Medienexperte: Computerspiele nicht fördern

+
Medienexperte Christian Pfeiffer fordert: Computerspiele sollen nicht mehr mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

München - Kein Geld aus öffentlichen Kassen für Computerspiele - das fordert der Medienexperte Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

“Ich sehe keine Motivation, denen Steuergelder hinterher zu werfen“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in München. “Ich halte überhaupt nichts davon, dass der Staat Gelder vergibt für eine Branche, die so im Geld schwimmt“, kritisierte Pfeiffer. “Wir brauchen mehr politische Gegenwehr gegen die Verherrlichung von Computerspielen.“

Eigentlich wüssten die meisten Eltern, dass Fernsehen und Videospiele für ihre Kinder schädlich seien, die Spieleindustrie schaffe es aber dennoch “Nebelkerzen“ zu werfen. “Es ist die Macht der Industrie, die sich massiv auswirkt.“

Lesen Sie dazu:

Fast 60.000 Euro Förderung für "Bernd das Brot"-Spiel

Der FilmFernsehFonds (FFF) Bayern fördert beispielsweise auf Initiative der bayerischen Staatsregierung fünf unterschiedliche Computerspiele, die als kulturell und pädagogisch wertvoll betrachtet werden. Auch die Bundesregierung fördert nach Angaben Pfeiffers diese Art von Spielen. Das sei im Kampf für die Aufklärung über die Gefahr von Computerspielen nicht gerade hilfreich.

Geld lieber in andere Projekte investieren

Das Geld solle lieber in andere Projekte investiert werden, betonte der Kriminologe, der seit Jahren die Auswirkungen des Medienkonsums auf Kinder und Jugendliche erforscht. “Was wir stattdessen brauchen, sind Musik- oder Bewegungsprojekte an Schulen.“

Gerade für Jungen seien diese Angebote wichtig. “Jungen sind seit Jahrtausenden auf die Rolle des Kämpfers festgelegt“, erläuterte Pfeiffer. Das könnten sie heute kaum ausleben. “Es gibt ein Überangebot an kämpferischer Männlichkeit, die sich heute nicht mehr wirklich wohl fühlt. Die Jungen langweilen sich.“

Weil es keine Angebote gebe, flüchteten sich Viele in die Welt der Videospiele, in denen sie den Drang zu kämpfen ausleben können. Jungen seien darum viel anfälliger für eine Spielsucht als Mädchen, sagte Pfeiffer, der seit Jahren fordert: “Spielkonsolen und Fernseher müssen raus aus dem Kinderzimmer!“

Fernsehen und Computer wirken sich auf Schule aus

Wer zu viel Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer verbringe, sacke in der Schule automatisch ab. Das sei auch ein Grund dafür, dass Jungen zunehmend zu den Verlierern des Bildungssystems gehören. Wer seine Zeit lieber vor dem Bildschirm als mit Freunden oder der Familie verbringe, könne keine soziale Kompetenz entwickeln.

Neben Video- und Computerspielen, die man kaufen kann, machen Pfeiffer zunehmend kostenlose Internet-Spiele Sorgen. “Wir sehen mit Sorge den Markt der Online-Spiele. Das alles ist Abzocke geworden im Millionengeschäft um die Summe der kleinen Beträge.“ Die Spiele sind kostenlose, die Spieler können aber zusätzliche Funktionen kaufen - das habe verheerende Folgen.

Für das Spiel “Metin 2“ gäben ehrgeizige Spieler - auch Kinder - 2000, 4000 oder sogar bis zu 6000 Euro aus, sagte Pfeiffer, der eine verpflichtende Abgabe für die Macher von Computerspielen fordert: “Jeder Hersteller sollte aufgefordert werden, für jedes verkaufte Spiel zehn Cent abzugeben - dann hätten wir endlich Geld für die Erforschung der Gefahren und für Aufklärung.“

Gespräch: Britta Schultejans, dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare