Umsatz sinkt rapide – Alleskönner wie Smartphones drängen auf den Markt

MP3-Player sterben aus

Vom Aussterben des MP3-Players wollen Branchenverbände nichts wissen. Schließlich planen die Hersteller 2010 noch 400 Millionen Euro Umsatz zu machen. Tatsache ist, dass der Verkauf seit 2005 stark eingebrochen ist.

Von 8,4 Mio. auf zuletzt 3,1 Mio. Geräte im Jahr 2009. In diesem Jahr sollen nach Branchenschätzungen lediglich 2,2 Mio. MP3-Player über die Ladentheken gehen. Die Zukunft gehört mobilen Alleskönnern wie den Smartphones unter den Handys.

Die technische Evolution schreitet voran: Als der Walkman 1979 auf den Markt kam, sorgte er mindestens zwei Jahrzehnte lang für verstöpselte Ohren bei Jugendlichen. Weiterentwicklungen wie der Discman oder der MiniDisc-Player warenbereits nach zehn Jahren nur noch ein technisches Relikt in den Verkaufsregalen. Dem MP3-Player, der seit 1998 ganze Musikarchive ins Jogging-Format brachte, wird es nicht anders ergehen – auch wenn Branchenvertreter dem Totgeweihten noch etwas Zeit geben.

„Der Absatz des klassischen MP3-Players wird weiter sinken. MP3-Dateien kann ich inzwischen mit jedem Mobiltelefon abspielen. Aussterben wird die Technik sicher nicht“, sagt Michael Schidlack vom Branchenverband Bitkom. Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik gibt sich auch optimistisch. Es bestehe sicher weiterhin eine Nachfrage - auch wenn diese schrumpfe.

In Erklärungsnot kommen Schidlack und Stehle, wenn sie nach möglichen Kaufanreizen für einen MP3-Player gefragt werden. Denn neben den Handys machen Netbooks, Tablet-PCs, MP4-Player und vor allem Smartphones dem Audio-Abspielgerät Konkurrenz. Dabei sind sie klar im Vorteil: sie alle können weit mehr, als Musik wiedergeben.

Interessant für Ältere

Schidlack sieht die Chance für MP3 in der Schlichtheit der Technik. Sie sei günstig und für ältere Menschen leicht zu bedienen. Da der Preis für die neuere Technik erfahrungsgemäß sinkt und ältere Menschen sich modernen Medien zunehmend öffnen, wird der MP3-Player früher oder später zum Nischenprodukt. Von seinem Nachfolger, dem MP4-Player, wurde er beim Absatz längst überholt.

Allerdings scheint selbst der MP4-Player, der neben Musik auch Bilder und Videos verarbeiten kann, den Grad der Marktsättigung erreicht zu haben. Nach jeweils 3,6 Mio. verkauften Exemplaren in den Jahren 2008 und 2009 prognostizieren die Branchenverbände für 2010 erstmals einen leichten Rückgang.

Vor diesem Hintergrund stirbt der MP3-Player vielleicht nicht plötzlich aus – ganz unverhofft kommt sein Ende aber mit Sicherheit nicht.

Von Bastian Ludwig

Hintergrund: Mobile Fossile

Walkman: Start 1979 Erfinder: Sony-Firmengründer Akio Morita und der Deutsche Andreas Pavel behaupten beide, Vater der Erfindung zu sein. Lebenserwartung: 335 Mio. Mal verkauft bis 2004. Letzte Exemplare haben im Elektro-Fachhandel überlebt.

Discman: Start 1984 Unternehmen: Sony Lebenserwartung: Nur noch in Reservaten von Liebhabern hoher Tonqualität zu finden.

Minidisc-Player: Start 1992 Unternehmen: Sony Lebenserwartung: Faktisch tot. Er konnte sich nie durchsetzen. Produktion fast eingestellt.

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