1. wa.de
  2. Kultur

„Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger spielt das Schauspielhaus Bochum als Bühnenversion in Dortmund

Erstellt:

Von: Achim Lettmann

Kommentare

In Trikot und Fußballschuhen spielen Anne Rietmeijer (von links), Konstantin Bühler und Karin Moog
In Trikot und Fußballschuhen spielen Anne Rietmeijer (von links), Konstantin Bühler und Karin Moog „Nicht wie ihr“. © China Hopson

Ivo ist Fußballprofi. Was er von seiner Jugendliebe will und wie sein Alltag aussieht, thematisiert ein Schauspiel im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund: „Nicht wie ihr“.

Dortmund – Eigentlich ist Jessy das Problem, sagt sich Ivo. Weil er mit seiner Frau eine Tochter hat und mit beiden in Manchester lebt, kann er nicht mit Mirna in Wien zusammen sein, seiner Jugendliebe („Ich hab Dich immer süß gefunden“). Ivo hadert, und das Schauspiel „Nicht wie ihr“ blickt ganz tief in seine Fußballerseele, wo sich vor allem eins findet: Fußball. Deshalb ist Ivo auch ein so langweiliger Mensch, bilanziert Tonio Schachinger (30) in seinem gleichnamigen Roman. Der österreichische Autor erzählt vom Fußballstar Ivo Trifunovic präzise und entlarvend. Sein Antiheld, der eine Familie in Serbien hat, scheint wahrhaftiger als die Wirklichkeit selbst zu sein. Er ist, wie er ist.

Im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zeigt das Schauspielhaus Bochum eine Bühnenversion von „Nicht wie ihr“, die den Kicker mit seinen Nöten aufrichtig vorstellt und amüsant vorführt. Der Egoist, der immer das Duell eins-gegen-eins im Spiel sucht, wird aber nicht der Satire preisgegeben. Die Spielfassung von Malte Jelden und Dorothea Neweling blickt vor allem auf die Sache mit Mirna. Passen Ivos Gefühle in den Spiel- und Lebensplan eines Fußballstars? Premiere League, Nationalmannschaft, Pokalwettbewerbe. Ivo ist gefangen im Druck des Fußballbusiness. Seine Emotionen wirken eitel, selbstbezogen und nachvollziehbar. Auch noch die Oma aus Bosnien besucht ihn.

Ivo möchte etwas anderes vom Leben. Die 100 000 Euro pro Woche befriedigen nicht jedes Bedürfnis. Sex, Liebe oder Anerkennung? Ivo weiß es selbst nicht, als er schreit: „Ich mache Schluss mit dir“, obwohl es gar keine Affäre gegeben hatte. Dieses Vakuum im Selbstverständnis wird vom Regisseur Malte Jelden bittersüß aufgedeckt. Das Ensemble spielt so versiert, dass einerseits die Story von Ivo miterzählt wird, andererseits Szenen dialogisch anklingen oder Ivos innerer Monolog von kleinen Dramen erzählt: Ein Ziehen im Rücken. Karin Moog, Anne Rietmeijer und Konstantin Bühler kriechen um drei Sitzwürfel (Bühne: Jelden). Ivo hat Schmerzen und macht den Vereinsarzt zur Sau. Die Shoppingtour nach London wird abgesagt. Auch Spielerfrau Jessy leidet („Komm’ nicht mit dem Bugatti“). Wenn Ivo sie aufmuntern will, fragt er nach einem brutalen Sport? Fußball, da wird geschossen und geköpf! Mehr Empathie geht nicht.

Und dennoch schenkt das Bochumer Schauspielteam einem Fußballer Verständnis, der nicht wie wir ist.

Termine in Planung; www.

schauspielhausbochum.de

Auch interessant

Kommentare