Fahrbericht

Der neue Audi A4 redet mit Ampeln und surft auf der grünen Welle

+
Der neue Audi A4 hat nicht nur ein technisches Update bekommen.

Neues Gesicht, neue Motoren - sogar mit den Ampeln kann er jetzt sprechen. Im Herbst kommt der neue Audi A4, wir durften ihn schon mal fahren.

Der A4 ist für Audi so etwas wie das Herzstück der Marke. Jedes fünfte verkaufte Auto stammte 2018 aus dieser Baureihe, alleine im vergangenen Jahr waren es 345.000 Stück. Insgesamt wurden 7,5 Millionen abgesetzt. Dabei liegt das Verhältnis von Kombi zu Limousine in Deutschland bei 70:30. Im Rest der Welt sieht das komplett anders aus. Hier greifen nur 10 Prozent der Kunden zum Avant, 90 Prozent kaufen sich die Limousine.

Der neue Audi A4: Neue Technik, überarbeitetes Design

An dieser Erfolgsgeschichte will man in Ingolstadt nun weiter stricken. Allerdings recht forsch und nicht so zaghaft wie andere Hersteller, die bei einem Facelift eines erfolgreichen Modells tunlichst nur die Technik verbessern. Audi hat sogar beim Aussehen Hand angelegt. Mit Ausnahme des Dachs haben die Designer sportlich nachgeschärft. Der Frontgrill wird flacher und breiter, die Seitenlinie wandert nach unten und auch im Heck geht es in die Horizontale - mit einem expressiven Diffusor und einer durchgehenden Chromleiste zwischen den Rücklichtern. So steht der A4 jetzt breitbeiniger und kraftvoller auf der Straße.

Neue Akzente gibt es auch bei den Scheinwerfern. Sie bestehen jetzt aus Lichtsegmenten und sollen nach dem A4 dann auch in allen anderen Modellen eingesetzt werden. Insgesamt haben Limousine und Kombi in der Länge um jeweils 24 Millimeter auf 4,76 Meter zugelegt, die Breite ist um jeweils fünf Millimeter auf jetzt 1,85 Meter gewachsen. Unverändert sind Radstand und Fahrzeug-Höhe.

Lesen Sie auch: Das bedeuten die vier Ringe im Audi-Logo wirklich.

Audi A4 kommt mit neuen Assistenten

Auch im Inneren haben die Designer aufgeräumt. Vor allem bei den digitalen Helfern. Das fängt schon beim Bildschirm an, der 10,1 Zoll groß ist. Bedient wird er wie ein Smartphone oder Tablet, der Dreh- und Drückregler in der Mittelkonsole gehört endlich der Vergangenheit an.

Die Grafik ist aufgeräumt und reduziert, was beim Benutzen ein wahrer Segen ist. Kein unnötiger Schnickschnack, klare Symbole mit einer einfachen Menüführung. Dazu bietet das neue MMI digitale Services vom neuesten und feinsten an. Zum Beispiel die Online-Verkehrszeichen- und Gefahreninformationen sowie der Parkplatz-Such-Assistent "On-Street Parking".

Der Bordcomputer im neuen Audi A4 ist aufgeräumter und einfacher zu bedienen.

Brandneu ist jedoch die Ampelfunktion. Dabei vernetzt sich der A4 mit der Infrastruktur der Stadt und fordert über einen Server Informationen vom Ampel-Zentralrechner an. Dadurch kann der Fahrer sein Tempo passend zur nächsten Grünphase wählen. Er schafft sich quasi seine eigene "grüne Welle". Im Kombiinstrument erscheint dazu die persönliche Geschwindigkeitsempfehlung. Wenn man hingegen vor einer roten Ampel steht, berechnet das System die Zeit, bis sie wieder auf Grün schaltet. Ein Countdown, der ungeduldige Zeitgenossen zähmt.

Fahrbericht: Mercedes GLB - Die Stuttgarter blasen zum Angriff auf BMW.

Große Motorenauswahl beim Audi A4

Zum Verkaufsstart im Herbst bietet Audi acht Turbomotoren an - von 136 bis 347 PS. Alle Aggregate erfüllen die Limits der Abgasnorm Euro 6d-temp. Fünf davon sind mit der sogenannten MILD-Hybridisierung ausgestattet. Das heißt, hier hilft ein elektrischer Startergenerator mit. Energie wird beim Bremsen zurückgewonnen, und dann beim Segeln zwischen 55 und 160 Stundenkilometer, also bei ausgeschaltetem Verbrenner, wiederverwendet oder zur Unterstützung beim Beschleunigen eingesetzt. Das soll den Verbrauch um 0,3 Liter pro 100 Kilometer senken.

Video: Der facegeliftete Audi A4

Getestet haben wir den 2,0-Liter-Benziner mit 245 PS im Allroad-Model, das 35 Millimeter mehr Bodenfreiheit bietet als der herkömmliche A4. Mit einem Drehmoment von 370 Nm hat der Allradler mit der feschen schwarzen Beplankung schon ordentlich "Bums". Volle Power schon bei Drehzahlen ab 1.600 U/min (bis 4.300 U/min) und ein gebremster Treibstoff-Durst von 6,6 Litern erinnern einen eher an einen Diesel. Die Leistungsdaten können sich ebenfalls zeigen: 6,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Mehr braucht es fast nicht.

Gleich acht verschiedene Motorisierungen bietet Audi im neuen A4 an.

Oder doch? Damit wären wir beim neuen Prunkstück in der Motorentechnik von Audi. Dem S4 TDI. Unter der Haube steckt ein V6-Diesel mit 3,0 Litern Hubraum und 347 PS Leistung. Das maximale Drehmoment von stattlichen 700 Nm liegt schon ab 2.500 U/min an. Damit schafft es der A4 unter fünf Sekunden (Limousine 4,8, Avant 4,9 Sekunden) von 0 auf Tempo 100. Um das zu erreichen, hat der Motor tatkräftige Unterstützer. Einen Startergenerator (RSG) und einen elektrisch angetriebenen Verdichter (EAV).

Beide laufen auf dem neuen 48-Volt-Bordnetz. Während der RSG vereinfacht gesprochen nichts anderes ist als ein zusätzlicher Elektromotor, handelt es sich beim EAV um einen elektrischen "Turbolader", der unter 1.500 u/min hilft, wenn zu wenig Abgase vorhanden sind, um den herkömmlichen Turbo zu laden. Damit wird das oft beklagte Leistungsloch einfach weggebügelt, die Beschleunigung fühlt sich von der ersten Sekunde gut an.

So fährt sich der neue Audi A4

Fast! Denn bei den Modellen mit Automatikgetriebe nimmt sich dieser Motor eine kleine Auszeit, bis er volle Kraft und Traktion entwickelt. Schaltet man nur mit den Wippen am Lenkrad, ist dieses kurze Innehalten zwischen Gaspedaldruck und Abzug zwar nicht ganz so ausgeprägt, aber immer noch vorhanden. Wie man diese wirklich störende Gedenkzeit ausmerzen will, darüber wird bei Audi schon diskutiert.

Sonst aber fährt sich dieser Audi S4 wirklich gut. Nicht allein wegen der mächtigen Beschleunigung, sondern auch weil das Sportfahrwerk mit der Dämpferregelung im Millisekundentakt wirklich fein abgestimmt ist. Die Kurvenlage des S4 ist sensationell - beim Trip durch die Berge fühlte man sich fast wie auf Skiern, so eng und exakt nimmt das Auto die Kurven.

Der Audi S4 Avant hat eine sensationelle Kurvenlage.

Dass der Verbrauch dabei um die 6,3 Liter liegen soll, glauben wir nicht ganz. Im Testbetrieb über enge Gebirgsstraßen lagen wir bei knapp unter zehn Litern - was aber angesichts der puren Freude an der Leistungsentfaltung immer noch im verträglichen Rahmen lag. Im Alltagsbetrieb dürfte man so zwischen sieben und acht Litern realistisch brauchen.

Fahrbericht: McLaren GT - Die Quadratur des Kreises.

Und das kostet der neue Audi A4

Los geht es bei 33.600 Euro mit der Limousine und dem 136-PS-Diesel, der günstigste derzeit verfügbare Kombi mit einem 150-PS-Benziner 37.550 Euro, die Allroad-Variante kostet ab 50.100 und wer den blitzschnellen S4 TDI haben will, muss noch ein bisschen tiefer in die Geldbörse greifen. Hier werden ab 62.600 Euro fällig.

Fazit: Der neue A4 ist mehr als ein Facelift. Optisch und technisch gereift präsentiert sich der meistverkaufte Audi schon mehr als nächste Generation. Der S4 stellt von der Motortechnik vieles in den Schatten. Vielleicht sogar die hauseigene RS-Variante.

Auch interessant: Das ahnen Sie nie - Der Opel-Blitz ist eigentlich kein Blitz.

Rudolf Bögel

Auf diese Autos können Sie sich 2019 freuen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare