L.A. Noire: Krimi-Hammer oder Schmalspur-Schnüffler?

Los Angeles - Kaum ein Spiel wurde in den vergangenen Monaten derart gehypt, wie das Detektiv-Game "L.A. Noire". Ist es wirklich der erwartete Krimi-Hammer geworden?

Da wir in unserer Überheblichkeit einfach mal voraussetzen, dass nur wenige Videogamer von heute noch etwas mit dem Begriff "Film noir" anfangen können, sei hier kurz erklärt: Diese US-Kriminalfilme, die vor allem in den 1940er und 1950er Jahren entstanden, sind vor allem eines: Düster, und zwar richtig! Die Regisseure der Crime-Streifen verbreiten durchweg ein pessimistisches, fast schon trostloses Bild vom Menschen. Die Szenen sind möglichst dunkel gefilmt und in dicke Schatten getaucht. Strahlende Helden gibt es nicht mehr: Die Hauptdarsteller sind in der Regel illusionslose und verbitterte Charaktere.

Aus diesen Zutaten des klassischen, düsteren Hollywood-Krimis hat Rockstar Games nun L.A. Noire gezaubert. Die Handlung spielt - wie der Name bereits verrät - im Los Angeles des Jahres 1947. Vorne rum glänzende Filmmetropole. Hinter der Glitzer-Fassade tut sich ein dreckiger Abgrund auf, in dem Verbrechen, Gewalt, Prostitution und Drogen wuchern.

So viel zu Düsterkeit und Pessimismus. Fehlt noch der verbitterte Held. Und der heißt Cole Phelps. Der sowohl ausgezeichnete als auch traumtisierte Veteran des Zweiten Weltkriegs ist anno 1947 frisch gebackener Detective beim Los Angeles Police Department (LAPD).

Phelps beginnt seine Karriere als einfacher Streifenpolizist. Aufgrund glänzender Leistungen wird er schnell zum Detective befördert und durchläuft im Laufe des Spieles die Dezernate Verkehr, Mord, Sitte und Brandermittlung. Nach und nach stößt er auf eine Verschwörung, die die ganze Stadt in ihrem Mark erschüttern könnte. In der Rolle von Phelps müssen Spieler in zunehmend drastischeren Fällen ermitteln, die von echten Verbrechen aus der damaligen Zeit inspiriert sind – dazu zählt beispielsweise der niemals aufgeklärte Black Dahlia-Mord, bei dem eine junge Frau verstümmelt wurde.

Screenshots aus L.A. Noire

Screenshots aus L.A. Noire

Diese Kriminalfälle stehen anstelle konventioneller Missionen oder Levels. Wie der Spieler die Fälle löst, bleibt ihm vorbehalten. Gefragt sind immer Kombinationsgabe und eine Spürnase. Zu Beginn einer Mission gilt es zunächst, am Tatort aufzuschlagen und dort jeder nur erdenklichen Spur nachzugehen. Bei einem Mord sieht das wie folgt aus: Im Rasen wird eine nackte, tote Frau gefunden. Deren Körper ist mit Lippenstift beschmiert. Am Finger fehlt der Erordeten Schmuck. Nahe des Tatorts findet man ein Feuerzeug, das sich bei näherem Hinsehen als Werbegeschenk eines Nachtclubs darstellt. Also fahren wir dort hin. Mal sehen, ob der Besitzer des Clubs die Tote kannte.

Neben der Standard‐Handfeuerwaffe der Polizei ist Phelps auch immer mit seinem Notizbuch bewaffnet. Dieses ist eines der wichtigsten Hilfsmittel beim Spielen von L.A. Noire. Jedes Mal, wenn man einen Hinweis findet, oder von einer neuen, wichtigen Person erfährt, wird sie automatisch mit neuen Orten, Details zum aktuellen Fall und vielem mehr in das Notizbuch aufgenommen.

Screenshots zu L.A. Noire

Screenshots zu L.A. Noire

Verhöre sind ein wesentlicher Bestandteil von L.A. Noire. Während einer Befragung oder einem Verhör kann der Spieler auswählen, wie er sich gegenüber einer verdächtigen Person verhält, um an Informationen zu kommen. Die Entscheidung, wann man einem Zeugen glauben kann, wann ein Informant ausgequetscht werden muss und oder wann ein neues Beweisstück auf den Tisch gelegt wird, um einen Verdächtigen unter Druck zu setzen, kann darüber bestimmen, ob ein Fall gelöst wird oder nicht.

Jede Entscheidung des Spielers bei einem Verhör kann einen neuen Hinweis ergeben: Sei es ein Name, ein Ort, oder ein neues Beweisstück. Es gibt aber noch ein paar andere Dinge, die es beim Verlauf eines Verhörs zu berücksichtigen gilt. Was ist mit der Körpersprache und dem Gesichtsausdruck der verdächtigen Person? Was verrät sie unbewusst? Was ist mit Schwankungen in der Stimme? Versucht sie auszuweichen oder mitzuhelfen?

In L.A. Noire kommt MotionScan zum Einsatz, eine bahnbrechende Technologie, die jede Nuance der Mimik echter Schauspieler erfasst. Dadurch werden unvergleichlich lebensechte Charaktere möglich, wie es sie noch nie in einem Videospiel zu sehen gab. Aus der Kunst der Vernehmung entsteht so eine ganze neue Art von Gameplay.

Straßenverbrechen

Wie es der Polizeidienst mit sich bringt, wird man immer wieder per Funk um Hilfe gebeten. Dann heißt es: Sirene an, Gas geben und ab zum Tatort. Die Nebenmissionen, genannt "Straßenverbrechen" sind reine Action-Sequenzen. Mal gilt es, Bankräuber im Feuergefecht nierzustrecken. Ein anderes Mal muss man einen flüchtigen Dieb über ein Gerüst jagen und schließlich in einem Boxkampf besiegen. Oder man bekommt es mit einem Geiselnehmer zu tun. Dann heißt es: Zielen und den Bewaffneten - aber bloß nicht die Geisel - mit einem gezielten Schuss erledigen. Großes Lob an Rockstar Games: Jedes Straßenverbrechen erzählt eine eigene kleine Geschichte.

Fazit:

Der Hype, der monatelang um dieses Spiel gemacht wurde, weckte viele Hoffnungen. Und die wurden absolut erfüllt: Noch nie gab es auf einer Konsole ein derart starkes Krimi-Spiel. Die düstere und beklemmende Atmosphäre der Noir-Krimis wurde wunderbar umgesetzt. Die Spurensuche am Tatort und die Zeugen-Befragungen wecken in jedem Spieler den inneren Raymond Chandler. Die Action-Sequenzen sorgen für die regelmäßigen Kicks zwischendurch. L.A. Noire ist ein absolutes Sucht-Spiel geworden! 

Genre: Abenteuer/Action

Hersteller: Rockstar Games

Für: PlayStation 3 und Xbox 360

Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

fro

Rubriklistenbild: © Rockstar Games

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