Falscher Anwalt zockt Internet-Surfer ab

München - Seit Wochen bekommen viele tausend Internet-Nutzer eine seltsame E-Mail, die ihnen zunächst Angst und Schrecken einjagt. Was dahintersteckt und wie User reagieren sollten.

Absender ist eine angebliche Anwaltskanzlei Olaf Kaltbrenner. Und im Betreff heißt es gleich: „Ermittlungsverfahren gg. Sie“. Im Stil eines Anwaltschreibens zeigt der Betrüger die Vertretung der Firma Sony Music an und verlangt ein Bußgeld für den illegalen Download von Musik. Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern zur tz: „Leider kein Einzelfall. Seit einigen Monaten kursieren solche Schreiben, teilweise sogar unter dem Namen von echten Abmahnkanzleien.“

Im jüngsten Fall spekulieren die Gauner auf das schlechte Gewissen von Online-Nutzern, die möglicherweise illegale Musik auf ihren Rechner geladen haben. Der angebliche Anwalt Kaltbrenner verweist auf eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Mannheim, gibt ein fiktives Aktenzeichen und eine vermeintliche Zugangsadresse des Rechners an. Dann behauptet er, der Empfänger des Schreibens hätte insgesamt 48 Musikstücke aus dem Netz geladen oder ins Netz gestellt.

Dann macht der falsche Anwalt ein Angebot: Um weitere Ermittlungen, Hausdurchsuchungen und Gerichtstermine zu vermeiden, könne der Tatverdächtige einen Schadenersatz von 100 Euro leisten. Zahlbar über zwei selten verwendete Online-Verfahren.

Verbraucherschützerin Halm: „Die Post kann getrost ignoriert und gelöscht werden. Es handelt sich um Fälschungen“. Die Juristin zur tz: „In der Mail fehlen wichtige Angaben, die ein echter Anwalt nennen würde, wie Adresse, Fax, Telefon- und Steuernummer.“ Zwei Probleme gibt es aber: „Echte Abmahnungen per Internet sind möglich, wenn alle Formalien erfüllt sind“, sagt Halm. Und: Derzeit lässt die Musik- und Filmindustrie tatsächlich in großem Stil wegen illegaler Downloads abmahnen. „Solche Schreiben müssen ernst genommen werden“, warnt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. Im konkreten Fall hat Sony damit nichts zu tun. Sony-Music-Sprecher Sebastian Hornik zur tz: „Das Ganze ist ein Betrugsfall. Es wurde bereits Anzeige gegen den Versender erstattet.“

Karl-Heinz Dix

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