Folgen im Erbfall:

Auf diese Dinge müssen Erben achten

Mann notiert Informationen in einem Notizbuch.
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In Fällen, in denen der Erblasser ungeahnte Schulden zurückgelassen hat, sind viele Erben zunächst mit der Situation völlig überfordert.

Als Erbfall im juristischen Sinne wird die Situation bezeichnet, dass ein Mensch bzw. der Erblasser stirbt und dessen Vermögen auf den oder die Erben übergeht.

Der Tod eines nahen Angehörigen ist für viele Menschen enorm belastend – dass damit zusätzlich jede Menge Aufgaben und Organisatorisches auf die Erben zukommt, macht es nicht einfacher. Im Folgenden klären wir, welche Erbkonstellationen es gibt und was der oder die Erben alles beachten sollten.

Erbfall mit und ohne Testament sorgen für unterschiedliche Erbfolgen

Der sogenannte Erbfall ist ein juristischer Begriff, der in §1922 BGB gesetzlich geregelt ist. In diesem heißt es, dass dieser mit dem Tod einer natürlichen Person, namentlich des Erblassers, eintritt. Weiter heißt es im Gesetz, dass das Vermögen, auch als Erbschaft bezeichnet, auf einen oder mehrere Erben übergeht.

Doch schauen wir uns vor der Zuteilung des hinterlassenen Vermögens zunächst einmal an, was im Erbfall konkret zu tun ist. Im Wesentlichen sollten die Erben an folgendes denken:

  1. Meldung des Todesfalls
  2. Beantragung der Sterbeurkunde
  3. Versicherungen und Vertragspartner benachrichtigen
  4. Vollmachten und Vertragsverhältnisse überprüfen
  5. Testament beim Nachlassgericht vorlegen und Nachlassverzeichnis erstellen

Was mit dem Vermögen des Erblassers passiert, ist abhängig davon, ob dieser ein Testament hinterlassen hat. Ist das nicht der Fall, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, wonach ausschließlich nahe Angehörige wie z.B. Ehepartner und Kinder begünstigt werden. Gibt es ein Testament, richtet sich die Vermögensaufteilung danach – beachtenswert ist aber z.B. der Pflichtteilsanspruch engster Angehöriger.

Erbengemeinschaft bildet sich bei Begünstigung mehrerer Erben

Ein Sonderfall des Erbfalls ist die Entstehung einer sogenannten Erbengemeinschaft. Diese entsteht immer dann, wenn der Erblasser nicht nur einen, sondern mehrere Erben begünstigt hat bzw. diese im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge zum Zuge kommen.

Das Gesetz sieht vor, dass der Nachlass bei Entstehung einer Erbengemeinschaft automatisch zum gemeinschaftlichen Vermögen der Miterben wird. Wer Teil einer Erbengemeinschaft ist, kann aber zum Beispiel auch seinen Erbteil zu Geld machen bzw. veräußern und sich dadurch aus dem gesetzlich erzwungenen Verbund lösen.

Das kann vor allem deshalb Sinn ergeben, weil grundsätzlich die Erbengemeinschaft nur gemeinsam über Gegenstände des Nachlasses verfügen kann und aufgrund unterschiedlicher Ansichten Unstimmigkeiten und gegenseitiges Blockieren der Erbauseinandersetzung nicht selten sind. Wenn man als Miterbe keinen Käufer für seinen Erbteil findet, kann man sich an Institutionen wie das Deutsche Erbenzentrum wenden.

Denkbar ist daneben eine Erbauseinandersetzung, die jeder Miterbe verlangen kann. Bei dieser wird der Nachlass aufgeteilt und im Zuge dessen der Gemeinschaftsverbund aufgelöst. Dies ist mit Teilungsversteigerung von Immobilien, Gutachtern, Gerichten und Anwälten verbunden und dauert in der Regel mehrere Jahre.

Welche Möglichkeiten haben die Erben bei Erblasserschulden?

Besonders nervenaufreibend können Erbfälle dann sein, wenn der Erblasser im Vorfeld für die Erben unbekannte Schulden besessen und infolgedessen nun diese hinterlassen hat. Grundsätzlich gibt es im Kontext eines Erbfalls zwei Arten von Schulden:

  1. Erbfallschulden
  2. Erblasserschulden

Während mit ersteren lediglich z.B. anfallende Beerdigungskosten und etwa die Erbschaftssteuer gemeint sind, können Erblasserschulden alle möglichen Arten finanzieller Verpflichtungen des Toten gegenüber Dritten, beispielsweise aus Mietverträgen, Bürgschaften oder aus zugefügten Schäden (Schadensersatzansprüche) sein.

Nimmt der bzw. die Erben das Erbe an, müssen sie diese Verbindlichkeiten begleichen – sie können das Erbe aber auch ausschlagen und zwar innerhalb von 6 Wochen ab Kenntnis vom Todesfall beim zuständigen Nachlassgericht. 

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