt es vonseiten des Herzexpertenportals. Die Aktivität des Proteins PCSK9 fördert einen erhöhten LDL-Spiegel im Blut. Durch das Injizieren von Inclisiran wird die mRNA (Boten-Ribonukleinsäure) für PCSK9 so beeinflusst, dass „das Gen für die PCSK9-Synthese quasi abgeschaltet wird“, so Kardiologie.org.

Die mRNA-Therapie mit dem „Lipidsenker Inclisiran ähnelt zwar nicht im Wirkmechanismus, wohl aber in seiner Applikationsform fast einem Impfstoff: Die Substanz muss nur alle sechs Monate subkutan injiziert werden, um eine anhaltend starke Senkung des LDL-Cholesterins im Blut zu erzielen“, so das Fazit des Chefredakteurs von kardiologie.org, Peter Overbeck.

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