Studie: So surft Deutschland

München - Wie viele Menschen in Deutschland surfen im Internet? Wie verteilt sich die Nutzung nach Bundesländern, Geschlechtern, Altersgruppen? Antworten gibt nun eine neue Studie.

Seit 2001 untersucht die Initiative D21, an der unter anderem Infratest, Chiphersteller Intel und das Bundeswirtschaftsministerium beteiligt sind, jedes Jahr diese Frage. Jetzt liegt die zehnte Ausgabe des „(N)Onliner-Atlas“ vor, der größten deutschen Studie zur Nutzung und Nichtnutzung des Internets. Wichtigstes Ergebnis: Durch Deutschland zieht sich immer noch ein „digitaler Graben“. Frauen, Ältere und Einkommensschwache sind deutlich seltener im Netz vertreten als Männer, Jüngere und gut Verdienende. Intel-Geschäftsführer Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, fordert: „Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Dienstleistungen und Produkte nur noch online erhältlich sind, müssen wir uns ganz besonders dafür einsetzen, dass jedem Mitglied unserer Gesellschaft, ob jung oder alt, die gleichen Möglichkeiten offen stehen.“ Hier die interessantesten Zahlen aus der Studie, für die deutschlandweit über 30 000 Interviews geführt wurden.

16,3% So groß ist der Anteil der Menschen in Deutschland, die sich nach wie vor nur per Modem oder ISDN im Schneckentempo durchs Netz klicken.

23,3% Von den über 70-Jährigen ist nach wie vor nicht einmal ein Viertel online. Bei den 60- bis 69-Jährigen, die das Internet oft noch beruflich kennenlernten, sind es dagegen immerhin noch 54,0 Prozent – und sie sind die am schnellsten wachsende Nutzergruppe. Erst im Alter um die 70 Jahre, so die Macher der Studie, kommt es dann zu zu einem sogenannten digitalen Bruch.

24,2% Knapp ein Viertel der Menschen in Deutschland sind nach wie vor überhaupt nicht im Internet, und beabsichtigen dies auch nicht in näherer Zunkunft – sie sind die sogenannten Offliner.

26,0% So gering ist der Anteil derer, die als „digital Souveräne“ bezeichnet werden können – Nutzer, die sich absolut sicher durchs Netz bewegen.

41,4 Das ist das Alter des durchschnittlichen Internetnutzers in Deutschland – das Netz ist alles andere als ein „Jugendmedium“. Der durchschnittliche „Offliner“, der nicht im Internet surft, ist 65,2 Jahre alt.

49,6% Wegen der schwachen Werte bei den über 70-Jährigen ist in der gesamten Altersgruppe über 50 mit 49,6 Prozent nicht einmal jeder Zweite online. Zum Vergleich: Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 95,8 Prozent, und bei den 30- bis 49-Jährigen immerhin noch 87,1 Prozent – einer der Gründe, warum der digitale Graben noch längst nicht überwunden ist.

49,6% So viele Prozent der Menschen surfen in Deutschland mit einem schnellen DSL- oder Kabelanschluss. Bei den Männern sind es sogar 61,6 Prozent – bei den Frauen dagegen satte 23 Prozent weniger.

64,8% So hoch ist der Anteil der Frauen in Deutschland, die das Internet nutzen – bei den Männern sind es dagegen 79,5 Prozent. Noch ein Beleg für den digitalen Graben. Dieser Abstand stieg zuletzt sogar noch weiter an. Nur bei den Schülerinnen und Schülern liegen die Mädchen vor den Jungs. Und am größten ist der Unterschied bei den Älteren: Von den Frauen über 70 surfen nur 14,4 Prozent im Netz, bei den Männern sind es immerhin bereits 36,6 Prozent.

72,0% 48,3 Millionen Menschen sind in Deutschland mittlerweile online – 72 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren und erneut ein Höchststand. Zu Beginn der Messungen 2001 waren es nur 37 Prozent – deshalb galt die D21-Untersuchung damals als Verweigereratlas. Seitdem stieg die Zahl aber jedes Jahr. Allein seit 2009 sind weitere zwei Millionen Menschen dazugekommen. Damit gingen 2,9 Prozent der Deutschen in den letzten zwölf Monaten erstmals online.

80,2% Mit diesem Anteil an Internet-Nutzern liegt Bremen in Deutschland ganz oben. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit nur 62,7 Prozent. Bayern liegt mit 72,0 Prozent im Mittelfeld und fiel um einen Platz auf Rang zehn zurück. Der Anteil der über 50-Jährigen im Netz ist in Bayern besonders gering. Mit 74,4 Prozent liegt der Online-Anteil in Oberbayern am höchsten, Schlusslicht ist Oberfranken mit 66,2 Prozent.

92,0% So hoch liegt der Anteil der Haushalte in Deutschland mit einem monatlichen Nettoeinkommen von über 3000 Euro, die im Internet surfen. Bei den Haushalten unter 1000 Euro sind es dagegen nur 51,5 Prozent – der digitale Graben verläuft auch zwischen Arm und Reich. Dafür spricht zudem diese Statistik: 85,8 Prozent der Berufstätigen sind im Internet – aber nur 55,8 Prozent der nicht Berufstätigen.

97,0% Mit diesem Wert sind die 14- bis 19-Jährigen in Deutschland beinahe komplett im Netz vertreten.

Rubriklistenbild: © dpa

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