Fahrbericht

Typisch französische Diva! Schön, aber schwierig: Der DS3 Crossback im Test

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Der DS3 Crossback ist ein Auto für Individualisten.

Mit dem DS3 Crossback bringt die Citroen-Tochter ihr zweites Modell. Eine eigenwillige aber luxuriöse Schönheit für Preise ab 23.500 Euro.

Schon bei der Bedienbarkeit spielen wir das berühmte Spiel "Such den Knopf". Das fängt beim Starter an, der aber immerhin noch sichtbar in der Mitte des Armaturenbretts platziert ist und hört beim Verstellhebel für die Seitenspiegel auf, den wir erst nach längerer Zeit, links unter der Konsole finden.

Auf halber Strecke in etwa da, wo man sonst die Motorhaube öffnet. Wer Lust hat dieses Spiel fortzusetzen, der sollte ohne Konsultation der Bedienungsanleitung versuchen, den Kofferraum zu öffnen. Ein kleiner Tipp: Der Knopf ist ganz weit unten, dort wo das Nummernschild ist. Bei trockenem Wetter kein Problem, aber wehe es ist feucht.

DS3 Crossback: Ein rundum gelungenes Design

Vorerst genug gemotzt. Mit einer einzigen Ausnahme. Die sogenannte Haifischflosse, einer nach oben gezogenen Karosserie-Ausbuchtung in den hinteren Fahrzeugtüren erinnert an das verunglückte Design des i3. Sie ist scheußlich – und irgendwie sieht es so aus, als ob man dann doch weniger Anleihen bei der berühmten Diva DS19 genommen, sondern sich das hässliche Entlein Ami 6 als Vorbild genommen hat.

Ansonsten kann man die Designer sowohl innen als auch außen eine mehr als gelungene Arbeit attestieren. Oh la la! Der DS3 Crossback ist extravagant und zählt sicherlich zur Avantgarde, nicht nur im B-Segment, in dem das Auto platziert ist.

Gelungenes Innenraumdesign im DS3 Crossback.

Schön sind zum Beispiel die versenkbaren Chrom-Türgriffe, die erst ausfahren, wenn man sich dem Auto nähert. Und mit feiner Eleganz geht es im Innenraum weiter. Wählen kann man insgesamt zwischen fünf Varianten – benannt nach Pariser Stadtteilen wie Montmartre oder Bastille.

Ein besonders feines Ambiente bietet Rivoli: Das Armaturenbrett umhüllt von weißem Leder im typischen DS-Diamant-Look erinnert eher an die Auslage eines Juweliergeschäfts. Oder die handgemachten Perlenstickereien. Das ist schon à la bonne heure, wie man in Frankreich sagt. Nicht passend dazu ist allerdings das hässliche Hartplastik, das im unteren Teil der Türverkleidungen eingebaut ist. Oben hui, unten pfui.

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Understatement kennt der DS3 Crossback nicht

Schick ist der DS3 allerdings von außen. Da findet sich auf dem Markt weit und breit nichts, das es mit diesem expressiven Design aufnehmen könnte. Understatement gibt es hier nicht, die Formensprache ist ausladend und elegant gleichzeitig. Ein strammes Heck wie die Hinterpartie von Kim Kardashian zum Beispiel. Von vorne wirkt der DS3 mit seinem mächtigen Kühlergrill wie eine große Limousine, die Chromspangen sorgen wiederum für feine Haut Couture.

Der DS3 Crossback kommt mit richtig strammen Heck auf die Straße.

Gelungen ist auch die Fahrzeugdämmung. Hier hat man wiederum keine Kosten gescheut, um eine Ruhezone wie in einer Sänfte zu schaffen. Schaumstoffsitze und extra dicke Scheiben lassen Straßengeräusche draußen, nur das aufmüpfige Brummen des Benziners dringt ins Innere des Autos.

Bis zu 150 PS bietet der DS3 Crossback

Apropos: Drei dieser Aggregate sind beim Marktstart schon im Einsatz. Mit 100, 130 und 150 PS. Wobei sich der DS3 mit 130 PS bereits souverän und agil fahren lässt. Der Unterschied zum nächstgrößeren Motor ist vielleicht messbar aber kaum spürbar. Zusammen mit der 8-Gang-Automatik harmoniert der Antrieb perfekt: komfortabel in der Stadt, lauffreudig beim Sprint übers Land. Später im Jahr wird es auch zwei Diesel-Triebwerke geben mit 100 und 130 PS. Klar, dass alle Motoren die strengen Abgasnormen erfüllen.

Das braucht der E-Tense nicht, den es Ende des Jahres zu kaufen gibt. Das E-Auto wird eine Reichweite von 320 Kilometern haben, ist mit einer 100 kW-Motor mit 136 PS (260 Nm Drehmoment) und einer 50 kWh-Batterie ausgestattet. Am Schnelllader soll der Energiespeicher in einer halben Stunde wieder zu 80 Prozent voll sein. An einer Wallbox zu Hause in spätestens acht Stunden

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Vorne komfortabel, hinten eng – so sitzt man im DS3 Crossback

Wer um die 1,80 Meter groß ist, muss den Vordermann schon bitten, den Sitz nach vorne zu schieben. Lange hält man das nicht aus, zumal die Sicht durch die Haifischflosse auch noch sehr begrenzt ist.

Dafür erschließt sich beim Probesitzen hinten vielleicht der tiefere Sinn dieser Beule. Hier wurden geschickt die Mitteltöner der leistungsstarken Focal-Anlage (555 Watt, 12 Lautsprecher) untergebracht. Ob man jetzt tatsächlich die Karosserie nach den Wünschen der Akustiker gebaut hat, das lassen wir lieber mal dahingestellt.

Privates Carsharing: Der DS3 Crossback macht es möglich

Bei den elektronischen Assistenten, von denen es viele gibt (vom selbständigen Einparken bis hin zum intelligenten Fernlicht) haben die Techniker einen feinen aber kleinen Leckerbissen eingebaut, der einen Michelin-Stern verdient hat: Über eine App kann man das Auto nicht nur öffnen und starten, sondern den elektronischen Fahrzeugschlüssel sogar an fünf weitere Zeitgenossen weiterreichen. Privates Carsharing sozusagen.

Zum Start gibt es den DS3 Crossback mit drei Motorvarianten. Ein Elektro-Motor kommt Ende 2019.

So viel kostet der DS3 Crossback

Noch was zu Kofferraum und Preisen: Mit mageren 350 Litern Gepäckraum und einer hohen Ladekante muss man leben, wenn die Sitze hinten nicht umgeklappt sind. Sonst stehen 1.050 Liter zur Verfügung. Starten wird der DS3 Crossback preislich bei 23.490 Euro, schaut man zum oberen Ende, landet man bei knapp unter 40.000 Euro. Dafür aber bekommt man ein kleines Juwel von der Ausstattung her.

Fazit: Der DS3 Crossback ist ein Auto für Individualisten. Ins Gelände muss man nicht mit ihm, er hat zwar die nötige Bodenfreiheit, aber keinen Allradantrieb. Gedacht ist der eigenwillige Franzose mit dem expressiven Design für das Großstadtpublikum, für das Pärchen, das am Wochenende zu den Seen rausfährt. Kinder passen rein, kein Problem, aber ob der Kofferraum für mehr als ein Wochenende reicht?

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Rudolf Bögel

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