Fahrbericht

Der neue VW Caddy im Test: Das perfekte Familientaxi & Camper-Auto

Lastesel, Familientaxi und Campervan in einem – der Allrounder von VW, der Caddy, kommt ganz neu auf den Markt. Dabei ist er alles andere als ein Nutzfahrzeug. Unter dem Blechkleid steckt der neue Golf 8.

  • Mit modernen Motoren und Digitaltechnik geht der Caddy in die fünfte Generation.
  • In der Maxi-Version passen jetzt zwei Euro-Paletten in den Kastenwagen hinein.
  • In der California-Edition hat der Caddy jetzt sogar eine kleine Küche an Bord.

Dieser VW Caddy ist der Cadillac* des kleinen Mannes. Seit 1978 wird er gebaut, über drei Millionen Mal hat er sich schon verkauft. Ein Auto für Handwerker und Lieferanten. Eine flotte Kiste mit bis zu sieben Sitzen für Familien. Ein Outdoor-Kumpel für Stand-Up-Paddle, Motorrad und Campen. Der neue Caddy ist jedoch noch mehr. Weil er auf der gleichen technischen Plattform gebaut wird wie der aktuelle Golf 8, ist er zwar ein Nutzfahrzeug mit großem Nutzen, aber kein reines Nutzfahrzeug mehr, das hinter der technischen Entwicklung hinterherhinkt, sondern je nach Geldbeutel alle technischen Finessen und digitalen Features bekommt, die auch im Golf erhältlich sind.

Der neue VW Caddy: Assistenten aus dem Regal für Luxusautos

Wer im neuen Caddy sitzt, hat nicht das Gefühl in einem Nutzfahrzeug zu sein. Cockpit- und Infotainmentsystem sind auf Wunsch voll digital.

Das fängt beim Cockpit an, das es von analog bis voll digital gibt. Innovision heißt es bei Volkswagen und lässt sich in drei Varianten darstellen. Traditionell mit Rundinstrumenten, aber auch wie im Raumschiff mit spaciger Instrumentierung. Der Infotainment-Screen wächst auf eine Größe von 10,25 Zoll und auch bei den digitalen Assistenten greift Volkswagen ganz oben ins Regal, wo normalerweise die feinen Dinge für die Luxusautos liegen. Mit dem Travel-Assist kann man autonom fahren, der Trailer-Assist macht das Einparken mit einem Anhänger zum Kinderspiel und auch beim Ausparken greift der Computer unter die Armen. Kann ja sein, dass man gerade seine Brotzeitsemmel verspeist und nur eine Hand zur Verfügung hat. Daran sieht man: Dieser Caddy ist dieses Mal ein echter Golf-Caddy.

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Deutsche lieben den zivilen Kastenwagen

Fünf Generationen, 40 Jahre, über drei Millionen Mal verkauft. Der VW Caddy ist der Golf unter den Transportern.

In Deutschland ist der Kastenwagen vor allem als Pkw beliebt. Das heißt, hier hat das Auto hinten Fenster und kann mit bis zu sieben Sitzen bestuhlt werden. 55 von 100 verkauften Modellen gehen quasi für „zivile“ Zwecke über den Verkaufstresen. In Europa ist der Kastenwagen ohne Fenster für Handwerker und Lieferanten weitaus beliebter. 60 Prozent kaufen den Lastesel, nur 40 Prozent das Familienshuttle. Letztere Kunden dürfen sich über die Neuauflage besonders freuen. Denn der Caddy wird noch viel größer.

Beim Maxi passen zwei Euro-Paletten rein

Drei auf einen Streich. Kastenwagen, Pkw und Kombi. Ob Handwerker, Familientaxi oder Freizeitmobil. Der Caddy will alles in einem sein.

Das trifft vor allem auf die Maxi-Variante zu. Hier wächst die Spurbreite, damit zwischen die Radkästen nun auch eine Euro-Palette Platz findet. 123 Zentimeter stehen hier zur Verfügung, da kann die Euro-Palette gerne ein paar Millimeter größer ausfallen als sonst. Aber auch von der Seite kriegt man mittlerweile so ein Teil (die weltweit meistverbreitete Größe liegt bei 120 x 80 cm) hinein. Denn auch die Schiebetüren-Breite ist im Caddy Maxi auf stattliche 85 Zentimeter gewachsen. Das sind Maße, die ein Gesamtvolumen von 3,7 Kubikmetern ermöglichen. Ein Traum für jeden Lademeister.

In die Maxi-Version des Caddy Cargo passen sowohl seitlich als auch hinten Euro-Paletten mit der Dimension 120 x 80 Zentimeter rein.

In der Pkw-Version (kleiner Radstand) sind es immerhin noch 2,6 Kubikmeter oder 700 Kilogramm Nutzlast (beim Cargo sind es 780 kg). Genug Platz, um auch für ein größeres Gartenfest ausreichend Kisten Bier und Getränke unterzubringen oder die Schnäppchentage im örtlichen Möbel-Discounter weidlich auszunützen.

Funktional, aber bequem. Die Sitze im Caddy sind langstreckentauglich und mit Armlehne ausgestattet.

Kaum mehr Stickoxide durch Twin-Dosing

Bei den Motoren greift die Nutzfahrzeug-Abteilung auf das moderne Antriebs-Portfolio zu, das auch im Golf 8 seine Dienste leistet. Die Diesel-Triebwerke sind samt und sonders mit dem sogenannten Twin-Dosing-Verfahren ausgestattet, das heißt in gleich zwei Katalysatoren werden die Abgase durch die Einspritzung von Harnsäure vom Stickoxid befreit, sodass der Ausstoß weit unter den vorgeschriebenen Grenzwerten bleibt. Das Leistungsspektrum reicht bei den 2,0 Liter großen Selbstzündern von 75 bis zu 122 PS. Erst in der stärksten Variante kann man auch Allradantrieb haben, allerdings nur mit Handschaltung. Das Doppelkupplungsgetriebe gibt es nur mit Front-Schub, alle anderen Motor-Varianten kommen mit 6-Gang-Handschalter daher und treiben ebenfalls von vorne an. 

Die Heckleuchten des neuen Caddy sind das vielleicht schönste Designmerkmal. Ihre spezielle Konstruktion hat zum neuen Best-cw-Wert von 0,3 beigetragen.

Achtung Binsenweisheit: Der Diesel ist sparsam

Wer einen Benziner will – hier bekommt man nur das 1,5 TSI-Triebwerk mit 114 PS, wahlweise mit Handschalter oder Automatik. Und wer wirklich mit Gas Gas geben will, kann sich den 1,5 TGI mit 130 PS kaufen. Später wird auch ein Hybrid-Antrieb nachgeliefert.

Sparsam sind die Diesel allemal. Im ersten Test kommen wir mit dem 75-PS-Aggregat mit knapp 5,4 Litern im Stadtverkehr aus. Das 122-PS-Triebwerk mit seinen 320 Nm Drehmoment erwies sich als kleiner Schluckspecht. 7,5 Liter vermeldete der Bord-Computer nach flotter Überlandfahrt mit längeren Autobahnpassagen und Spitzengeschwindigkeiten bis zu 180 km/h. 

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Und das sind die Kritikpunkte am Caddy

Hier zeigt sich auch die Schwäche des neuen Caddys. Trotz eines in diesem Segment führenden cw-Wertes von 0,30 gibt der hohe Aufbau die Windgeräusche nahezu ungefiltert weiter. Vor allem ab Tempo 130 wird es laut in der Kabine. Und auch der Dieselmotor ist kein Leisetreter. Bei geringen Drehzahlen rattert es ordentlich in der Kiste, bei höheren Drehzahlen sägt er laut und damit auch an den Nerven. Aber vielleicht soll damit die Herkunft des Autos von den Nutzfahrzeugen noch mal deutlich unterstrichen werden.

Bye-Bye Blattfedern – jetzt wird’s komfortabel

Deutlich gewonnen hat das Fahrwerk. Zwar gibt es keine Mehrlenker-Hinterachse wie im Golf, aber durch ein paar technische Kniffe reagiert das Fahrwerk ähnlich stabil und agil. Das merkt man auch beim Fahren. Hier ist man nicht in einem Transporter unterwegs, sondern mehr in einer Limousine. Die Wank-Kräfte sind erstaunlich gezähmt, sogar das Cargo-Modell fährt sich angenehm komfortabel. Auch dank der neuen Federung. Hier heißt es Bye-Bye Blattfedern. Zum ersten Mal kommen Schraubenfeder zum Einsatz. 

Geld sparen mit der Camping-Variante

Campingfreude verspricht der Caddy California. Schon ab Werk wird das Auto so ausgestattet, dass es kostengünstig als Campervan zugelassen werden kann.

Zum ersten Mal gibt es den Caddy ab Werk auch als kostengünstigen Campervan. Dazu hat man einfach eine kleine Bordküche mit fest installierter Gasflasche eingebaut. Schon sinken Steuern und Versicherung – und damit fängt die große Freiheit schon im kleinen Caddy an.

Und die Küche ist auch schon mit drin. Ab Werk wird der Caddy California mit dieser Küchenzeile ausgestattet.

Analog zu den T-Modellen heißt diese Variante jetzt auch California und ersetzt das Modell Beach. Ordentlich Platz hat man im Bett. Es ist ausklappbar und mit Tellerfedern ausgerüstet. Es misst knapp zwei Meter in der Länge und ist 1,07 Meter breit. Platz genug für zwei Personen, die es gerne kuschelig haben. Im Gegensatz zum Vorgänger ist die zweite Sitzreihe nicht mehr ein Bestandteil der Bett-Konstruktion, sodass die Sitze vor der Fahrt mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden können, um mehr Stauraum im Auto zu haben.

Das Bett im Caddy California ist im Nu aufgebaut und wieder eingeklappt. Es ist so bequem wie im größeren T6 California.

Für eine Gulaschsuppe reicht es allemal

Die Bordküche ist im Heck an der linken Laderaumwand eingebaut und besteht aus zwei Zügen. Im oberen Schubfach befindet sich ein einflammiger Gaskocher inklusive Windschott und Ablage. Im zweiten Auszug kann man sein Besteck unterbringen, außerdem gibt es Stauraum für weitere Küchengerätschaften. In der Mini-Küche hat man Stehhöhe und ist sogar von oben gegen Regen geschützt. Durch die geöffnete Heckklappe. Ein Mehrgänge-Menü wird man hier mit einer einzigen Flamme nicht kochen können, aber ein saftiges Gulaschsüppchen ist auf alle Fälle drin. 

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Sternenhimmel im Panorama-Dach

Neben Bett und Küche sind die Themen Verdunkelung und Lüftung in einem Camper sehr wichtig. Zu hell, zu wenig Luft – da macht diese Art von Urlaub nur wenig Spaß. Auch hier hat Volkswagen eine clevere Lösung. Belüftungsöffnungen mit integrierten Fliegengittern werden beim Übernachten einfach in die Fensterrahmen von Fahrer- und Beifahrertür gehängt.

Das Verdunkelungssystem besteht aus Stoffgardinen, die mit eingenähten Magneten befestigt werden. Und bei den hinteren Fenstern übernehmen dort aufgehängte Stautaschen diese Funktion. Simpel und clever. Wer den Sternenhimmel sehen will, sollte sich das Panoramadach bestellen. Mit 1,4 Quadratmetern ist es das Größte im Fahrzeugsegment. Da passt fast die ganze Milchstraße rein.

Bei der Maxi-Version des Caddys passt sogar ein Stand-Up-Paddle-Board hinten rein.

Unser Fazit zum neuen Caddy

Mit der Technik des neuen Golfs im Kreuz macht der neue VW Caddy einen Quantensprung. Wer weniger wert auf Optik legt (schön ist auch der neue Caddy nicht, eher auffällig unauffällig), bekommt hier einen günstigen Allrounder für Arbeit, Spaß, Spiel und Spannung. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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