Smart Fortwo electric drive

Cityflitzer aus der Steckdose

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Auf zur launigen Spritztour durch Berlin: Unser Redakteur Oliver Menner testete in der Hauptstadt den neuen Smart Fortwo electric drive – und später das E-bike.

Der neue Smart Fortwo electric drive geht in Serie. Wir sind den Elektro Flitzer von Daimler schon mal ein bisschen Probe gefahren.

Mit nur 3.000 Neuzulassungen in den letzten zwei Jahren hinkt der Markt für Elektroautos hierzulande Prognosen und Entwicklung hinterher, bilanzierte der neue Fortschrittsberichts des Beratungsgremiums Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) diese Woche: Zu teuer, zu geringe Reichweiten, zu wenig Infrastruktur und eine nicht wirklich befriedigende CO2-Bilanz, so die Hauptkritikpunkte.

Ob der neue Smart Fortwo electric drive die Trendwende bringt? Daimler geht mit der dritten Generation des Elektro-Flitzers im Sommer als erster deutscher Hersteller richtig in Serie. Ein stadttaugliches Spaßfahrzeug – wie unser Testbericht aus der Bundeshauptstadt ergab:

Geräuschlos und munter über die Straßen Kreuzbergs

Schlüssel rum. Ist er schon an? Tatsächlich – unser „Autoscooter“ läuft geräuschlos und munter über die Straßen Kreuzbergs. Zwar holpert das Fahrwerk noch so wie beim konventionellen Bruder, dafür nickt der Elektriker nun nicht mehr lästig, sondern beschleunigt angenehm linear wie bei einer herkömmlichen Automatik. Und dank der passablen Kick-Down-Funktion wird auch der lautlose Ampelsprint Unter den Linden und am Brandenburger Tor zum reinsten Vergnügen.

Dessen Ursprung sitzt im Heck: ein putziger Permanentmagnet-Synchron-Elektromotor, der 130 Newtonmeter bringt. Im Fahrzeugunterboden das andere Herzstück: ein Lithium-Ionen-Doppel-Akku, der 17,6 Kilowattstunden (kWh) Ladung aufnimmt. Mit beiden bringt es das 900 Kilo schwere Wägelchen bei 55 kW (in der Spitze) und maximal 12000 Umdrehungen pro Minute auf 125 Sachen. Aber wann braucht man die schon mal in der Stadt? Dann schon eher gute Beschleunigung bei der Parklücken-Hatz: In 4,8 Sekunden Tempo 60 und in 11,5 die 100. Langt also.

Oliver Menner unterwegs auf dem Smart E-Bike.

Auch die Reichweite von 145 Kilometern? Bei vielen kommen hier immer noch Ur-Ängste aus der mobilen Steinzeit hoch (Liiiiiiegenbleiben!). Smart ed-Produktmanager Pitt Moos – seit Jahren mit der Reichweiten-Frage konfrontiert – sagt: „Ich antworte immer mit der Gegenfrage: Wie viele Kilometer fahren Sie denn im Stadtbereich am Tag?“ Heißt klipp und klar: „Das Elektro-Auto ist und bleibt ein Nahfahrzeug.“ Die ideale City-Lösung: stinkt nicht, flitzt gut, kostet bei Strompreisen um die 22 Cent pro Kilowattstunde nur um die 4 Euro auf 100 Kilometer. Braucht kein Öl, keine Zündkerzen, keinen Keilriemen. Ist schick und signalisiert Nonkonformismus und „Vorwärtsdenken“, wie Smart-Vertriebsleiter Martin Hülder, für den der Smart einfach „Elektrizität in den Genen“ hat, die Zielgruppe bauchpinselt.

Aber diese Haken bleiben immer noch – teure Anschaffung, lange Ladezeiten und die marktpolitische Gewissensfrage: Wie öko ist die Steckdose? Denn nur, wenn der Anteil erneuerbarer Energien im Strommarkt in Zukunft sehr deutlich wächst, wird Elektro fahren nicht zur Mogelpackung …

Die „Vehicle Home Page“: Vom Handy aus kann der Smartbesitzer Ladestand, Reichweite oder die nächste Tankstelle erfragen

Warten heißt es auch hier: Sieben Stunden an der normalen Haushalts-Steckdose – am besten über Nacht; mit „Schnelllade“-Funktion per Wallbox (700 Euro) dauert’s immer noch sechs Stunden. An einer öffentlichen Profi-Stromtankstelle dafür nur eine Stunde. Jetzt die eigentliche Preisfrage: Das „nackte“ Auto – ohne Batterie – gibt’s für knapp 19.000 Euro (bzw. 22.000 Euro fürs Cabrio). Den Akku bietet Smart im Leasing-Programm „smart & care“ auf zehn Jahre für 65 Euro Miete monatlich dazu. Dafür gibt’s dann Wartung, Service sowie eine garantierte Batterie-Leistung von 41,6 Amperestunden. Wer seinen Smart lieber komplett sein Eigen nennen will, legt 4800 Euro für den Akku drauf.

Eine Nummer kleiner geht’s übrigens auch: Smart hat zeitgleich sein fein designtes E-Bike vorgestellt. Drei Gänge mit vierfach-abgestufter Unterstützung bis zu maximal 25 km/h, hydraulische Scheibenbremsen sowie schicke Carbon-Zahnriemen statt schmieriger Kette. Auch damit ist man flott unterwegs und kommt dank des neu entwickelten Lithium-Ionen-Akkus bis zu 100 Kilometer weit. Eine „Benchmark“ sei das schon, sagt e-Bike-Produktmanager Sven Witzenhause stolz. Preis: 2.800 Euro.

Wen jetzt das Elektrofieber gepackt hat: Das Stromtankstellenverzeichnis LEMnet (www.lemnet.org/) listet für den Großraum München derzeit knapp 60 Stromtankstellen.

Oliver Menner

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