Fahrbericht

Nissan Juke im Fahrtest: Viel Design und ein paar Minuspunkte

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Augenbrauen aus Licht. Der Juke hat in der zweiten Generation zwar sein punkiges Äußeres reduziert, aber man fällt immer noch mit diesem Nissan auf.

Außen ein echter Franzose, innen ein waschechter Japaner. Der Nissan Juke rollt in der zweiten Generation über die Straßen. Fährt sich die Jukebox immer noch so gut? Der Fahrbericht.

  • Von wegen hässliches Entlein - der auffällige Stadt-SUV ist gefälliger geworden.
  • Die Passagiere haben mehr Platz, der Kofferraum ist um 20 Prozent gewachsen.
  • Leider gibt es den Juke nur mit einem gewöhnungsbedürftigen Dreizylinder-Motor.

Kann man das schönste Auto der Welt noch schöner machen? Nissan* kann. Und so wurde aus dem punkigen expressiven Juke  in der zweiten Generation ein angepasster, eleganter aber immer noch ausdrucksstarkes SUV. „Love it or hate it!“ hieß es anno 2009 als der Nissan Juke vorgestellt wurde. Von wegen Hass. Das hässliche Entlein wurde geliebt. Die erste Generation des Cross-Over SUV im Kleinwagenformat verkaufte sich über eine Million Mal. In Deutschland fand das Auto, das an die mutigen Design-Eskapaden von Citroen erinnert (Ami 6, Ami 8) immerhin über 70.000 Käufer.

Nicht umsonst steht der Juke hier auf einem X - Das findet sich als wesentliches Designelement in den Frontscheinwerfern.

Viel Konkurrenz für den Nissan Juke II

Ganz so einfach wird Juke II die Erfolgsgeschichte nicht wiederholen können. Denn in den vergangenen zehn Jahren hat sich in diesem Fahrzeug-Segment einiges getan. Nicht nur, dass fast alle Hersteller hier groß auffahren, auch beim Design ist man mutiger geworden. Der T-Roc von Volkswagen zum Beispiel verkauft sich nicht zuletzt wegen seines Aussehens wie geschnittenes Brot. Ganz neu ist der ebenfalls auffällige Ford Puma* dazu gekommen, aber auch BMW X2*, Audi Q3 Sportback, Mazda CX3 oder Fiat 500 X lauern auf Käufer. Nicht zu vergessen die Konkurrenz aus dem einen Stall: Renault Captur läuft im Renault-Nissan-Konzern auf der gleichen Fahrzeug-Plattform wie der Juke.

Aber zurück zu Nissan-Juke-Generation zwei: Hinten ist sie kantiger geworden, auffällig sind die Scheinwerfer-Abdeckungen, die skulptural aus dem Heck herausstechen. Auch in der Seitenlinie finden sich knackige Kanten, die von der Schulter bis zur Fronttür laufen und unten herum wieder zurückfließen. Wie ein liegendes U. Vorne bleibt der nicht zu übersehende und über die ganze Front reichende V-förmige Kühlergrill. Und die auffälligen Rund-Scheinwerfer zieren ein Y. Fast könnte man meinen die Designer haben sich vom letzten Drittel des Alphabets in ihrer Formensprache inspirieren lassen.

Skulptural zerklüftet wirkt das Heck des Juke - Heckleuchten und Spoiler ragen heraus.

Der Juke ist nicht nur vom Aussehen her erwachsener geworden, sondern auch tatsächlich gewachsen. Immerhin sieben Zentimeter länger in der Karosserie, aber entscheidend ist der um zehn Zentimeter gestreckte Radstand. Das schafft Platz im Innenraum. Gefühlt, aber auch tatsächlich. An den Knien bleiben im Fond 5,8 Zentimeter mehr, die Kopffreiheit steigt um 1,1 Zentimeter.

Auch wenn der Juke größer geworden ist, der Blick nach hinten hat sich auch beim neuen Modell nicht verbessert. Dank der optisch zwar gelungenen aber in diesem Punkt eher unpraktischen Coupé-Form. Eine Rückfahrkamera ist von daher empfehlenswert.

So schick kann der Juke innen sein. Die roten Ledereinsätze machen erinnern an einen Sportwagen.

So aufregend das Äußere erscheint, innen serviert Nissan eher Durchschnittskost. Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Motordrehzahl, was in diesem Fall wichtig ist, weil es bei dem Dreizylinder-Triebwerk wirklich auf die Drehzahl ankommt. Dazu aber später mehr. Mitten auf dem Armaturenbrett sitzt der 8-Zoll-Infotainment-Bildschirm. Sonst dominieren schwarzes und graues Allerweltsplastik in unserem Testwagen. Dabei hätte es auch schickere Ausstattungsvarianten gegeben mit Alcantara oder mit auffällig roten Lederverkleidungen.

So sieht das Cockpit aus, wenn man sich für die dezent wirkende Alcantara-Ausstattung entscheidet.

Das Handy dockt sich via Bluetooth schnell an, AppleCarPlay und AndroidAuto sind in dieser Fahrzeugklasse mittlerweile Standard. Und auch das W-Lan-Netz für alle Mitreisenden lässt sich schnell installieren. Ordentlichen Sound bietet die Juke-Box im Nissan Juke schon ohne Upgrade. Wer aber wirklich gerne Musik hört, der sollte sich die Bose-Anlage mit den in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern leisten. Apropos Sound: An der Fahrzeug-Dämmung wurde offenbar gespart. Zwar spürt man die Straße durch das ordentliche Fahrwerk kaum, dafür hört man sie laut und deutlich.

Das leistet der Motor des Nissan Juke II

Der Dreizylinder-Benzin-Motor bewahrt im Gegensatz dazu in fast jeder Situation die (Lauf-)Ruhe. Das 1,0-Liter große Triebwerk ist die einzig im Juke erhältliche Motorisierung und verhält sich aber nicht nur bei der Lärmentwicklung gutmütig, sondern auch bei der Kraftentfaltung. Aber nur, wenn man mit niedrigen oder ganz hohen Touren fährt. Das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern (Nm) startet nämlich erst bei 1.750 Umdrehungen (U/min), ab 4.000 U/min baut es wieder ab.

Der Juke-Motor mit 117 PS entwickelt durchaus Sprinter-Qualitäten, vorausgesetzt man hat den Drehzahlmesser immer fest im Blick - zumindest bis man den Dreizylinder-Motor gewöhnt ist. Sonst ist schnell Frust statt Fahrspaß angesagt. Nicht unbedingt Enttäuschung, vielleicht eher Ernüchterung, macht sich an der Tankstelle breit. Der angekündigte Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter auf 100 Kilometer ist wahrlich nicht zu erreichen. Im täglichen Fahr-Mix aus je einem Drittel Stadt, Autobahn und Landstraße waren es 6,2 Liter.

Augenbrauen aus Licht. Der Juke hat in der zweiten Generation zwar sein punkiges Äußeres reduziert, aber man fällt immer noch mit diesem Nissan auf.

Zu den Details: Positiv aufgefallen ist der im Vergleich zum Vorgänger um 20 Prozent größere Kofferraum. Jetzt passen 68 Liter mehr und damit 422 Liter in den Juke hinein. Praktisch die um 13 Zentimeter größere Ladebreite. Auf der negativen Seite rangieren kleine, manchmal auch nervige Details. Zum einen will der Disclaimer des Infotainment-Systems immer sein Okay haben, sonst verschwindet er nicht vom Bildschirm. Bei anderen Herstellern passiert das nach einigen Sekunden automatisch.Und bei den verschiedenen Fahrstufen (Sport, Komfort, Eco) zeigt sich der Juke vergesslich. Nach jedem Ausschalten des Motors springt er auf die mittlere Stufe, so dass der Fahrer jedes Mal wieder seinen Lieblingsmodus (ob Sport oder Eco) einschalten muss.

Ärgerlich ist die Tatsache, dass der Fahrmodus-Schalter, der vorne am Schaltgehäuse sitzt, immer wieder auf Normal springt, wenn das Auto ausgeschaltet wird.

Und noch etwas ist gewöhnungsbedürftig: Die Türgriffe hinten sind nicht etwa da, wo man automatisch hin greift, sondern verstecken sich rechts oben und sind so geschickt eingebaut, dass man sie im ersten Augenblick nicht sofort sieht. Dass Design nicht unbedingt praktisch sein muss, sieht man an dem Spoiler, der ganz oben am Heck angebracht ist. Das Glas darunter wird von keiner Waschanlagen-Bürste erreicht, hier muss man mit Lappen und Wassereimer selbst nachhelfen.

Was die Ausstattungsliste angeht, bleibt der japanische Franzose günstig. In der gehobenen Version N-Connecta sind folgende Features schon mit an Bord: Das umfangreiche Technikpaket Pro (normalerweise 790 Euro) mit dem autonomen Lenk-Assistenten für selbständiges Spurhalten, der adaptive Geschwindigkeits- und Abstands-Regelanlage, sowie 360 Grad Kamera inklusive Rundum-Parksensoren. Allesamt keine überkandidelten technischen Spielereien, sondern praktische Alltagshelfer. Das Bose-Lautsprechersystem ist für Fans einer ordentlich klingenden Jukebox ein Muss. 600 Euro extra sind sie jedenfalls wert. Das Navi mit Tom-Tom-Services, drei Jahre Kartenaktualisierung sowie Spracherkennung für Audio und Telefonie (normalerweise 390 Euro) ist hingegen schon wieder dabei.

Das Fazit zum neuen Juke II

Auch in Weiß macht der Juke eine gute Figur findet unser Autotester Rudolf Bögel.

Ein gutes Auto zum vernünftigen Preis. Aber nur für Menschen, denen der Antrieb nicht besonders wichtig ist. Der Dreizylinder-Benziner reicht für den Alltag zwar aus, aber eigentlich ist er eine Spaßbremse. Cool sieht der Juke immer noch aus. Nicht mehr ganz so schön hässlich wie früher, aber immer noch unverwechselbar.

Lesen Sie auch: Ein Zylinder weniger - so fährt sich der Jeep Renegade T-GDI im Test.

Datenblatt Nissan Juke N-Connecta

Hubraum:

999 ccm

Leistung:

117 PS

Drehmoment:

180 Nm bei 1.750 bis 4.000 U/min

Getriebe:

6-Gang-Handschaltung

Antrieb:

Front

Länge/Breite/Höhe:

4,21/1,90/1,60 m

Leergewicht (zul):

1.257 kg / 443 kg

Kofferraum:

422 - 1.088 l

0 auf 100:

10,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

180 km/h

Normverbrauch :

4,9 l

Co2:

112 g/km

Preis:

ab 22.990 Euro (Basismodell ab 18.990 Euro)

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Rudolf Bögel

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