Abenteuer Spritsparen

Kampfansage an Hybrid: Golf TDI Blue Motion

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Die Kampfansage an Hybrid: der VW Golf TDI Blue Motion

Der sparsamste Golf aller Zeiten soll er sein, dieser TDi Blue Motion. Ja, ja! 15 Prozent Verbrauch weniger als sein Vorgänger, ein echtes Drei-Liter-Auto. Ist schon recht.

Wir winken innerlich ab, denn wie die Normverbräuche ermittelt werden, das kennen wir ja! Aber bitte. Man soll ja nicht stur sein. Machen wir doch die Probe aufs Exempel.

Gut, die Temperaturen sind mit knapp 18 Grad perfekt für geringen Verbrauch, die Klimaanlage kann man auch ausschalten. Das bringt schon mal was. Und auch das Testgelände ist fern jeder bundesdeutschen Realität, die niederrheinische Tiefebene, die Lüneburger Heide und das friesische Tiefland mal ausgenommen.

Gar nicht langweilig: Das Cockpit des Golf TDI Blue Motion

Wir sind hier in Holland und nehmen skeptisch Platz im neuen Golf TDI Blue Motion. 3,2 Liter soll der Diesel verbrauchen. Ha! Am Anfang der Fahrt würden wir wetten: Das wird so um die 5 Liter unter realistischen Testbedingungen. Fast hätten wir das ganze Eigenheim eingesetzt. Aber einmal die Woche Lottozettel ausfüllen ist Glücksspiel genug.

Und los geht das Abenteuer Spritsparen. Die Verbrauchsanzeige lässig ausgeschaltet, geht es los im zügigen Tempo durch die Niederlande. Ziehen tut er ja gut, der Schluckspecht, dem man angeblich das Schlucken abgewöhnt hat mit diversen Tricks. Besserer cw-Wert (0,27) dank einer um 15 Millimeter tiefer gelegten Karosserie, Dachkantenspoiler, spezielle Unterbodenverkleidungen, um nur einige zu nennen.

Abenteuer Spritsparen

Dann wurde natürlich der neue 1,6-Liter-Turbodiesel – immerhin mit 110 PS so viel wie übrigens der Ur-GTI hatte – ­getrimmt: Ein Drehmoment von 250 Nm, das kontinuierlich von 1500 bis 3000 Umdrehungen pro Minute arbeitet, sorgt für niedrige Drehzahlen, Reibungsreduktion bei Kolbenringen und Wälzlagern an der Nockenwelle. Abgasrückführung und ein speziell überarbeitetes Schaltgetriebe mit Leichtlauföl sollen das Ihre dazu beitragen.

Erster Eindruck: Wir fahren wirklich nicht sparsam! Schön von unten heraus beschleunigen, ein Langweiler ist der Motor jedenfalls nicht. Trotzdem gehen wir vorsichtig mit dem Gasfuß um, denn schließlich hofft man ja innerlich, dass es endlich mal klappt mit einem alltagstauglichen Drei-Liter-Auto. Es geht über Landstraßen mit Tempo 100, durch 30er-Zonen mit aufdringlich vielen Kreiseln, an denen das Auto wieder Geschwindigkeit verliert, dann wieder raus aus dem Ort, runterschalten, um den dicken Mäh­laster zu überholen. So geht das 50 Kilometer lang, und langsam wird es Zeit, sein Vorurteil bestätigen zu lassen. Her mit der Verbrauchsanzeige. Doch hier wartet eine faustdicke Überraschung: 3,8 Liter Verbrauch, Donnerwetter! Gut, Stop-and-go-Verkehr war jetzt zwar nicht dabei, aber 3,8 Liter, das hätten wir doch nicht gedacht. Die letzten Kilometer fahren wir mit permanenter Verbrauchsanzeige. Ganz im Spritsparfieber. Der Kampf um die 3 vor dem Komma hat begonnen. Geringe Drehzahlen, auskuppeln, gleiten, nur leicht, dafür aber kontinuierlich beschleunigen. Aber man merkt schon ziemlich schnell: Recht viel weniger ist nicht mehr drin, auch wenn man den Motor mit dem höchsten Gang auf Stottern herunter bettelt: 3,9 – 4,0 – 3,9 – 3,8! Geschafft. Um ein Vorurteil weniger stellen wir den Blue-­Motion-Golf wieder ab.

Fazit

Die theoretische Reichweite von 1500 Kilometern werden wir nicht schaffen mit dem 50-Liter-Tank. Aber 1300 sind ja auch schon eine Hausnummer. Und das Ganze auch noch zu einem Basispreis von 22 175 Euro. Eine echte Kampfansage an die Hybrid-Fraktion.

RDF

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