Verkehrsexperten warnen vor Panik

Geisterfahrer: täglich sind sechs unterwegs

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Ein Warnschild gegen Falschfahren an der Autobahn A8 bei Übersee am Chiemsee.

München - "Achtung Autofahrer! Ihnen kommt ein Falschfahrer entgegen!" - diese Radio-Meldung ist für Autofahrer ein Horror. Doch pro Jahr kommt das etwa 2.800 Mal vor.

Etwa die Hälfte der Falschfahrer-Warnungen werden bei Dunkelheit gesendet, 40 Prozent aller Meldungen am Wochenende. Zu den Spitzenverkehrszeiten werden nur wenige Falschfahrten gemeldet.

Autobahnunfälle mit Falschfahrern sind nach Angaben des ADAC sehr selten. „Geisterfahrer verursachen drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen“, sagte ADAC-Sprecher Otto Saalmann. „Das Problem ist nur, wenn es dann mal kracht, dann sind die Folgen meistens schwer.“

Den typischen Geisterfahrer gibt es nicht

Warum Menschen in verkehrter Richtung auf Autobahnen unterwegs sind, habe unterschiedliche Gründe. „Es kann Orientierungslosigkeit sein, es kann eine umständliche Beschilderung sein und oft sind Drogen und Alkohol im Spiel“, erläuterte Saalmann. Manchmal gebe es auch Fahrer mit Selbstmordabsicht, wie bei dem Unfall auf der A 46 bei Meschede in Nordrhein-Westfalen, bei dem am Sonntag außer dem Geisterfahrer vier weitere Menschen ums Leben kamen.

Allein im Oktober starben damit zwölf Menschen bei Unfällen mit Geisterfahrern. Saalmann warnt dennoch vor Panik: „Die allermeisten Falschfahrerfahrten gehen glimpflich aus.“ Bundesweit würden im Jahr 2800 Fälle gemeldet, davon 2000 auf Autobahnen.

Verhindern lässt sich dieses Phänomen nach Ansicht Saalmanns nur bedingt. Eine Möglichkeit wird seit Dezember 2010 in Bayern bei einem Feldversuch getestet, etwa auf der Autobahn A8 München-Salzburg an acht Ausfahrten zwischen Übersee am Chiemsee und dem Grenzübergang Walserberg. Auf einer signalgelben Warntafel sehen Autofahrer, die in falscher Richtung auf die Autobahn wollen, eine schwarze Hand mit den Hinweisen „Stop“ und „Falsch“. Der Modellversuch folgt dem Vorbild Österreichs, wo es solche Schilder schon seit rund 20 Jahren gibt.

Saalmann hält die Warnschilder für eine gute Idee. „Bloß gegen denjenigen, der auf der Autobahn wendet, können sie überhaupt nichts machen.“ Das gelte auch für Geisterfahrer, die in Selbstmordabsicht unterwegs seien oder für die diese Fahrt eine Mutprobe sei. Sein Tipp: Im Auto immer Radio mit Verkehrsfunk einschalten, um rechtzeitig gewarnt zu werden.

dpa

Das können Sie tun, wenn im Radio ein Falschfahrer gemeldet wird

  • Verringern Sie die Geschwindigkeit.
  • Fahren Sie auf dem rechten Fahrstreifen. Überholen Sie nicht.
  • Halten Sie ausreichend Abstand.
  • Beobachten Sie den Seitenstreifen, um eventuell auf diesen auszuweichen.
  • Fahren Sie ggf. den nächsten Parkplatz an und warten Sie ab.
  • Informieren Sie sich mittels Verkehrsfunk, wann die Gefahr vorüber ist.

Sie sind versehentlich selbst zum Falschfahrer geworden:

  • Schalten Sie sofort die Warnblinkanlage und das Licht ein.
  • Fahren Sie sofort an den nächstgelegenen Fahrbahnrand.
  • Stellen Sie Ihr Fahrzeug außerhalb der Fahrbahn dicht neben der Schutzplanke ab.
  • Steigen Sie vorsichtig aus und stellen Sie sich hinter die Leitplanke.
  • Rufen Sie die Polizei an und warten Sie auf Hilfe.

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