Altern als Chance? Erlebnisausstellung in Berlin

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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin, Daniela Schadt, werden im Museum für Kommunikation in Berlin durch die Ausstellung über das Altern "Dialog mit der Zeit" geführt. Foto: Wolfgang Kumm

"Lasten nicht leugnen, Potenziale erkennen, Bereicherung erfahren!", schreibt Bundespräsident Gauck ins Gästebuch. Ein Ausstellung in Berlin will zur Auseinandersetzung mit dem Altern anregen.

Berlin (dpa) - Unsere Ahnen wurden vor 100 Jahren im Schnitt 50 Jahre alt. Heute liegt die Lebenserwartung in Deutschland bei etwa 80 Jahren. 30 geschenkte Jahre. Wie gehen wir mit dieser Zeit um? Was erwarten wir vom Alter? Welche Probleme und welche Chancen birgt der demografische Wandel?

Mit diesen Fragen setzt sich die Ausstellung "Dialog mit der Zeit" auseinander, die Bundespräsident Joachim Gauck im Berliner Museum für Kommunikation eröffnete. "Wir brauchen neue Muster für lange Lebensläufe, neue Verflechtungen von Lernen, Arbeit und Privatem", sagt der 75-Jährige, der selbst Opa und Uropa ist.

Zu sehen gibt es in der 500-Quadratmeter-Schau im ältesten Postmuseum der Welt nicht allzu viel, aber umso mehr zu erleben. So wird der Zuschauer gleich zu Beginn auf einer riesigen Videowand von der hübschen kleinen Danielle empfangen, die sich innerhalb von Minuten erschreckend schnell zu einer alten Frau wandelt.

In interaktiven Selbstversuchen kann dann jeder erproben, wie sich Altsein anfühlt: Wie öffnet man mit zitternden Fingern ein Türschloss? Wie komme ich mit schweren (Manschetten-behängten) Beinen die Treppe hinauf? Was hilft mir, meine Tabletten nach den komplizierten Anweisungen der Schwester richtig in die Schachtel zu sortieren? Im Begleitprogramm gibt es Vorträge wie "Späte Liebe auf der Leinwand" oder "Je oller, desto doller!?" zu Strategien für die Partnerwahl im Alter.

Das Besondere der Ausstellung: Niemand wird mit den Erfahrungen alleingelassen. Ein Team von 33 speziell geschulten Senior-Guides - jeder über 70 - sorgt dafür, dass die Besucher in Gruppen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und Schlussfolgerungen ziehen. Mit dabei etwa eine Ausdruckstänzerin, ein Bootsbauer und ein Pfarrer. "Ich bin gerade ein bisschen beschäftigt, sonst würde ich mich vielleicht auch als Senior-Guide bewerben", flachst Gauck.

In der Kennenlernrunde zum Auftakt müssen die Besucher aus einem Dutzend Fotos das heraussuchen, was für sie am meisten "Glück im Alter" symbolisiert. First Lady Daniela Schadt wählt einen Großvater mit seinem Enkelkind beim Angeln, der Bundespräsident entscheidet sich für drei alte Kumpels im Gespräch. "Kommunikation ist etwas, worauf ich nicht verzichten möchte."

Später in seiner Rede wirbt Gauck vor allem dafür, die längere Lebenszeit als Chance zu nutzen. "Für die meisten von uns geht es mit 50 nicht unaufhaltsam abwärts, es folgt eher ein Hochplateau", sagt er. Allerdings hätten sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch nicht darauf eingestellt, älteren Menschen auch entsprechende Teilzeit- und Fortbildungsmöglichkeiten zu bieten: "Was wir brauchen, ist eine neue Lebenslaufpolitik."

Gertrud Rosemann gehört zu denen, die das für sich schon geschafft haben. Die 92-Jährige war - wie sie sagt - die "seniorste Seniorin" des Teams, das die vom Hamburger Verein Dialog im Dunkeln produzierte Ausstellung zuvor in Frankfurt begleitet hat.

Bei der monatelangen Arbeit habe sie viel gelernt für ein gutes Altern, sagt sie. "Man braucht erstens eine Aufgabe, zweitens Kontakte und drittens jeden Tag etwas, worauf man sich freuen kann. Dann steckt man auch seine Rückenschmerzen und andere Molesten leichter weg."

Service:

- Ausstellung: läuft bis 23. August - Öffnungszeiten: Di 9-20 Uhr, Mi-Fr 9-17 Uhr, Sa/So 11-19 Uhr - Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Ausstellungsseite des Museums

Homepage des Vereins Dialog im Dunkeln

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