Messebericht

IAA in Frankfurt: So grün wird die Zukunft von Mercedes

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IAA 2019: Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Daimler, spricht während der Präsentation von Mercedes vor einem Vision EQS.

Genau 112 Tage im Amt, die erste IAA als Vorstandsvorsitzender. Für den neuen Mercedes-Chef Ola Källenius war der Auftakt zur wichtigsten Automesse gestern mehr als eine Antrittsrede - und der Schwede lieferte.

Nicht nur neue Modelle, sondern einen Blick auf die grüne Zukunft von Mercedes. „Wir stehen vor tiefgreifenden Veränderungen, die Autoindustrie wandelt sich grundlegend“, sagte Källenius am Anfang seiner mit 35 Minuten ungewöhnlich langen Präsentation. „Vielen geht es nicht schnell genug. Auch wir sind ungeduldig!“ Mercedes will deshalb Gas geben und noch einen Gang zulegen bei der Gestaltung der Zukunft, die rosig und grün sein soll.

Stichwort emissionfreies Fahren bei Mercedes Benz

„Elektromobilität wird bei Mercedes-Benz zum Kerngeschäft“, gab er die Richtung vor. 20 elektrifizierte Modelle soll es bis Ende des Jahres geben, darunter sind der brandneue Elektrobus EQV mit 400 Kilometern Reichweite und der teilelektrifizierte SVU GLE 350 de, der bis zu 100 Kilometer flüsternd zurücklegt. Aber auch die Sportwagenschmiede von AMG muss Adieu sagen zum reinen Verbrenner. Leise und sauber statt blubbernd und sägend soll die Zukunft auch hier sein. Sogar ein reiner Elektro-Bolide ist angedacht.

Der Porsche Taycan lässt grüßen. Eine echte Zeitenwende in Affalterbach. Schon 2030 soll der Mercedes-Absatz von elektrischen Modellen bei 50 Prozent liegen. Und neun Jahre später will Mercedes eine Co2-neutrale Autoflotte auf die Straße stellen. Hehre Ziele, wenn auch noch in weiter Ferne. Konkreter wird es mit der Co2-Vermeidung in der Produktion. Bereits in drei Jahren sollen die Werke, so der Konzernchef, Kohlendioxid-neutral arbeiten. Und auch bei der Herstellung von Auto-Batterien, die ja besonders Co2-intensiv ist, soll es in der nächsten Generation fast ohne Klimagift funktionieren.

Motivation durch Gaming: EcoScore soll zu vernünftigem und effizienterem Autofahren animieren

Aber es geht noch grüner: Der Anteil an Recycling-Teilen soll drastisch steigen und der Klimaschutz sogar eines der zentralen Vergabekriterien bei der Auftragsvergabe an Zulieferer sein. Dass die „Klimawende eine Mammutaufgabe ist, die nicht alleine zu schaffen ist“, machte Källenius klar. Das könne man nur bewältigen „im Zusammenspiel und über die Grenzen der Hersteller hinweg“. Damit kündigte er weitere Allianzen mit anderen Autobauern an. Vorbild könnte das Schnelladenetz Ionity sein, das Daimler, Ford, BMW, die Volkswagen-Gruppe und jetzt auch noch Hyundai gemeinsam betreiben und das fast zu 100 Prozent mit regenerativen Energien arbeitet.

Und noch ein Paukenschlag: Ein wirksames Mittel für die Reduktion von Kohlendioxid sei auch die Bepreisung von Co2. Kaum vorstellbar, dass sich der neue Daimler-Boss nicht blendend mit den Grünen-Chefs Katharina Schulze und Robert Habeck verstehen würde. „Die wirksamsten Verhaltensänderungen sind die, die wir wollen - und nicht sollen“, meinte Mercedes-Boss Källenius. Und kündigte ein neues smartes Programm an, das die Menschen zum vernünftigen effizienteren Autofahren animieren soll. Mit dem EcoScore kann man Punkte sammeln. „Motivation durch Gaming“, nennt es Källenius. Denkbar sind nicht nur Wettbewerbe und digitalen Siegerlisten. Vielleicht entwickelt sich der EcoScore sogar zu einer kleine Währung ähnlich wie bei Payback.

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Video: IAA 2019 Mercedes: Weltpremiere des Mercedes Vision EQS

Showcar „EQS“ - Vision der Mercedes S-Klasse

Digital wird die Zukunft sowieso bei Mercedes: Bislang nur im Werbefilm, aber schon bald in Serie kommt das „Baby Protocol“. Ein Programm, bei dem das Auto über Lichtstimmungen und Musik sowie über eine Schaukelfunktion des Fahrwerks jedes Kleinkind in den Schlaf wiegt. Und der Autoverkauf wandert ebenfalls in die digitale Welt. Jeder vierte Mercedes soll schon 2025 über das Internet einen neuen Besitzer finden. „Das Beste kommt noch“, sagte Källenius in Anspielung an den Slogan seines Vorgängers Dieter Zetsche („Das beste oder nichts“) und meinte damit auch das Showcar „EQS“.

Einer Vision, wie die Mercedes S-Klasse in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte. Natürlich voll elektrisch und voller digitaler Spielereien: Zum Beispiel das um das ganze Auto laufende blaue LED-Band. Oder etwa die holografischen Frontscheinwerfer mit 3-D-Effekt. Und erst die funkelnden Sterne im Heck! Unser Fazit: Wirklich eine schöne neue Welt. Zunächst aber gilt es sie zu retten. Aber wenn die Silberpfeile jetzt schon grün werden...

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Rudolf Bögel

IAA 2019 - die Highlights der Messe: Jetzt wird's elektrisch bei Porsche & Co.

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