Internationaler Asteroid Day

Wieso Asteroiden eine Gefahr für die Erde sind

Was tun, wenn ein Asteroid tatsächlich die Erde bedroht? Die Esa/Nasa-Mission DART/Hera soll die „planetare Verteidigung“ testen. In der künstlerischen Darstellung zu sehen: die Esa-Sonde „Hera“ nähert sich dem Asteroiden Didymoon.
+
Was tun, wenn ein Asteroid tatsächlich die Erde bedroht? Die Esa/Nasa-Mission DART/Hera soll die „planetare Verteidigung“ testen. In der künstlerischen Darstellung zu sehen: die Esa-Sonde „Hera“ nähert sich dem Asteroiden Didymoon.

Asteroiden können für die Erde gefährlich werden - das zeigen prominente Asteroiden-Einschläge. Der Asteroid Day soll auf die Gefahr aufmerksam machen. Forscher erproben die „planetare Verteidigung“.

  • Asteroiden sind eine Gefahr für die Menschheit und die Erde
  • Das zeigt unter anderem der Asteroiden-Einschlag, der die Dinosaurier auslöschte
  • Der Asteroid Day am 30. Juni macht auf die Gefahr durch Asteroiden aufmerksam

Asteroiden sind eine reale Gefahr für die Erde und das Leben auf ihr. Dafür gibt es eindrucksvolle Beispiele. Das bekannteste Ereignis war der Asteroiden-Einschlag vor etwa 66 Millionen Jahren*, durch den zahlreiche Arten - darunter Dinosaurier - ausgestorben sind. Man geht davon aus, dass der 180 Kilometer große Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán das Überbleibsel dieses Einschlags ist.

Ein weiterer heftiger Asteroiden-Einschlag hat am 30. Juni 1908 seine Spuren auf der Erde hinterlassen: Er schlug eine Schneise der Verwüstung in Sibirien. Das so genannte „Tunguska-Ereignis“ ist der erste Asteroiden-Einschlag, zu dem es Augenzeugenberichte gibt. In denen ist von einem „lauten Knall am Himmel“ und einem „kräftigen Schlag“ die Rede. Die Erde habe gebebt und es habe ausgesehen, als stünde der Himmel in Flammen.

„Tunguska-Ereignis“: Asteroiden-Einschlag hinterließ ein Schlachtfeld

Hinterlassen hat der mögliche Asteroiden-Einschlag - bis heute ist es nicht vollständig geklärt, worum es sich tatsächlich handelte - ein Schlachtfeld: 60 Millionen Bäume auf einem Gebiet von mehr als 2000 Quadratkilometern wurden umgeknickt, die Druckwelle konnte man noch in mehr als 500 Kilometern Entfernung spüren.

Seit 2016 ist der 30. Juni der „International Asteroid Day“, ein von der UN anerkannter Aktionstag, der unter anderem öffentliche Aufmerksamkeit auf die Gefahr von Asteroiden-Einschlägen lenken soll. Der 30. Juni wurde nicht zufällig gewählt: Es ist der Tag des „Tunguska-Ereignisses“.

„Meteor von Tscheljabinsk“: Erdnaher Asteroid schlug in Russland ein

Auf der Erde gibt es zahlreiche Krater, die zeigen, mit welcher Wucht Asteroiden die Erde in ihrer langen Geschichte getroffen haben. Der letzte Asteroid, dessen Auswirkungen man auf der Erde konkret gespürt hat, datiert auf den 15. Februar 2013. Damals ist der so genannte „Meteor von Tscheljabinsk“, bei dem es sich vermutlich um einen erdnahen Asteroiden handelte, in die Erdatmosphäre über der Stadt Tscheljabinsk im russischen Ural eingetreten.

Der Himmelskörper ist dabei zerbrochen - was eine Druckwelle verursachte, die vor allem Fensterscheiben bersten ließ. Dabei verletzten sich etwa 1500 Menschen, etwa 3700 Gebäude wurden beschädigt. „Es war ein Meteoreinschlag, der gewaltigste seit dem Tunguska-Ereignis 1908“, erklärte Nasa-Mitarbeiter Bill Cooke bereits 2013. Seit dem Meteor von Tscheljabinsk werden erdnahe Objekte wesentlich ernster genommen, erklärte Nasa-Chef Jim Bridenstine bei einer Fachtagung vor einiger Zeit. „Diese Ereignisse sind nicht selten, es passiert wirklich“, so Bridenstine.

Erdnahe Objekte und Asteroiden - Gefahren aus dem All

Doch was ist eigentlich ein Asteroid, wann wird er für die Erde gefährlich und wie kann man sich vor diesen Himmelskörpern schützen? Asteroiden sind kleine Himmelskörper, die sich um die Sonne bewegen. Sie haben - im Gegensatz zu Zwergplaneten und Planeten - in der Regel keine runde Form, sondern sind eher unförmige Himmelskörper.

Kommen Himmelskörper der Sonne bis auf unter 1,3 astronomische Einheiten (etwa 194 Millionen Kilometer) nahe, werden sie als so genannte „erdnahe Objekte“ (near-earth objects, NEO) klassifiziert. Kreuzt die Umlaufbahn eines Himmelskörpers die Umlaufbahn der Erde und hat der Himmelskörper gleichzeitig einen Durchmesser von mehr als 140 Metern, wird er als „möglicherweise gefährliches Objekt“ (potentially hazardous object, PHO), klassifiziert. Die meisten erdnahen Objekte und PHOs sind Asteroiden. Zu den möglicherweise eines Tages für die Erde gefährlichen Objekten zählt der Asteroid „Apophis“*, benannt nach dem Gott des Chaos in der ägyptischen Mythologie.

Erdnahe Asteroiden werden gesucht und beobachtet

Täglich nähern sich Asteroiden der Erde und entfernen sich wieder von ihr. Das sieht man unter anderem auf einer Liste, die das Center for Near Earth Object Studies des Jet Propulsion Laboratory in den USA pflegt. Nach Angaben dieser Experten wurden bisher mehr als 27.000 erdnahe Asteroiden entdeckt (Stand: 27.6.2020), darunter sind mehr als 900 Asteroiden, die einen Durchmesser von mindestens einem Kilometer haben. Jede Woche werden etwa 30 neue Asteroiden entdeckt. Mehr als die Hälfte der so genannten NEOs hat nach Angaben der Nasa einen Durchmesser von mehr als 140 Metern.

Weil die Gefahr durch Asteroiden mittlerweile ernst genommen werden, gibt es zahlreiche Programme, die den Himmel automatisiert scannen, um Gefahren frühzeitig zu entdecken. Trotzdem entgeht immer wieder einmal ein Asteroid dieser Überwachung - beispielsweise der „Meteor von Tscheljabinsk“, der aus Richtung der Sonne kam und deshalb von den Teleskopen nicht gesehen wurde. Aber auch andere Asteroiden werden teilweise erst kurze Zeit bevor sie der Erde nahe kommen entdeckt. Trotzdem bleiben sie in der Regel weit genug vom blauen Planeten entfernt, um keine Gefahr darzustellen.

Asteroiden kommen der Erde nah - Kosmische Streifschüsse

Ein Beispiel: Der Asteroid „2019 OK“ wurde erst einen Tag, bevor er sich der Erde bis auf 65.000 Kilometer näherte, entdeckt. Die meisten Asteroiden bleiben außerhalb der Entfernung Erde-Mond, viele halten sogar mehr als eine Million Kilometer Abstand zur Erde. Das sind große Entfernungen, bei denen keine Gefahr droht - in kosmischen Dimensionen betrachtet sind die Dimensionen jedoch winzig.

Einige kosmische Entfernungen im Überblick:

  • Entfernung Erde - Mond: etwa 384.000 Kilometer
  • Entfernung Erde - Sonne: etwa 150 Millionen Kilometer
  • Entfernung Erde - Mars: etwa 230 Millionen Kilometer
  • Entfernung Erde - Proxima Centauri (nächster Stern): 4,24 Lichtjahre (etwa 9,46 Billionen Kilometer)

„Planetare Verteidigung“: Asteroiden-Einschlag kann für die Erde gefährlich werden

Mit dem Einschlag eines Himmelskörpers, der größer als 50 Meter ist, rechnen Experten der Nasa etwa alle hundert Jahre. Einschläge von größeren Objekten werden als wesentlich seltener eingeschätzt - hier geht es um Jahrhunderte oder gar Jahrtausende. Da man allerdings längst nicht alle Objekte kennt, die der Erde irgendwann gefährlich werden könnten, kann es jederzeit und ohne Vorwarnung zu einem Einschlag kommen.

Doch was tun, wenn ein Asteroid entdeckt wird, der die Erde akut bedroht? Experten arbeiten an Wegen der so genannten ��„planetaren Verteidigung“ . Im Jahr 2022 soll erstmals eine Mission ein planetares Verteidigungsszenario im Weltall testen: Die Doppel-Mission DART/Hera* ist eine Kooperation zwischen der US-Weltraumorganisation Nasa und ihrem europäischen Pendant Esa. 

Eine Raumsonde der Nasa soll 2022 auf dem kleinen Mond des Asteroiden (65803) Didymos einschlagen (DART). Aus diesem Manöver will man lernen, welche Auswirkungen der Aufprall auf die Umlaufbahn des Himmelskörpers hat.

Wissenschaft statt Hollywood-Film: Planetare Verteidigung

Drei Jahre später soll die Esa-Raumsonde „Hera“ an dem Asteroidensystem ankommen und die Auswirkungen des Einschlags vor Ort untersuchen. Konnte der Einschlag den kleinen Himmelskörper ablenken? Außerdem soll der Einschlagskrater einen Einblick in die innere Struktur des Asteroiden geben. Beide Missionsteile zusammengenommen sollen es in Zukunft möglich machen, planetare Verteidiungsstrategien besser zu planen.

Auch wenn es sich wie ein Hollywood-Film anhört, geht es doch um reale Wissenschaft. „Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen verstehen, dass es nicht um Hollywood geht“, erklärte der Chef der US-Raumfahrtorganisation Nasa, Jim Bridenstine vor einiger Zeit. „Es geht letztendlich darum, den einzigen Planeten zu schützen, von dem wir derzeit wissen, dass er Leben beherbergt: die Erde.“ (Von Tanja Banner) *fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare