1. wa.de
  2. Leben
  3. Gesundheit

Achluophobie: Wenn die Dunkelheit Angst macht – Arzt erklärt, wie Sie dagegen ankämpfen können

Erstellt:

Von: Juliane Gutmann

Kommentare

Man kann theoretisch vor allem eine Angst entwickeln. Die Furcht vor Dunkelheit ist weit verbreitet. Doch was tun, wenn die Angst vor fehlendem Licht den Alltag beeinträchtigt?

Wer ohne Licht durch die Wohnung tappt, erhöht das Risiko von Stürzen. Die menschlichen Augen können sich schlecht an Dunkelheit anpassen, hier sind uns Katzen oder andere nachtaktive Tiere weit voraus. Respekt und ein Stück weit Angst vor der Dunkelheit ist entsprechend normal und dient dem Selbstschutz. Wer also des Nachts auf die Toilette muss und die Lampen anschaltet, braucht sich nicht über seine psychische Gesundheit zu sorgen.

Doch es gibt Menschen, deren Angst vor der Dunkelheit krankhafte Züge annimmt. Das ist dann der Fall, wenn Menschen ihren Alltag nicht mehr normal bewältigen können und sich zunehmend aufgrund ihrer Angst einschränken. Im Fall von Achluophobie – dem Fachbegriff für die Angst vor Dunkelheit – kann es so weit kommen, dass Betroffene ihre Wohnungen am Abend nicht mehr verlassen. In manchen Berufen, die Präsenz am Arbeitsplatz erfordern, kann so der Verlust des Jobs drohen.

Funkwecker zeigt Null Uhr an Neujahr an.
Der Wecker zeigt zwölf Uhr nachts und man muss auf die Toilette: Bei manchen Menschen löst die nächtliche Dunkelheit Ängste aus. © Sabine Brose/Sorge/Imago

Nichts verpassen: Alles rund ums Thema Gesundheit und Wohlbefinden finden Sie im regelmäßigen Gesundheits-Newsletter unseres Partners Merkur.de

Als traumatisch erlebte Situationen können Angststörung triggern

Horrorfilme und Gruselgeschichten können die Angst vor der Nacht und der Dunkelheit verstärken. Doch krankhafte Ausmaße nimmt Achluophobie in der Regel nur dann an, wenn Menschen traumatische Erfahrungen gemacht haben. Dr. Andreas Hagemann, Ärztlicher Direktor der psychosomatischen Privatkliniken Duisburg, Eschweiler und Merbeck, erklärt es folgendermaßen: Kommen zu illusionärer Verkennung „noch als traumatisch erlebte Ereignisse, etwa aus der Kindheit oder Jugend hinzu, kann dies zu einer regelrechten Angst vor der Dunkelheit, der Achluophobie, führen“. Als illusionäre Verkennung wird der Umstand bezeichnet, wenn ein Mensch bestimmte Umrisse oder Schatten in der Nacht als potenzielle Gefahr erkennt, weil er nicht genau bestimmen kann, um was es sich in Wirklichkeit handelt. Ein Stuhl in der Ecke kann auf diese Weise zu einer unheimlichen Gestalt werden.

Warnsignale, die eine Angststörung kennzeichnen

Doch ab wann ist die Angst krankhaft? „Eigentlich eine gesunde Schutzfunktion bei Gefahren, werden Ängste in der Regel dann problematisch, wenn sie immer häufiger und stärker auftreten bzw. immer mehr das Denken und die täglichen Handlungen bestimmen“, so Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Andreas Hagemann einer Presse-Information des Pressebüros Brenneke zufolge. Ärzte sprechen dann von einer Angststörung, die sich durch Schlafstörungen, Herzklopfen, Dauerstress und extremer Unruhe äußern kann. „Spätestens ab diesem Zeitpunkt handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Angsterkrankung“, so Hagemann.

Statt sich mit der Angst abzufinden, sollte man ihm zufolge versuchen, sie in kleinen Schritten zu bekämpfen. Hilfreich könne etwa der abendliche Spaziergang im Dunkeln sein. „Schauen Sie in den Sternenhimmel und Sie werden feststellen, dass die Nacht auch wunderschön sein kann“, sagt Dr. Hagemann. Auch Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, leise Musik oder ein gutes Buch könne als „mentale Einstimmung“ auf die Nacht dienen. Alles, was den Körper zur Ruhe bringt und das vegetative Nervensystem in den Ruhezustand versetzt, ist Hagemann zufolge förderlich.

Doch Achluophobie (aus dem Griechischen: achly = Dunkelheit, phobos = Angst) oder auch Nyktophobie (griechisch: Nyktos = Nacht) kann auch behandlungsbedürftige Züge annehmen. Werden die Ängste belastender und bestimmen zunehmend das Leben, sollte eine Verhaltenstherapie in Erwägung gezogen werden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare