Kreuz-Impfung gegen Corona

Erst Astrazeneca, dann Biontech: Überraschendes Ergebnis zur Wirksamkeit

Erst Astrazeneca, dann Biontech? Forscher der Charité in Berlin kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis, was die Wirksamkeit der Kreuzimpfung gegen Corona angeht.

Berlin - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus läuft. Sie ist ein Grund dafür, warum die Infektionszahlen in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit Monaten sind. Doch nicht alles läuft beim Impfen reibungslos. Nach Bekanntwerden von seltenen, aber schweren Komplikationen in Form von Hirnvenenthrombosen nach Erstimpfungen mit Astrazeneca wird Jüngeren empfohlen, bei der Zweitimpfung Biontech spritzen zu lassen. Daten der Charité Berlin zur Wirksamkeit dieser Kombination sind erstaunlich. (News zum Coronavirus)

UnternehmenBiontech
BrancheBiotechnologie
Gründung2008
SitzMainz

Erst Astrazeneca, dann Biontech: Charité liefert Daten zur Wirksamkeit der Corona-Kreuzimpfung

Als Ende März in NRW die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca für unter 60-Jährige vorübergehend gestoppt wurden, waren landesweit bereits mehrere 100.000 Menschen mit dem Vakzin erstgeimpft. Mittlerweile ist der Impfstoff zwar für alle freigegeben, doch aus Risiko-Nutzen-Abwägungen heraus rät die Ständige Impfkommission (Stiko) Menschen unter 60 Jahren die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer.

Experten sahen allerdings noch einen Mangel an verlässlichen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit der Kreuzimpfung gegen Corona mit zwei unterschiedlichen Präparaten. Bis jetzt.

Forscher der renommierten Charité in Berlin, an der auch Star-Virologe Christian Drosten arbeitet, kommen in einer Studie zu dem Ergebnis: Eine Corona-Impfung erst mit Astrazeneca, dann mit Biontech/Pfizer hat wohl keine Nachteile bei Wirksamkeit und Verträglichkeit (Nebenwirkungen). Zu einem ähnlichen Ergebnis waren im Mai spanische Forscher gekommen. Dort war sogar von einer deutlich erhöhten Wirksamkeit die Rede. Die Studie aus Spanien unterliegt laut WDR allerdings methodischen Schwächen.

Impfstoff-Kombination aus Astrazeneca und Biontech mit hoher Wirksamkeit

Die Kombination der Präparate von Astrazeneca und Biontech/Pfizer in einem Abstand von 10 bis 12 Wochen sei laut der Studie gut verträglich und rufe vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie mit zweimal Biontech hervor, schrieb der Charité-Wissenschaftler Leif Erik Sander auf Twitter.

Erst das eine, dann das andere? Corona-Impfstoffe von Astrazeneca (links) und Biontech/Pfizer.

Die Charité-Zwischenauswertung ist als sogenanntes Preprint veröffentlicht worden. Das heißt, dass eine Überprüfung durch externe Experten und die Publikation in einer Fachzeitschrift noch ausstehen. Das Team um Sander erhob und verglich Daten von rund 340 Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die zwischen Ende 2020 und 21. Mai geimpft wurden - davon eine Gruppe zweifach mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer im Abstand von drei Wochen und eine weitere mit Astrazeneca bei der Erst- und Biontech bei der Zweitimpfung.

Forscher der Charité: Astrazeneca und Biontech wirksame Kombination

Erste öffentliche Reaktionen auf die Studie zur Wirksamkeit waren positiv. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte zusammenfassend: „Diese Kombi wird gut vertragen und wirkt noch etwas stärker als doppelte BionTech-Impfung. Die Kombination kann man empfehlen.“ Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußerte sich auf Twitter. Es handle sich um „wichtige Daten“ Erst kürzlich hatte sich Ciesek zum Umgang mit Geimpften und Nicht-Geimpften rund um den Sommer-Urlaub 2021 geäußert.

Die Ergebnisse der Charité-Studie scheinen im Widerspruch zu einer kürzlich veröffentlichten „Lancet“-Studie zu stehen. Ihr zufolge hätte Impflinge bei zwei unterschiedlichen Impfstoffen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis.

Die Wissenschaftler der Charité weisen aber auf Unterschiede beim Studiendesign, dem Alter der Probanden und unterschiedliche Impfintervalle hin. Der längere Abstand zwischen den beiden Dosen in der Berliner Untersuchung könne mit den weniger stark ausgeprägten Impfreaktionen zu tun haben. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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