Im RS5 Cabrio huldigt Audi vielleicht zum letzten Mal dem Drehorgel-Prinzip

Blasen statt saugen, das ist der große Trend bei den Motorenbauern. Denn kaum ein Hersteller traut sich heute bei einem neuen Modell noch ohne Turbo in den Handel. Zu groß ist der Verbrauchs- und CO2-Vorteil, den die Aufladung mit sich bringt.

Doch bei Audi leistet sich zumindest die Quattro GmbH den Luxus, diesem Trend nicht ganz so konsequent zu folgen und baut deshalb im neuen RS5 Cabrio noch einmal den V8-Sauger ein. Wenn das rasante Open-Air-Modell im Frühjahr zu Preisen ab 88.000 Euro an den Start geht, kommt deshalb nicht nur der Puls der Kunden, sondern auch die Drehzahl ordentlich auf Touren. Nicht umsonst erreicht der Motor sein maximales Drehmoment zwischen 4.000 und 6.000 Touren, seine Peak-Leistung bei 8.250 Umdrehungen und rotiert ungerührt hinauf bis fast 9.000 Kurbelwellenumdrehungen.

Dabei entwickelt das Kraftpaket Leistung im Überfluss: Bei 4,2 Litern Hubraum stehen 450 PS im Datenblatt des V8-Motors und sichern ihm in der Mittelklasse jeden Stich. Denn das M3 Cabrio als einziger echter Konkurrent ist zwar gute 10.000 Euro günstiger, hat dafür aber auch nur 420 Pferdestärken. Und ist obendrein das ältere Auto.

Was für den RS5 spricht, ist nicht nur der faszinierende, von den Klappen im Auspuff wunderbar modulierte Klang, den man bei offenem Dach natürlich noch besser genießen kann., sondern vor allem reagiert sein Motor ohne die Trägheit des Turbos so wunderbar spontan und sportlich. Kaum hämmert man das Pedal zu Boden, macht der Drehzahlmesser einen Sprung, 430 Newtonmeter (Nm) reißen über die 19-Zöller am Asphalt und das Cabrio wird zur Windmaschine. Spätestens dann wird einem klar, weshalb es für die tiefschwarze Innenausstattung serienmäßig Sport- und gegen Aufpreis auch Schalensitze gibt. Wo 4,9 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 reichen, wird die Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern zu einer lästigen Formalität, die reiche Raser mit einem Wimpernzucken aushebeln. Denn für etwa 1.500 Euro extra lässt Audi dem RS5 auch bis 280 Stundenkilometer Auslauf. Dass die 10,7 Liter vom Prüfstand dann vollends zur PS-Poesie werden und locker über 20 Liter klettern, versteht sich von selbst – wird in dieser Fahrzeugklasse aber keinen stören.

Dafür, dass die Kraft sauber auf die Straße kommt, sorgt der obligatorische Allradantrieb der Quattro GmbH. Und damit deshalb der Spaß nicht gleich auf der Strecke bleibt, gibt es für mehr Stimmung im Popometer eine tendenziell hecklastige Kraftverteilung und jede Menge technischer Finessen. Schon mit dem bekannten Drive Select-Programm lässt sich der Charakter des RS5 auf Knopfdruck nachhaltig verändern. Das Torque Vectoring bringt ihn noch schneller um die Kurven, und mit den neuen Keramikscheiben sind die Bremsen so bissig wie der Hund von Baskerville. Die Quattro-Techniker sind sichtlich stolz auf den Hochdrehzahlmotor und froh, dass er noch einmal eine Chance bekommen hat. Denn viel emotionaler könne man so einen Sportwagen kaum antreiben. Doch auch die Entwickler wissen, dass die Tage des Hochdrehzahlkonzepts angesichts von CO2-Grenzwerten und EU6-Normen womöglich gezählt sind: „Für die nächsten Generationen müssen wir uns wohl etwas neues einfallen lassen.“

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