Hybridmodell

Der neue Toyota RAV 4 - der meist verkaufte SUV der Welt im Test

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Der Hybrid SUV RAV 4 von Toyota bringt es auf eine Gesamtleistung von 222 PS.

Er ist der Methusalem der SUVs. Schon 1994 schickte Toyota den RAV 4 als ersten seiner Art in die Autohäuser. Heute, oder 8,5 Millionen verkaufter Fahrzeuge später, rollt die fünfte Generation an. Wir haben ihn schon gefahren.

Eigentlich war der Nissan Terrano der erste richtige SUV, aber erst durch den Toyota RAV 4 und den Kia Sportage anno 1994, sowie ein wenig später durch den Honda CRV 1996 und den Land Rover Freelander 1997 fing die Geschichte der Sports Utility Vehicles so richtig an.

Heutzutage ist es das am stärksten boomende Fahrzeugsegment. In Europa hat sich der Markt in den vergangenen vier Jahren vervierfacht. Das heißt: Fast schon ein Viertel (22,7 Prozent) der verkauften Pkw sind eine Mischung aus Geländewagen und herkömmlichen Passagierwagen.

Weltweit war der RAV 4 von Toyota im Jahr 2017 nicht nur das best verkaufte SUV, sondern auch das viert meist verkaufte Auto der Welt. Was macht den RAV 4 so erfolgreich und was ist neu?

Das sind die Stärken des Toyota RAV4

Zunächst einmal zu den Stärken: Vorbild Toyota - schon in der vierten Generation kommt der SUV vor allem als Hybridmodell. Die Japaner schätzen, dass sich 90 Prozent der Kunden für das Zwitterwesen mit Benzinmotor und elektrischem Antrieb entscheiden. Und damit kommen wir gleich zum Verbrauch. Denn der lag im Test bei gerade mal sechs Litern. Das ist zwar mehr als der angegebene Normverbrauch von 4,4 Litern (C02 100g/km), man muss aber auch die Testbedingungen in Betracht ziehen. Es herrschten Wintertemperaturen zwischen 0 und -5 Grad und die Tour führte uns zunächst durch die chronisch verstopfte Stadt München gleich nach dem Berufsverkehr, gefolgt von einem schnellen Trip auf der Autobahn. Das sind Werte eines Diesels nur, dass der RAV4 nicht so schmutzig ist.

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222 PS Gesamtleistung im Toyota RAV 4

Angeboten wird das SUV mit einem neuen Dynamic Force-Hybrid-Motor und wahlweise mit Frontantrieb oder Allrad (AWD). Die Gesamtleistung aus Verbrenner und Elektroaggregaten liegt bei 222 Pferdestärken (AWD). Und die rennen in 8,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Das elektrische Allradantriebssystem mit einem eigenen E-Motor auf der Hinterachse entwickelt dabei das schon fast sagenhafte maximale Drehmoment von 1.300 Nm und leistet damit um ganze 30 Prozent mehr als der Vorgänger. Dabei variiert die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse in dem Bereich zwischen 100:0 und 20:80. Was Langstrecken- und Geländetauglichkeit gleichermaßen zugutekommt.

Direktes Handling und richtig viel Platz

Das Fahrwerk ist ein weiteres großes Plus. Der RAV fährt sich wie ein Pkw. Die sogenannte Wankneigung, also dass der hochbeinige SUV in den Kurven in leichte Schräglage geht, ist elektronisch fast komplett weggebügelt und mehr Premium als Mittelklasse. Hier schmeckt man sogar an die Konkurrenz von Mercedes GLC oder GLE heran.

Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Toyota RAV 4 etwas breiter und bietet damit richtig viel Platz.

Das Handling des RAV4 ist direkt und präzise. Für den Antrieb vielleicht zu agil, denn er verführt zu mehr Gasgeben als für die Vorderräder gut ist, denn die rutschen dann schon gerne mal durch.

Auch das Platzangebot zählt zu den Stärken des RAV4: Die fünfte Generation ist im Vergleich zum Vorgänger breiter geworden und hat einen längeren Radstand sowie kürzere Überhänge. Dadurch wächst der Innenraum beträchtlich - man fühlt sich mehr in einem großen SUV als im kleineren Midsize-Segment. Auch beim Kofferraum glänzt der Toyota mit Bestwerten: 580 bis maximal 1.690 Liter Gepäckvolumen stehen hier zur Verfügung.

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Intelligenter Rückspiegel für noch mehr Übersicht

Als erster Toyota überhaupt bietet der RAV4 den "Smart View Mirror" an, also einen digitalen Innenspiegel. Der wird mit einer Panoramasicht von der auf der hinteren Heckscheibe ganz oben sitzenden Kamera versorgt. Dank Weitwinkeltechnik sieht man immer gut, auch wenn hinten zwei Basketballspieler sitzen oder der Kofferraum bis zur Oberlippe Unterkante gefüllt ist. Wenn es zu hell wird für den Monitor, kann man diesen Spiegel auch auf konventionelle Art und Weise betreiben.

Für mehr Überblick im Toyota RAV 4 soll der neue Smart View Mirror sorgen.

Auch bei Preis und Ausstattung sind die Japaner vorbildlich. 29.990 Euro kostet der günstigste RAV4, der reine Benziner. Dann geht es in 3.000-Euro-Schritten aufwärts. 32.990 kostet das frontgetriebene Modell, für den Allradler muss man nochmal das Gleiche drauflegen. Damit liegt der Toyota beim Benziner ein wenig über der direkten Konkurrenz von VW, dem Tiguan. Dafür kostet die Allrad-Variante aus Wolfsburg mit über 40.000 Euro ein Erkleckliches mehr.

Kleinere Schwächen beim Antrieb und bei der Optik

Schwächen zeigt der Toyota in einem durchaus übersichtlichen Rahmen. Der Antriebsstrang mit dem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe zählt sicherlich nicht zu den Aushängeschildern des Toyota-SUVs. Beim Beschleunigen jenseits der 50 Stundenkilometer quält er sich schon sehr, das zieht sich teilweise wie Kaugummi! Dynamik wie etwa bei einem Antrieb mit Doppelkupplungsgetriebe fühlt und hört sich anders und (normalerweise auch) besser an.

Schwächen gibt es auch bei der Optik, allerdings nur im Inneren. Hier verbessern sich die Japaner zwar kontinuierlich, wenn auch nur in kleinen Schritten. Das Plastik wirkt zwar nicht mehr ganz so billig wie früher! Und vielleicht schätzen nüchterne Zeitgenossen dieses reduzierte, fast schon kalte Design in Schwarz-Chrom-Optik - aber ein Augenschmaus sind die verwendeten Kunststoffe immer noch nicht.

Schwächen zeigt der Toyota RAV 4 im Innenraum.

Das Cockpit mit dem zentralen großen Bildschirm ist jedoch übersichtlich und die Bedienung vorbildlich. Nur beim etwas wirr angeordneten Digital-Instrument erlebt man einen Bilderrausch, bei dem man sich nicht sofort zurechtfindet. Dafür macht der RAV4 außen wieder alles wett. Hier steht ein modernes, kantiges Auto mit Charakter. Damit fällt man sogar in der SUV-Hauptstadt München auf. Und das muss man erst mal hinkriegen.

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Rudolf Bögel

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