Wir erklären die Antriebstechniken

Zahl der neuen E-Autos steigt nur sehr langsam

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Berlin - Die Bundesregierung bleibt bei ihrem Ziel, bis 2020 eine Million Elektro-Autos auf deutsche Straßen zu bringen – obwohl bisher nur einige tausend Stromer zugelassen sind.

In den vergangenen Jahren sei viel erreicht worden, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gestern bei einer Konferenz zur Elektromobilität in Berlin. Wenn es aber erst in der Breite ein Angebot gebe, werde die Nachfrage auch steigen, hofft der Minister. Statt Skepsis sei „Begeisterung“ notwendig, fordert Ramsauer. Doch ist die Zukunft überhaupt elektrisch? „Ja“, meint der Auto- Experte Prof. Stefan Bratzel von der privaten Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Er erklärt die unterschiedlichen Antriebstechniken:

Das klassische Elektro-Auto

Die Politik feiert den Stromer gerne als Null- Emissions-Fahrzeug. „Das gilt allerdings nur lokal“, so Bratschel. Wie ökologisch so ein Auto tatsächlich ist, hängt nämlich davon ab, mit welchem Strom es betankt wird. „Wenn der zu 100 Prozent aus einem Kohlekraftwerk kommt, dann ist das Drei-Liter-Benzin-Auto imZweifelsogarökologischer“, erklärt Bratzel. Dank der Angst vor der geringen Reichweite sind reine Elektroautos derzeit ohnehin nur als Zweitwagen vorstellbar. Der klassische Kunde ist der besserverdienende Zweit- und Drittwagenbesitzer. „Und der braucht zusätzlich noch eine Garage mit Stromanschluss“, gibt Bratzel zu bedenken. Die sei aber gerade in den Großstädten, wo Elektroautos am sinnvollsten eingesetzt werden könnten, eher rar. Die zweite Hemmschwelle ist der Preis, da die Batterie immer noch sehr teuer ist.

Voll-Hybrid-Motoren

Sie mischen den Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor – können allerdings nicht an der Steckdose aufgeladen werden. „Wenn die Batterie leer ist, setzt der Verbrennungsmotor ein und die Batterie wird neu geladen. etwa beim Bremsen.

Plug-In-Hybrid

„Der Plug-in- HybridisteineKombinationvon Elektromotor und Verbrennungsmotor“, erklärt Bratzel. Der Vorteil gegenüber dem klassischen Hybrid-Fahrzeug: Der Autofahrer kann den Elektromotor mit dem Stecker aufladen – deshalb auch Plug-in (dt.: einstöpseln). „Dadurch kann man kurze Strecken von – je nach Typ – 30 bis 60 Kilometern rein elektrisch zurücklegen“, weiß Bratzel. Der Professor billigt dieser Technik große Chancen zu: „Hier haben wir es mit einer sehr wichtigen Übergangstechnologie zu tun“, findet Bratzel. Dem Plug-in-Hybriden billigt der Experte einen großen Vorteil zu: „Das große Thema beim Elektroauto ist immer wieder die Angst vor der geringen Reichweite. Dieser Angst können solche Fahrzeuge ein Stück weit entgegenwirken.“ Denn so können die Autofahrer einüben, dass Elektromobilität auch Spaß macht. „Und im Zweifel merken sie vielleicht sogar, dass sie in der Regel gar nicht so weit fahren – also keine so große Reichweite benötigen“, hofft Bratzel. Im Gegensatz zum reinen Elektroauto können die Plug-in-Hybriden auch ein Erstfahrzeug sein. Außerdem sind die Fahrzeuge günstiger als reine Elektro-Autos, weil die Batterie kleiner sein kann.

Range-Extender

BeimRange- Extender handelt es sich ebenfalls um eine Art Hybrid. „Hier wird der Verbrennungsmotor allerdings nur zum Laden der Batterie genutzt – quasi als Generator“, erklärt Bratzel. „Man fährt im Grundsatz also immer elektrisch, nach vielleicht 60 Kilometern geht dann aber der Verbrennungsmotor an“. Ein Beispiel für diese Technik ist der Opel Ampera. Range-Extender- Fahrzeuge können ebenfalls unabhängig vom Verbrennungsmotor auch an der Steckdose aufgeladen werden.

Das tun die deutschen Hersteller

Bisher dominieren japanische und französische Hersteller den kleinen Markt der Elektroautos. Doch die deutschen Hersteller wollen nachziehen – allen voran BMW:

BMW: Kein anderer deutscher Hersteller setzt so konsequent auf das reine Elektroauto. Bei der Jahreshauptversammlung vor zwei Wochen warnte BMW-Chef Norbert Reithofer die Deutschen vor einer übertriebenen Skepsis gegenüber Elektrofahrzeugen; „Wenn es darum geht, grundlegende Veränderungen einzuleiten, dann wird hierzulande erst einmal lang und ängstlich diskutiert.“ Reithofer verspricht den hasenfüßigen Deutschen eine Revolution: BMW bringt noch in diesem Jahr mit dem i3 sein erstes Elektroauto auf den Markt und setzt große Hoffnungen in die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte. „Jede Branche braucht einen, der voran geht.“

Audi: Mit dem A3 etron setzen die Ingolstädter auf die Plug-In-Hybridtechnik. Ein Einstieg ins Elektrozeitalter – doch rein elektrisch kommt der Wagen nur 50 Kilometer weit. Dafür bieten der Elektro- und Benzinmoter gemeinsam immerhin stolze 204 PS. Die rein elektrisch fahrenden Varianten des A1 und A2 haben die Ingolstädter wieder aus dem Programm genommen – die Plug-in- Technologie hat bei der VW-Tochter absoluten Vorrang.

Daimler:Mit dem smart fortwo electric drive waren die Stuttgarter als Erste mit einem Serienmodell am Markt. Anfang kommenden Jahres soll dann die B-Klasse folgen – allerdings erst mal in den USA. Mercedes-Chef Dieter Zetsche glaubt allerdings an die Zukunft der mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzelle – diese entwickelt Daimler in einer Allianz mit Renault/ Nissan und Ford weiter.

VW: Über eine Milliarde investiert VW in alternative Antriebe. Im Sommer kommt die Elektroversion des Kleinstwagens Up, der Golf soll folgen. Beim Plug-in-Hybrid geht Audi innerhalb des VWKonzerns voran, doch auch hier soll der Golf nachziehen.

 MK

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