Fahrbericht

Porsche Cayenne Coupé: Unterwegs mit dem Herausforderer

+
Das Porsche Cayenne Coupé ist nicht so protzig wie der BMW X6 und nicht so pompös wie das Mercedes GLE Coupé.

Das Porsche Cayenne Coupé will den Premium-SUV-Markt noch mal aufmischen. Und die Dominanz von BMW und Mercedes brechen. Wie gut ist der neue Porsche? Wir sind ihn schon gefahren.

Mit dem Cayenne Coupé zählt Porsche freilich nicht zu den ersten, die dieses Segment entdeckt haben. Die Ehre gebührt den Kollegen von den Bayerischen Motorenwerken, die mit dem X6 schon anno 2008 große Aufmerksamkeit bei den einschlägigen Gas- und Erdöl-Oligarchen von Moskau bis Doha erregt haben. Dann schickte Mercedes sein GLE Coupé ins Rennen. Zuletzt wollte man auch in Ingolstadt ein Stück vom Kuchen abhaben mit dem Q8. Und wenn man so will, darf man auch den Lamborghini Urus zur Konkurrenz zählen. Das Urviech aus Sant'Agata Bolognese mit seinen 650 Pferdestärken.

Porsche Cayenne Coupé: Ordentlich Power zur Auswahl

Mit dem kann sich aus der neuen Cayenne-Coupé-Familie am ehesten der Turbo messen, der es knapp unter 4 Sekunden von Tempo 0 auf 100 Stundenkilometer schafft, der Urus benötigt dazu nur 3,6 Sekunden. Damit gleich zur Gretchenfrage: Wie viel Power braucht man im Cayenne Coupé wirklich? Im Angebot sind im Augenblick der aufgeladene Dreiliter-Sechszylinder. Einmal mit 340 PS und 6,0 Sekunden von 0 auf 100 (Preis ab 83.711 Euro). Und alternativ dazu mit 440 PS und 5 Sekunden von auf 100 (Preis ab 99.657 Euro).

Mit beiden Varianten ist man schon recht ordentlich unterwegs. Weniger PS dürften es aber nicht sein, schließlich wiegt der Cayenne 2,1 Tonnen und ist damit kein Federgewicht. Auch wenn einem - die wie immer feine - Fahrdynamik von Porsche das zumindest vermittelt. Denn das Cayenne Coupé ist auch dank Hinterachslenkung und elektronischer Wankstabilisierung ein leichtfüßiger Kurvenräuber. Agil, flott und exakt. Aber zurück zu den Motoren.

Wer sich das Porsche Cayenne Coupé anschaffen will, hat die Wahl zwischen 340 und 550 PS.

Fahrbericht: Der beste Porsche aller Zeiten? Wir haben den neuen 911er getestet.

Wer gerne Muskeln zeigt und auch über ein entsprechendes Bankkonto verfügt, dem sei die Turbo-Variante (ab 146.662 Euro) empfohlen. 550 PS aus einem V8-Benziner und ein Drehmoment von 770 NM: Das ist schon eine Ansage und fühlt sich, auch wenn diese Motorisierung ein wenig aus der Zeit gefallen ist - wirklich saugut an. Dabei kommt es gar nicht drauf an, alle 550 Pferdestärken andauernd auf die Koppel zu schicken. Meistens genügt schon das Wissen, dass sie im Stall stehen.

Zeitgemäßer als der Turbo wäre ein Fahrzeug mit Hybrid-Antrieb. Auch das wird nachgereicht. Noch in diesem Jahr. Bekannt dürfte das System ja bereits aus dem herkömmlichen Cayenne sein. Dort bringt die Kombination aus V6-Verbrenner und E-Motor eine Leistung von 462 PS mit einem Drehmoment von 700 Nm. Und ist damit schon fast schon auf Augenhöhe mit dem Turbo.

4,7 Sekunden vergehen allerdings von 0 auf Tempo 100

. Immerhin wiegt das Hybridfahrzeug auch wegen der aufwändigeren Technik dann doch schon knapp 2,4 Tonnen.

Genug Platz im Porsche Cayenne Coupé

Leichtigkeit herrscht hingegen im Innenraum. Im neuen Cayenne Coupé ist man dem Himmel einfach ein Stück näher. Nicht weil die schiere Power zwangsläufig zu einem entsprechend halsbrecherischen Fahrstil führt, sondern weil dieses Auto schon in der Serienversion mit einem 2,16 Quadratmeter großen Festglasdach ausgestattet ist. Es geht übergangslos in die Frontscheibe über und gibt fast einen Quadratmeter Himmel frei. Dadurch entsteht ein großzügiges Raumgefühl, das man dem Coupe von außen nie zugetraut hätte.

Für genug Sonne im Inneren des Porsche Cayenne Coupé soll das große Festglasdach sorgen.

Apropos Raum: Obwohl die Dachlinie im Vergleich zum normalen Cayenne um 20 Millimeter flacher verläuft und relativ steil abfällt (im Marketing-Fachchinesisch spricht man von "dramatisch"), haben Fondspassagiere ordentlich Platz. Dazu haben die Konstrukteure die hintere Sitzreihe einfach um drei Zentimeter tiefer gelegt. Verzichtet wurde dafür auf eine Längsverstellung der Sitze, was aber sowieso kaum jemand vermissen dürfte. Die kecke Dachlinie kostet aber auch im Kofferraum Platz. 150 Liter sind es weniger als beim herkömmlichen Cayenne. Und damit zwischen rund 600 und 1.500 Litern.

Fahrbericht: Beliebter als der 911er - Der neue Porsche Macan im Test.

Beim Sound ist Porsche wie immer Weltmeister. Mindestens. 

Denn keiner kriegt die Geräuschkulisse so kernig und trotzdem so unaufdringlich hin wie die Stuttgarter. Da ist dieses sanfte Bollern in den unteren Lastbereichen, das sich analog zum Drehzahlmesser über ein leichtes Sägen hin zu einem satten Trompetensound entwickelt.

Dirigiert wird der fast schon orchestrale Sound sanft mit Gaspedal oder, wer kreativer sein will, mit den Schaltwippen. Wem die Philharmonie zu langweilig ist, der sollte zum Cayenne Coupé Turbo greifen. Dann steht Rammstein auf der Bühne.

So viel verbraucht das Porsche Cayenne Coupé

Echt Hardrock ist auch der Verbrauch. Bei der Testfahrt mit dem Cayenne S Coupé sollten wir kombiniert knapp 9,5 Liter Superbenzin brauchen. Bei flotter Fahrt über Passstraßen soff unser SUV jedoch schon fast das Doppelte: 18 Liter zeigte das Instrument an. Was aber logisch ist: Gewicht und Leistung bestimmen den Verbrauch.

Bei flotter Fahrt lag der Verbrauch des Porsche Cayenne Coupé bei rund 18 Litern.

So in etwa ist es auch mit den Sonderausstattungen. Je mehr, desto teurer. Obwohl das Cayenne Coupé schon von Haus aus recht gut bestückt ist - der Himmel ist preislich auch hier das Limit. Unser Testfahrzeug kostete beispielsweise schon 150.713,93 Euro. Neben Kleinigkeiten wie Bose-Sound-Anlage (1.350 Euro) oder Soft-Close-Türen (702 Euro) schlagen hier ganz andere Extras zu Buche. Das Leichtbau-Sportpaket mit 22-Zoll-Rädern zum Beispiel kostet schon 13.200 Euro oder die Keramik-Bremsen mit den gelben Sätteln: Macht nochmal knapp 9.000 Euro.

Unser Fazit zum Porsche Cayenne Coupé

Auch wenn Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt: Mit dem Cayenne Coupé ist den Porsche-Designern ein großer Wurf gelungen. Es ist bei weitem nicht so protzig wie der X6 und auch nicht so pompös wie das GLE Coupé. Beim Fahren hat man mehr das Gefühl in einem 911er zu sitzen also in einem fetten SUV. Auch das ist ein Kunststück. Oder vielmehr ein Stück feiner deutscher Ingenieurskunst.

Fahrbericht: Nachts auf der Rennstrecke - Der Porsche Panamera GTS im Härtetest.

Rudolf Bögel

Auf diese Autos können Sie sich 2019 freuen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare