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Opel Rocks-e: So einfach fährt es sich mit dem Elektro-Flitzer

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Von: Rudolf Bögel

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Opel Rocks-e Silhouette Frankfurt
Stylisch, lässig, cool. Bei der Probefahrt durch Bankfurt Frankfurt war der Opel Rocks-e der große Star. © Christian Bitmmann / Opel

Der Opel Rocks-e ist ein Elektro-Flitzer für zwei und soll die urbane Mobilität revolutionieren. Wir haben das getestet. Erfahren Sie hier mehr über Fahreigenschaften, Design und den Preis.

So etwas hat sogar das Bankenviertel in Frankfurt noch nicht gesehen. Und so kommen die Passanten aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn dieses Auto aufkreuzt. Dabei ist der Opel Rocks-e streng genommen gar kein Auto. Sondern ein Leichtkraftfahrzeug. Also ein Mofa auf vier Rädern. Eines, das man schon ab dem Alter von 15 Jahren fahren darf, den Besitz des AM-Führerscheins vorausgesetzt. Warum der kleine knuffige Rocker von Opel so auffällt, liegt an seinem Design. Mit seinen verschlafenen Scheinwerferaugen blickt dieser Zweisitzer verführerisch schnuckelig in die Welt, sein Blechkleid ist vorne und hinten gleich. Mit dem Rocks-e ist es wie mit einem Baby. Kindchen-Schema. Fast jeder muss grinsen, ein Wunder, dass den Passanten beim Anblick des neuesten Opel-Produkts nicht ein Duzi-Duzi entfährt. Lesen Sie zudem hier weitere Fahrberichte.

Opel Rocks-e Armaturenbrett
Ein Cockpit, wie es übersichtlicher nicht sein könnte. Im Rocks-e gibt es nur einen digitalen Tacho und eine Handy-Halterung. © Opel

Auf die Autobahn darf der Opel Rocks-e nicht

Mit dem Rocks-e betritt Opel technisch und vom Marketing her Neuland. Das Leichtkraftfahrzeug mit dem Elektromotor* und der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 45 km/h (Autobahn nicht erlaubt) soll eine völlig neue Zielgruppe erschließen. Da sind einmal die 15- bis 18-Jährigen, die mit dem Rocks-e einen fahrbaren Untersatz bekommen, der im Gegensatz zu Mofa und Moped zwei trockene Plätze bietet und auch für mehr Sicherheit steht. Der City-Stromer dürfte aber auch für Pendler interessant sein, die einen nicht allzu langen Arbeitsweg haben und umweltfreundlich unterwegs sein wollen. Mit seiner 5,5 kWh großen Batterie packt die fahrende Konservenbüchse mit dem knuffigen Design bis zu 75 Kilometer. Das reicht nicht nur für den innerstädtischen Verkehr, damit kann man sogar Gebiete in den Speckgürteln erreichen.

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Opel Rocks-e Passant Handy Foto
Der Social-Media-Star bin ich. Mit dem Opel Rocks-e löst man die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Von Mitleid bis Anerkennung. © Christian Bitmmann / Opel

Stauraum für eine volle Ladung Pizza

Aber auch kleinere Firmen zählen zur potenziellen Kundschaft: Warum viel Geld für die Mitarbeiter-Flotte ausgeben, wenn man für einen Rocks-e nur knapp 8.000 Euro hinblättern muss? Platz genug bietet der Rocks-e für zwei Leute, oder man nimmt ihn als Lieferfahrzeug her. Opel denkt da an Kuriere oder auch an die zahlreichen Lieferdienste wie Lieferando, Wolt und Co., die gerade um die hungrige Kundschaft in den Großstädten buhlen. Auf Beifahrersitz oder im Stauraum davor (63 Liter) passt locker die Ladung eines halben Pizzaofens. Und einen Stellplatz findet man mit dem halben Auto immer. Notfalls parkt man quer oder von vorne ein, das ist zwar verboten, in den meisten Städten wird es jedoch großzügig geduldet.

Opel Rocks-e Beifahrertür geöffnet
Die Türen fallen im Opel Rocks-e blechern ins Schloß. Geöffnet werden sie mit gelben Schlaufen. Minimalismus pur. © Christian Bitmmann / Opel

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Sum, sum – mehr Lärm macht der Rocks-e nicht

Eine Fahrzeugtypen-Bezeichnung hat der Rocks-e auch. SUM nennt ihn der Hersteller. Das Akronym bedeutet Sustainable Urban Mobility. Also nachhaltige großstädtische Mobilität – und so steht ein SUM im krassen Gegensatz zum SUV, dem natürlichen Feind der Umweltschützer. Sum Sum – mehr macht der Rocks-e auch beim Fahren nicht. Als Elektroauto fährt er fast lautlos durch die Stadt. Zumindest außen. Innen drin hört man das E-Aggregat kaum. Dafür aber fast alles andere. Es rumpelt und rappelt in der Kiste. Kein Wunder, um eine solchen Kaufpreis hinzubekommen, da ist Sparen angesagt. Da gibt es keine Dämmung und auch keine Verkleidung im Innenraum. Schwarz glänzt der metallene Karosseriekäfig, wulstig präsentieren sich die Schweißnaben. Ein ungewöhnlicher Anblick, aber irgendwie cool. So schön industriell.

Opel Rocks-e Fenster geöffnet
Ein Cabrio gibt es nicht , aber wer die beiden Fenster halb öffnet, der hat genügend Luftzug für ein feines Open-Air-Feeling. © Christian Bitmmann / Opel

Statt an Türgriffen zieht man an Stoffschlaufen

Überhaupt ist das ganze Innenleben karg. Lenkrad und Blinker gibt es zwar, aber Letzterer muss von Hand zurückgestellt werden nach dem Abbiegen. Automatisch geht hier nichts. Die Handbremse ist nicht elektrisch, der klobige Hebel erinnert an die ersten Fahrzeuge, die man nach dem Führerscheinerwerb so gefahren hat. Infotainment? Fehlanzeige. Stattdessen prangt in der Mitte des Cockpits einen Handy-Halterung. Reicht ja auch, die meisten fahren wegen seiner zuverlässigen Verkehrseinschätzung sowieso mit Google. Auch Türgriffe finden sich nicht im Rocks-e, man zieht einfach an den Stoffschlaufen. Sesam-öffne-Dich, ganz spartanisch. Bei den Türen gibt es ebenfalls eine Besonderheit. Die auf der Fahrerseite öffnet sich nach hinten, auf der Beifahrerseite geht sie vorne auf, also ganz normal. Bei aller Beschränktheit wirkt das Innenleben des Opels trotzdem großzügig. Das liegt am riesigen Panoramadach, durch das die Frankfurter Türme noch beeindruckender wirken, wenn man so durch die Straßenschluchten flitzt.

Opel Rocks-e hinten
Auch von hinten sieht der kleine Elektrofeger von Opel knuffig aus. Schicker als sein Konzernbruder der Ami von Citroen. © Christian Bitmmann / Opel

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Mit einem Doppelbett auf der Autobahn

Eigenwillig ist das Feeling schon. Schließlich ist man gerade mal mit einem Doppelbett auf vier Rädern unterwegs. Knapp 1,40 Meter breit, dafür 2,40 Meter lang – da fühlt man sich selbst auf einer enge City-Straße wie auf einer achtspurigen Autobahn. Irgendwie auch ein wenig verloren. So richtig ernst genommen wird man im Verkehr deshalb auch nicht. Wobei sich der ein oder andere wundert, wie schnell der Rocks-e, der mit dem Citroen Ami baugleich ist aber ein ganz anderes Design hat, an der Ampel durchstartet. Ist halt ein Elektromotor, der in der Spitze zwölf Pferdestärken auf die Straße bringt. Auf den ersten Metern versetzt man damit sogar die dicken Autos mit dem Stern. Von 0 auf, nein nicht auf 100, sondern auf 45 km/h geht es in circa zehn Sekunden. Damit gewinnt man keinen Grand-Prix, aber vom Gefühl her ist man wie in einer Rennsemmel unterwegs. Unschlagbar ist jedoch der Wendkreis. Wem die Zahl 7,20 Meter nichts sagt: Das ist so, als ob man auf einem Bierdeckel wendet. Gefühlt. Wir haben es auf einem Parkplatz ausprobiert. Der Rocks-e saust so flott um die Kurve – wer will da noch Karussell fahren auf dem Rummel?

Opel Rocks-e Innenraum
Platz für zwei und Gepäck passt auch noch rein. Der Opel Rocks-e ist so gesehen zumindest ein halbes Auto. © Christian Bitmmann / Opel

So günstig wie ein E-Roller, halb so teuer wie ein e-Corsa

Aufgeladen wird der Rocks-e, der in einem Stellantis-Werk (Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroen, Opel) in Marokko produziert wird, mit Haushaltstrom. Also mit 220 Volt. Das dauert dann rund 3,5 Stunden, Auch an einer Wallbox oder an einer öffentlichen Ladesäule geht es mit dem mitgelieferten Adapter nicht schneller. Das Kabel ist fest eingebaut auf der Beifahrerseite und wird durch eine Öffnung in der Tür nach außen geführt. Dass der kleine Rocker aus Rüsselsheim 75 Kilometer weit kommt, glauben wir nach der Testfahrt sofort. Das ist realistisch, vor allem im Stadtverkehr, weil das nur 471 Kilogramm schwere Fahrzeug ja beim Bremsen Strom zurückgewinnt. Der Verbrauch hält sich in Grenzen – bei den derzeitigen Strompreisen kostet die 100-Kilometer-Strecke konkurrenzlose zwei Euro. Apropos Preis: Knapp 8.000 Euro verlangt Opel in der Basisversion für den zweisitzen Elektro-Rocker. Wer will, kann noch mal 800 Euro drauflegen, dafür gibt es dann die vor allem optisch herausstechenden Varianten „Tekno“ oder „Club“. Mit diesem Preis liegt Opel in der Nähe eines herkömmlichen Elektro-Rollers wie die Elektro-Vespa oder die e-Schwalbe und kostet etwa die Hälfte eines Elektro-Corsas. 8.000 Euro sind aber trotzdem ziemlich happig.

Datenblatt Opel Rocks-e

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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