Testfahrt mit der vierten Generation des erfolgreichen Autos

Der neue Skoda Fabia: Ein Kleinwagen zeigt Größe

Skoda Fabia innen Panoramadach
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Großzügig ist das Raumangebot im neuen Skoda Fabia - nicht nur wegen des stattlichen Panoramadachs.

Fast so groß wie ein Golf, aber nur halb so teuer. Ist der neue Skoda Fabia eine Alternative zum Kompaktklassiker? Der Test verrät es.

  • Der Skoda Fabia kommt schon in der vierten Generation auf den Markt
  • Mit einem Basispreis von 13.990 Euro ist er für einen Neuwagen günstig
  • Leider hat er eine einzige Macke, die den Notenschnitt ziemlich verhagelt

Ein Bengel wird erwachsen. Der Fabia, einst der freche Kleine im Laufstall der Skoda-Familie, mausert sich zum Golf-Jäger. Die Pubertät hat zwei Jahrzehnte, drei Generationen oder knapp fünf Millionen verkaufter Exemplare gedauert. Aber jetzt erst, da der kleine Tscheche auf dem Modularen Querbaukasten des VW-Konzerns fußt, durfte er so richtig wachsen.

Phönix Orange - mit dieser Farbe leuchtet der neue Fabia wie ein kräftiger Sonnenuntergang.

Außen- und Innenmaße fast wie ein Golf

Gewachsen ist er in der Breite und in der Länge. Der Fabia streckt sich bis auf 4,11 Meter, das ist länger als ein Polo*, zum Golf fehlen nur noch 17 Zentimeter. Beim Radstand, der ja letztendlich die Platzverhältnisse im Passagierraum definiert, hat der Golf nur noch einen Vorsprung von sieben Zentimetern, und was den Kofferraum angeht: Da hat der Skoda mit einem Plus von 50 Litern auf 380 Liter zugelegt und hat damit zum Golf aufgeschlossen. Nur dass der Wolfsburger mit einem Grundpreis von rund 27.000 Euro fast das Doppelte vom Basis-Fabia (13.990 Euro) kostet.

Edles Design im Kleinwagen. Als Akzentfarbe setzt Skoda ein feines Kupfergold ein.

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Voll digital – wie ein echter Volkswagen

Die Nähe zum Volkswagen-Konzern springt einem förmlich in die Augen, wenn man Platz genommen hat. Denn der große wie immer auf der Mittelkonsole thronende Bildschirm, über den sich das ganze Infotainment des Autos regeln lässt, ist 1:1 VW. Gut für Menschen, die sich in das Wolfsburger System schon mal eingearbeitet haben: Sie finden sich sofort zurecht. Das dürfte auch Otto-Normalverbraucher gelingen. Denn die Menüführung ist wirklich bestechend einfach. Die Kachelstruktur erinnert an die Oberfläche eines Handys und ist genauso leicht zu bedienen. Im Gegensatz zur digitalen Instrumentierung hinter dem Lenkrad. Bis man dort das Layout gefunden hat, das einem gefällt und die wichtigen Angaben natürlich ganz individuell auf dem Bildschirm zusammengestellt hat, das dauert seine Zeit. So manch einer sehnt sich nach einem analogen Cockpit zurück, wo alles seinen festen Platz in den dazugehörigen Rundinstrumenten hatte.

50 Liter mehr Platz und damit soviel wie im VW Golf bietet die neue Generation des Skoda Fabia.

Wagenfarbe wie ein Sonnenuntergang

Der Testwagen kam etwas auffällig daher. In Phönix Orange – da sieht man förmlich den Sonnenuntergang über der Wüste von Arizona. Das Farbthema haben die Designer sehr schick im Innenraum fortgesetzt. Kupfergold ist zum Beispiel die Spange die sich quer über das Cockpit zieht und sogar in den Luftdüsen zu sehen ist. Die Farbe findet sich immer wieder in den Kanten oder in den Innentüren, sogar die Türgriffe schimmern gülden. Apropos: Die sind beim Fabia wirklich eine Schau. Aber von wegen Griff, das ist schon mehr ein Bierhenkel nur filigraner. Damit lassen sich die Türen ganz leicht öffnen und aussehen tun sie auch noch gut. Vergleichbares haben wir nur selten gesehen – etwa im 718er-Porsche.

Neu sind zwei kleine clevere und vor allem praktische Details. Ein Stift-und ein Cliphalter für Parktickets oder EC-Karte.

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Simply clever: Im Fabia gibt es 46 kleine feine Features

Das Ambiente ist nicht nur schick, sondern auch praktisch. Wie immer gibt es bei Skoda die Simply-Clever-Lösungen für alle möglichen Aufgabenstellungen. Hinreichend bekannt ist ja der Eiskratzer in der Tankklappe oder der Regenschirm im Türrahmen. So etwas bekommt man sonst nur im Rolls Royce oder im Bentley. Neu dazugekommen sind Befestigungsclip in der Mittelkonsole für Kredit- und EC-Karte oder für den Parkschein. Und ein flexibles Band hält jeden Stift sicher fest, damit der nicht beim nächsten Bremsvorgang zum unbekannten Flugobjekt im Fond wird. Insgesamt 46 dieser feinen kleinen Lösungen haben die Skoda-Techniker im neuen Fabia gezählt – in keinem anderen Fahrzeug der Tschechen gibt es mehr.

Schirm im Türrahmen. So etwas kennt man normalerweise nur von Rolls Royce und Bentley.

Fünf Motoren, aber nur ein Vierzylinder

Neues Design, mehr Platz, mehr elektrische Assistenten (der Fabia lässt sich jetzt auch teilautonom fahren) – nur bei den Motoren hat sich relativ wenig geändert. Entweder man nimmt den behäbigen 1-Liter-Sauger mit wahlweise 65 oder 80 PS, oder steigt gleich auf die Turbo-Triebwerke mit wahlweise 95 oder 110 PS um. Alle vier Aggregate sind Dreizylinder – und klingen auch so. Was heißt klingen, das ist mehr ein hektisches Rasseln. Mit 110 Pferdstärken müsste eigentlich ein ordentlicher Abzug hinzukriegen sein. Leider Fehlanzeige. Wer beim 1,0 TSI mit Automatik-Getriebe auf das Gaspedal drückt, der muss sich für einen viel zu langen Moment in Geduld hüllten, bis der Motor Luft geholt hat und die Pferdchen endlich losgaloppieren.

Platz für Vier ist im neuen Skoda Fabia keine leere Versprechung. Tassenhalter gibt es in der Mittelkonsole.

Da geht es nicht nur um fehlendes Temperament

Hier hat Skoda noch erheblichen Nachbesserungsbedarf, denn es geht ja nicht nur um mangelndes Temperament beim Fahren, eine schnell ansprechende Beschleunigung hat auch etwas mit Sicherheit zu tun. Beim Überholen zum Beispiel. Auch wenn die halbe Autowelt vom Downsizing spricht, so richtig überzeugend ist der Dreizylinder nicht. Zumal sich auch die Verbräuche nicht überzeugend nach unten entwickeln. Bei unseren Testfahrten lagen wir im Schnitt bei über sieben Litern.

Ein Türgriff, praktisch wie ein Bierhenkel, nur viel schöner. Damit hat man die Tür immer im Griff.

So lautet unser Fazit zum neuen Skoda Fabia

Wären wir in der Schule, würden wir für Platzangebot, Design und die Simply-Clever-Lösungen jeweils eine 1 herausrücken. Beim Antrieb gäbe es einen glatten Vierer. Das Preis-Leistungsverhältnis landet leider nur bei befriedigend. Denn so toll der Einstiegspreis mit 13.990 Euro auch ist, so wenig Auto bekommt man dafür. Dass der Motor nur 48 kW leistet – geschenkt! Dass man aber nur eine Farbe wählen kann (nämlich blau), das ist ein wenig kleinlich. Trotzdem landen wir bei einem Zweier in der Gesamtnote. Rudolf Bögel

  • Technische Daten Skoda Fabia Ambition 1,0 TSI
  • Motor: 1,0-Liter Turbo-Benziner, Dreizylinder
  • Hubraum: 999 ccm
  • Leistung: 85 kW/ 110 PS
  • Drehmoment: 200 Nm von 2.000 – 3.000 U/min
  • Antrieb: 7-Gang-Automatikgetriebe, Front
  • 0-100 km/h: 9,6 Sekunden 
  • Spitze: 205 km/h
  • Normverbrauch: 4,6 l/100 km
  • CO2-Emission: 105 g/km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,11 / 1,78 / 1,46 Meter
  • Kofferraum: 380 – 1190 l
  • Leergewicht / Zul: 1187 kg / 405
  • Anhängelast (gebr.) 1.100 kg
  • Preis: Grundmodell ab 13.990 Euro
  • Testwagen ab 22.340 Euro

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