Die Mutter der Nackten

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Nackt und ehrlich: Speed Triple mit 132 PS

Sie hat sich als Erste nackig gemacht, die Speed Triple, und sie schrieb Geschichte. Triumph gelang es, mit dem 1994 präsentierten unverkleideten Motorrad ein neues Genre zu begründen, die Naked Bikes.

Die Mutter aller Nackten entwickelte sich zum Bestseller der Engländer und ist nach wie vor im Programm. Jetzt erhielt sie einige kleine optische und technische Retuschen – schließlich schläft die Konkurrenz nicht. Zu den Neuheiten zählen Brembo-Bremszangen, Leichtmetallräder, ein etwas anders geformter Lenker, der Heckrahmen sowie anders positionierte Sozius-Fußrasten. Unverändert blieb dagegen der Dreizylindermotor mit 1050 ccm Hubraum, der maximal 132 PS (97 kW, bei 9250 U/min) leistet und bei 7550 U/min ein maximales Drehmoment von 105 Nm auflegt. Mit gutem Grund, denn dieses Aggregat taugt bestens, das 212 Kilogramm schwere Bike ordentlich auf Trab zu bringen. Die weiteren Zutaten des Motorrades passen hervorragend zum Leistungsangebot, und so kann man sich dank des ausgezeichneten Fahrwerks, der weichen und präzisen Schaltung und des sicheren Handlings voll und ganz aufs Vergnügen konzentrieren.

Auch nach 15 Jahren topaktuell: Triumph Speed Triple ab 11 740 Euro

Die Speed Triple lässt sich sauber und exakt um Kurven zirkeln, sie räubert mit größtem Vergnügen auf kleinen Straßen und macht auch auf städtischen Boulevards einen guten Eindruck. Wenig Spaß macht auf der minimal verkleideten Engländerin die Tempobolzerei auf der Autobahn, dennoch müssen wir es unserem Exemplar als Mangel ankreiden, dass es statt der in den Fahrzeugpapieren angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 240 nur zu knapp 225 km/h reichte. Ansonsten ist die nackte Triumph an den Maßstäben ihrer Kategorie gemessen ein rundum gelungenes Zweirad. Die Spiegel bieten ausreichend Sicht nach hinten und sind weitgehend vibrationsfrei, das Licht ist gut und die vordere Bremse ist exakt dosierbar und verzögert bestens. Dass der Stopper am Hinterrad nicht ganz so wirkungsvoll – um ehrlich zu sein: so gut wie ohne Wirkung – arbeitet, verzeiht man darum leicht. Der Verbrauch bewegte sich zwischen 5,3 und 5,9 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Die Stopps an der Zapfsäule halten sich dank des 18- Liter-Tanks al-so in Grenzen, weswegen man sich zum Glück nur selten über die fummelig kleinen Rückstellknöpfe an den Instrumenten ärgern muss. 11 740 Euro verlangt Triumph für die Mutter aller Nackten.

Und wer diese Summe investiert, bekommt mit der Speed Triple ein topaktuelles Motorrad, das dank der guten Modellpflege und sinnvoller Modifikationen auch im 15. Jahr seines Daseins jung und frisch ist wie am allerersten Tag und dessen Konzept noch kein bisschen Ermüdungserscheinungen aufweist.

Volker Pfau

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