Galgenfrist für die alten Lappen

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Drei Generationen Führerschein: die alten grauen „Lappen“, das rosafarbene Faltobjekt in Größe des Fahrzeugscheins und die moderne Form im Scheckkarten-Format – sie alle sind bis 2033 gültig.

München - Zerknittert, unhandlich, speckig – trotzdem hat der mausgraue Führerschein Kultstatus. Doch die Tage des „Lappens“ im traditionellen Gewand sind gezählt.

Endgültig Schluss ist aber erst 2033, wie der Münchner Merkur berichtet. Das Leben ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Zerfleddert von unzähligen Schleudertouren in der Waschtrommel, mit Kaffeeflecken übersät: Der mausgraue Lappen vermag viele Geschichten zu erzählen. Um das europäische Führerschein-Dickicht mit rund 110 verschiedenen Dokumentensorten zu lichten, gilt ab Januar 2033 jedoch nur noch der EU-Scheckkartenführerschein.

Wie das Bundesverkehrsministerium erklärt, tritt ab dem 19. Januar 2013 die ­ 3. EU-Führerscheinrichtlinie in Kraft. Das bedeutet, dass Führerscheindokumente, die ab dem 19. Januar 2013 ausgestellt werden, dann auf 15 Jahre befristet sind. Alle bis dato unbefristet ausgestellten Führerscheindokumente – wie viele der alten Lappen – sind bis zum 19. Januar 2033 umzutauschen. Sie fallen dann ebenso unter die 15-Jahre-Gültigkeitsfrist.

Der Umtausch wird aber mit keiner ärztlichen oder sonstigen Untersuchung verbunden sein. Selbst für den Fall, dass der Inhaber mit seinem alten Jugendbild auf dem Papierdokument nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen sein sollte, behält der graue Führerschein nach Aussagen von Polizei und dem Münchner Landratsamt seine Gültigkeit. Wenn sich etwa ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle von der Identität einer Person überzeugen möchte, so muss er sich Personalausweis oder Reisepass vorzeigen lassen.

 Seit 1999 gehört das rosa-grüne Plastikexemplar in Kreditkarten­größe zur Führerschein-Familie. Die Zeichen der Zeit prallen an dieser Fahrerlaubnis spurlos ab. Für die Liebhaber des gefalteten Lappens gibt es einen kleinen Trost: Entwertet kann er als Erinnerungsstück behalten werden und ein Leben lang im Geldbeutel stecken.

Katharina Blum

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