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Antikörpertest vor Corona-Booster-Impfung? Test bringt überraschendes Ergebnis

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Von: Daniel Großert

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Viele Menschen lassen sich bereits gegen Corona boostern. Ist ein Antikörpertest vorher sinnvoll? Experten sind da skeptisch. Wir haben den Test gemacht.

Hamm - Bis zu 30 Millionen Corona-Impfungen bis zum Ende des Jahres hatte der mittlerweile gewählte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor wenigen Wochen angekündigt. Eine große Rolle dabei sollen die Booster-Impfungen spielen - also die zusätzlichen Impfdosen für Menschen, die bereits vollständig geimpft sind. Doch vor der Auffrischung des Impfschutzes fragen sich viele, ob die dritte Dosis wirklich nötig ist. Kann ein Antikörpertest helfen, die Frage zu beantworten?

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme.

Antikörpertest vor Booster-Impfung gegen Corona? Überraschendes Ergebnis

15,6 Millionen Menschen haben in Deutschland bislang (Stand 7. Dezember) eine Booster-Impfung gegen Corona erhalten, wie aus dem Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht. Allein am 7. Dezember wurden demnach mehr als 800.000 Auffrischungsimpfungen verabreicht. Viele Experten sind sich einig: Die zusätzliche Impfdosis für vollständig Geimpfte ist ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Covid-19.

Ein Großteil der bisher geboosterten Menschen in Deutschland gehört zu den sogenannten vulnerablen Gruppen, sind also wegen ihres Alters oder Gesundheitszustandes besonders von einer Corona-Infektion bedroht.

Aber müssen wirklich alle Menschen, deren zweite Corona-Impfung fünfeinhalb Monate (der für Nordrhein-Westfalen gültige Zeitraum) zurückliegt, sich sofort ins Gerangel um die Booster-Termine stürzen? Genau diese Frage habe ich mir gestellt. Könnte es nicht sein, dass mein Immunschutz noch so hoch ist, dass ich mit der dritten Dosis noch etwas warten kann? Daher habe ich - die zweite Impfung bekam ich Ende Juni - mich dazu entschlossen, einen Antikörpertest machen zu lassen.

Antikörpertest vor Booster-Impfung: Immunschutz gegen Corona prüfen

Damit lässt sich überprüfen, wie viele sogenannte Immunglobulin-G-Antikörper (IgG) gegen das Spike-Protein, die das Coronavirus zum Andocken an die menschlichen Zellen nutzt, man im Blut hat. Je höher der Wert, der in BAU (binding antibody units) in Millilitern angegeben wird, ist, desto besser ist man vor einer Infektion geschützt.

Der Test selbst, den ich in einer Apotheke machen ließ, lief völlig unkompliziert ab: Die junge Mitarbeiterin pikste mir kurz in die Fingerkuppe, um danach mit einer Pipette wenige Tröpfchen meines Bluts aufzunehmen. Damit führte sie den Antikörpertest durch - nach einer halben Stunde sollte das Ergebnis da sein.

Wie das letztendlich zu interpretieren sei, erklärte mir die junge Frau auch: Ein Wert unter 500 sei ein Zeichen dafür, dass eine Booster-Impfung sinnvoll sei. 500 bis 1000 BAU/ml bedeuteten, dass ich gut geschützt sei und eine Auffrischung meines Impfschutzes nicht zwangsläufig nötig sei. Und ein Wert über 1000 sei „perfekt“, wie sie ausführte.

Experten sehen Corona-Antikörpertests skeptisch - Daten fehlen

In diesen Grenzwerten liegt aber auch ein Grund, warum manche Experten den Antikörpertests skeptisch gegenüber stehen. Denn offizielle Kennzahlen dafür, wie gut der Immunschutz gegen das Coronavirus bei welchem Wert ist, gibt es nicht. Eine Schätzung besage, dass ein Wert unter 21,8 BAU/ml keinen messbaren Schutz durch Antikörper bedeute, wie Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Darüber sei unklar, ab wann der Schutz ausreichend gut sei. „Nach meiner Einschätzung ist ein Wert von 500 so hoch, dass man nicht sofort eine Drittimpfung benötigt“, erklärte Bobrowski.

Bei einem Wert über 1000 BAU/ml könne man von einem guten Schutz sprechen. Davon geht auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, aus: „Antikörperwerte über 1000 BAU/ml scheinen mit recht gutem Schutz vor symptomatischer Infektion zu korrelieren“, schrieb er auf Twitter.

Der Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund, der zuletzt einen harten Lockdown vor Weihnachten gefordert hatte, meint aber auch: Eine Booster-Impfung solle man „nicht von einem Antikörpertest abhängig machen“, auch wenn die Zahl der Antikörper mit der Höhe des Schutzes in Verbindung stehe. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät gesunden Menschen ebenfalls davon ab, einen solchen Test vor der Auffrischungsimpfung zu machen.

Booster-Impfung auch bei hohem Antikörperspiegel sinnvoll

Denn unabhängig von der Zahl der Antikörper sei eine Booster-Impfung sinnvoll, wie auch das Robert-Koch-Institut (RKI) klarstellt. Es gebe keine Sicherheitsbedenken mit Blick auf die zusätzliche Dosis - auch wenn „fälschlicherweise“ viele Menschen denken würden, dass eine Auffrischung bei hohem Antikörperspiegel nicht verabreicht werden sollte. Der Schutz werde nur besser, hieß es vom RKI.

Für Menschen, die anfällig für Infekte oder allgemein immungeschwächt sind, könne ein Antikörpertest allerdings sinnvoll sein, wie Andreas Bobrowski der dpa sagte. Ihnen könne er Aufschluss darüber geben, wie gut die Corona-Impfung angeschlagen hat.

Das gilt für mich persönlich nicht. Ich bin sehr selten krank und schätze mein Immunsystem selbst als sehr gut ein. Trotzdem hat es mich brennend interessiert, wie gut ich gut fünf Monate nach meiner zweiten Impfung noch gegen das Coronavirus geschützt bin. Nach einer halben Stunde konnte ich das Ergebnis in der Apotheke abholen. Und das war wirklich überraschend: 2426,6 BAU/ml standen auf dem Zettel, den die Mitarbeiterin mir überreichte - zusammen mit dem Hinweis, dass das ein sehr guter Wert sei.

Ein Schild weist bei einem Anbieter auf einen Corona-Antikörpertest hin.
Ein Corona-Antikörpertest kann vor der Booster-Impfung Aufschluss über den Immunschutz geben. Experten raten aber in den meisten Fällen davon ab. © Marijan Murat/dpa

Ob der vergleichsweise hohe Wert möglicherweise durch eine unbemerkte Corona-Infektion vor meiner Impfung zustande gekommen ist oder einfach nur durch eine gute Immunantwort auf den Impfstoff, ist unklar. Für mich persönlich war der Antikörpertest aber rückblickend absolut sinnvoll. Ich fühle mich aktuell sehr gut vor einer Corona-Infektion bzw. vor allem vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt. Daher bemühe ich mich erstmal nicht um einen Termin für eine Booster-Impfung. Nicht weil ich Bedenken bezüglich der Wirksamkeit habe, sondern weil ich ihn denen überlassen will, die vielleicht einen weniger hohen Immunschutz haben. Spätestens im Frühjahr werde ich mir allerdings selbstverständlich meine dritte Impfdosis verabreichen lassen - auch um meinen Impfstatus nach 9 Monaten weiter aufrechtzuerhalten. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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